Spieletest: Colin McRae Dirt - Rally pur war gestern
Großer Umfang und grandiose Technik für Highend-PCs. Fast drei Jahre war es still geworden um die erfolgreiche Colin-McRae-Reihe, die Zwischenzeit hat Codemasters allerdings für eine gründliche Rundumerneuerung der Serie genutzt – weshalb das Wörtchen "Rally" mittlerweile auch nicht mehr im Titel vorkommt. Dirt setzt dafür auf Abwechslung bei Wettbewerben und Fahrzeugen; und begeistert zusätzlich durch traumhaft schöne Grafik.
Rennen gegen die Zeit auf typischen Rally-Strecken sind somit nur noch ein Teil des kompletten Spielpakets, gleichzeitig darf sich auch in diversen anderen Offraod-Varianten ausgetobt werden – etwa im Crossover, Rally Cross oder Hill Climb, wobei natürlich jeweils auch passende Fahrzeuge wie Sport Utility Vehicles, Trucks oder Buggys bereitstehen. In jeder einzelnen Disziplin können komplette Meisterschaften gefahren werden, alternativ darf aber auch der Karrieremodus angewählt und beständig zwischen den Klassen gewechselt werden; der Codemasters-Kollege DTM Race Driver lässt grüßen.
In den einzelnen Rennen verdient man sich Punkte und Geld, womit neue Strecken freigeschaltet und der Fuhrpark erweitert werden können. Letzterer hat natürlich wieder einiges an lizenzierten Fahrzeugen zu bieten – von typischen Rally-Bolliden wie Subaru Impreza bis hin zum Lancia Stratos ist die Auswahl recht ansehnlich und hinsichtlich des Fahrverhaltens auch äußerst abwechslungsreich. Der Schwierigkeitsgrad darf dabei in mehreren Stufen eingestellt werden, was auch Einsteiger nicht zu schnell verzweifeln lässt, Profis aber die Möglichkeit bietet, dank einträglicherer Fortgeschrittenen-Aufgaben schneller mehr Punkte zu sammeln und im Spiel voran zu kommen.
In punkto Fahrverhalten haben die Entwickler das Spiel ein klein wenig in Richtung Arcade verschoben: Zwar steuert sich jedes Fahrzeug unterschiedlich, und gerade in der Anfangszeit ist ein Ausbrechen oder Übersteuern an der Tagesordnung; vor allem die Fahrzeugphysik kann allerdings nur begrenzt als realistisch bezeichnet werden, hier wurde zugunsten eines rasanten Gameplays deutlich Abstand von einer rundum überzeugenden Simulation genommen. Tüftlern steht trotzdem eine große Bandbreite an Einstellmöglichkeiten zur Verfügung, um die Wagen auf den jeweiligen Kurs perfekt abzustimmen. Einsteiger sind mit der vorgegebenen Fahrzeug-Konfiguration aber meist bestens bedient.
Optisch weiß Colin McRae Dirt fast ausnahmslos zu begeistern – zumindest, solange man einen Highend-PC mit der von Codemasters verlangten Shader-3.0-Grafikkarte sein eigen nennt. Teils fotorealistische Szenarien, tolle Licht- und Schatteneffekte, grandiose Spiegelungen und ein extrem hoher Detailgrad sorgen immer wieder für Staunen. Dazu kommt ein umfangreiches Schadensmodell, das sowohl kleine Rempeleien als auch spektakuläre Zusammenstöße gekonnt in Szene setzt. Gerast wird übrigens quer über den Erdball verstreut, wobei natürlich auch der Untergrund immer variiert und sich deutlich aufs Fahrgefühl auswirkt; einzig auf skandinavischen Schnee und Eis muss diesmal leider verzichtet werden.
Wenig überzeugen kann dafür der Online-Multiplayer-Modus: Codemasters spricht zwar von Wettbewerben mit 100 Teilnehmern, nur hat man es dabei eher mit theoretischer Konkurrenz zu tun – gefahren wird nämlich nur gegen die Zeiten der menschlichen Kontrahenten, wirklich auf der Strecke trifft man sie nicht.
Colin McRae Dirt ist neben der hier getesteten Version für den PC auch für die Xbox 360 im Handel erhältlich und kostet etwa 50 (PC) bzw. 60 Euro (Xbox 360). Eine Version für PlayStation 3 ist angekündigt.
Fazit: Runderneuerung geglückt: Colin McRae Dirt trumpft mit toller Technik, abwechslungsreichem Gameplay und großem Umfang auf. Einzig Rally-Puristen könnten ein wenig enttäuscht sein – die Serie geht mit Dirt eindeutig einen guten Schritt weg vom Realismus der Vergangenheit und betont Spielspaß diesmal mehr als die korrekte Fahrphysik.