Deutsche UNESCO-Kommission klärt über "Open Access" auf
Auch wenn es in der Lobby-Schlacht um die Urheberrechtsnovelle unter die Räder gekommen ist, steht das Thema "Open Access" international weit oben auf der Tagesordnung. So sprechen sich Fachleute sowohl bei der Europäischen Union als auch bei der Organisation für ökonomische Zusammenarbeit in Europa (OECD) für die Stärkung von "Open Access" aus. Der UN-Weltgipfel zur Informationsgesellschaft von 2003 hat das Open-Access-Prinzip in seiner Abschlusserklärung aufgenommen(öffnet im neuen Fenster): "Unser Ziel ist die Förderung universellen und gleichberechtigten Zugangs aller Menschen zu wissenschaftlichem Wissen und der Schaffung und Verbreitung von wissenschaftlichen und technischen Informationen, einschließlich Open-Access-Initiativen für wissenschaftliches Publizieren."
Vor diesem Hintergrund fand am 26. Januar 2007 im Auswärtigen Amt in Berlin ein Workshop der deutschen UNESCO-Kommission zu "Open Access" statt(öffnet im neuen Fenster). Fachleute aus dem ganzen Land trafen sich, um Aufbau und Inhalt eines Handbuchs zum Thema zu diskutieren. Die Ergebnisse der Arbeit in Berlin liegen jetzt in Form einer 137-seitigen Publikation vor, die auch kostenlos als PDF zur Verfügung steht(öffnet im neuen Fenster).
In fünf Kapiteln und mehr als 30 Aufsätzen diskutieren die Experten die ganze Bandbreite des Themas "Open Access", von den historischen Anfängen über die politischen Perspektiven bis hin zu internationalen Initiativen. Dabei kommen Praktiker ebenso zu Wort wie Theoretiker. Es geht um Geschäftsmodelle, Finanzierungsmodelle, Urheberrechtsfragen, Probleme der Langzeitarchivierung und die nationalen Perspektiven verschiedener Länder.
Schon ein kurzes Überfliegen der versammelten Beiträge macht klar, dass es bei "Open Access" keineswegs um das Ausleben der "Freibier-Mentalität in der Wissenschaft" geht, wie es der CDU-Bundestagsabgeordnete Günter Krings in der gestrigen Debatte um die Urheberrechtsnovelle dargestellt hat. Vielmehr geht es den Fachleuten darum, die Ergebnisse der mit Steuergeldern geförderten öffentlichen Forschung so breit wie möglich nutzbar zu machen. Durch den freien, möglichst kostenlosen Zugang zu den steuerfinanzierten Ergebnissen wissenschaftlicher Arbeit soll der daraus zu ziehende gesellschaftliche Nutzen maximiert werden. Dabei handelt es sich, und das macht der Sammelband deutlich, um eine existenzielle Frage für die Wissensgesellschaft.
Bei allen Verdiensten hat der Sammelband allerdings auch einen großen Makel: Der Zusammenhang zur Open-Source-Software-Bewegung wurde praktisch nicht berücksichtigt. [von Robert A. Gehring]
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