Handelsüblicher Scanner macht Blindenschrift lesbar
Die Software soll dort eingesetzt werden, wo Sehende mit Braillecode konfrontiert werden, dessen sie nicht mächtig sind, beispielsweise in der Pharmazie. Auf Medikamentenpackungen müssen Braillecodes stehen, was die Qualitätskontrolle des Wareneingangs von Pharmaunternehmen vor die Herausforderung stellt, diesen auch lesen zu müssen, um sie auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Falsche Angaben von Inhaltsstoffen oder falsche Dosierungsangaben könnten zu schweren gesundheitlichen Schäden führen.
Durch die versetzte Anordnung der Lichtquelle und des Zeilensensors des Scanners bilden sich beim Scannen an einer Seite der Braillepunkte Schatten aus. Da die Blindenschriftpunkte halbkugelförmig ausgeprägt sind, haben diese Schatten ganz besondere Charakteristika. In einem mehrstufigen Bildverarbeitungsprozess lassen sich die charakteristischen Stellen vom Aufdruck der Packung isolieren. Das Programm lokalisiert zunächst die einzelnen Braillepunkte und sucht dann gerade Linien, die durch möglichst viele Punkte laufen. Dabei entsteht eine Gitterstruktur, in der jeweils 2*3 Gitterpunkte zu einem Braillezeichen gehören.
Die Anzahl und Anordnung der einzelnen Braillepunkte entspricht einem einzelnen Buchstaben oder Sonderzeichen. So lässt sich die Beschriftung der Medikamentenpackung zeichenweise aus dem Gitter ablesen. Wie bei einem Sternenbild am Nachthimmel analysiert dieser Vorgang zunächst einzelne Punkte, um sie dann zu einem bekannten Muster zusammenzusetzen.