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Handelsüblicher Scanner macht Blindenschrift lesbar

Programm zur Entschlüsselung des Braillecodes entwickelt. An der Fakultät "Computer & Electrical Engineering (CEE)" der Hochschule Furtwangen haben Prof. Dr. Rülling und Prof. Dr. Schmid ein Programm entwickelt, das Blindenschrift mit einem handelsüblichen Scanner für Sehende entschlüsseln kann. Der Scanner liest das Bild des Braillecodes ein, schreibt den Text in Klarschrift auf den Bildschirm, liest ihn vor oder vergleicht ihn mit einem Solltext.
/ Andreas Donath
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Die Software soll dort eingesetzt werden, wo Sehende mit Braillecode konfrontiert werden, dessen sie nicht mächtig sind, beispielsweise in der Pharmazie. Auf Medikamentenpackungen müssen Braillecodes stehen, was die Qualitätskontrolle des Wareneingangs von Pharmaunternehmen vor die Herausforderung stellt, diesen auch lesen zu müssen, um sie auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Falsche Angaben von Inhaltsstoffen oder falsche Dosierungsangaben könnten zu schweren gesundheitlichen Schäden führen.

Die Professoren haben in dieses Projekt auch Studenten der Fakultät CEE mit einbezogen. Im Rahmen von Laborarbeiten entwickelten sie mit Hilfe vieler Versuchsreihen ihr Programm.

Durch die versetzte Anordnung der Lichtquelle und des Zeilensensors des Scanners bilden sich beim Scannen an einer Seite der Braillepunkte Schatten aus. Da die Blindenschriftpunkte halbkugelförmig ausgeprägt sind, haben diese Schatten ganz besondere Charakteristika. In einem mehrstufigen Bildverarbeitungsprozess lassen sich die charakteristischen Stellen vom Aufdruck der Packung isolieren. Das Programm lokalisiert zunächst die einzelnen Braillepunkte und sucht dann gerade Linien, die durch möglichst viele Punkte laufen. Dabei entsteht eine Gitterstruktur, in der jeweils 2*3 Gitterpunkte zu einem Braillezeichen gehören.

Die Anzahl und Anordnung der einzelnen Braillepunkte entspricht einem einzelnen Buchstaben oder Sonderzeichen. So lässt sich die Beschriftung der Medikamentenpackung zeichenweise aus dem Gitter ablesen. Wie bei einem Sternenbild am Nachthimmel analysiert dieser Vorgang zunächst einzelne Punkte, um sie dann zu einem bekannten Muster zusammenzusetzen.


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