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Test: AMDs Radeon HD 2600/2400 - R600 endlich sparsamer

Grafikkarten für DirectX-10 von 90,- bis 150,- Euro im Test. AMDs neue Mitte kommt im Juli 2007 auf den Markt. Bereits jetzt hat der Chip-Hersteller zwei Modelle auf Basis der R600-Architektur in den Test geschickt - sie müssen gegen gleich teure Nvidia-Karten antreten. Diese in der Spiele-Leistung zu schlagen, schafft AMD jedoch nicht ganz.
/ Nico Ernst
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"Knapp daneben ist auch vorbei" - so war der Tenor nach Erscheinen des verspäteten R600 , jetzt besser bekannt als "Radeon HD 2900 XT". Mit einem Preis von anfangs rund 400,- Euro stellte AMD seinen neuen Grafikprozessor nicht gegen Nvidias Top-Modelle GeForce 8800 GTX und Ultra auf, sondern gegen die GTS-Variante. Diese ist inzwischen schon für ca. 300,- Euro zu haben, und die 2900 XT rutschte in nur zwei Monaten auf rund 330,- Euro Straßenpreis. Den 8800 GTS schlug jedoch der 2900 XT nur in wenigen Tests, zudem waren die ersten Treiber noch von Fehlern und Leistungsproblemen geplagt.

AMD hatte sich ganz bewusst vom Technologie-Wettrüsten um die schnellste Spiele-Rakete verabschiedet. Hinter vorgehaltener Hand war auch von den Entwicklern zu hören, erst die Mittelklasse-Karten würden die Entscheidung über die bessere Chip-Architektur bringen. Auf dem Papier hat die R600-Architektur durch einen Ringbus für die Speicheranbindung und nominal mehr Shader-Prozessoren durchaus Vorteile gegenüber Nvidias G80-Architektur . Und in der Klasse unter 200,- Euro werden die größten Stückzahlen verkauft - man durfte gespannt auf den "RV630" (HD 2600 XT) und "RV610" (HD 2400 XT) sein.

Diese beiden GPUs treten nun auch zum Test an. Laut AMD soll eine Grafikkarte mit dem Radeon 2600 XT samt 256 MByte Speicher um 150,- Euro kosten, in diesem Rahmen bewegt sich auch ein 8600 GT von Nvidia, gegen den die Karte AMD zufolge gerichtet ist. Ebenso verhält es sich mit den 80-Euro-Karten 2400 XT und 8500 GT. Neben diesen beiden Prozessoren plant AMD auch noch "Pro"-Varianten der beiden Chips, die etwas niedriger getaktet sind. Zudem können die Grafikkarten-Hersteller auch noch zwischen vielen Taktabstufungen und Speichervarianten wählen, so dass der Markt noch unübersichtlicher wird. Genau hinzusehen lohnt sich. Die folgende Tabelle gibt die möglichen Ausstattungen der Grafikprozessoren wieder.

Grafikkarten 8500 GT 8600 GT HD 2600 XT HD 2400 XT
Stream Prozessoren 16 32 120 40
Kerntakt (MHz) 450 540 600-800 525-700
Shadertakt (MHz) 900 1180 600-800 525-700
Speichertakt (MHz) 400 700 400-1.100 400-800
Speicheranbindung (Bit) 128 128 128 64
Speicherbandbreite (GByte/s) 12,8 22,4 12,8-35,3 6,4-12,8
Speicher (MByte) 256 (DDR2) 256 (GDDR3) 256 (DDR2-GDDR4) 128-256 (DDR2-GDD3)

Neben den XT- und Pro-Modellen der Chips 2400/2600 haben einige Grafikkarten-Hersteller, darunter HIS und MSI, auch "Gemini-Boards" in Planung. Darauf finden sich zwei der 2600-XT-GPUs, die intern über CrossFire verbunden sind. Diese Karten brauchen eine externe Stromversorgung - was sonst bei den hier vorgestellten Boards nicht der Fall ist - und sollen, anders als bei CrossFire oder Nvidias SLI üblich, mit jedem Chipsatz funktionieren. Wann sie auf den Markt kommen, steht aber noch nicht fest. Karten mit einem 2400 XT oder 2600 XT sollen laut AMD spätestens Mitte Juli 2007 lieferbar sein.

Leistung abgespeckt, Ausstattung nicht

Die R600-Architektur hatte Golem.de bereits vorgestellt . Daher an dieser Stelle nur in aller Kürze: Es handelt sich um Grafikprozessoren mit "Unified Shaders", parallelen Rechenwerken für Pixel-Berechnungen, Oberflächen- und Geometrie-Daten. Nach AMDs Zählung kommen im Vergleich zu Nvidia sehr viele der "Stream-Prozessoren" (SPU) zum Einsatz, bis zu 320 beim 2900 XT. Nvidia arbeitet mit weniger SPUs, taktet diese aber doppelt so schnell wie den Rest des Prozessors. Zudem hat AMD den Speicher über einen Ringbus angebunden, bei Nvidia herrscht ein Crossbar, der die Zugriffe selbst verteilen muss.

Beiden Architekturen ist gemein, dass sie die beiden ersten Implementierungen der von DirectX-10 vorgeschriebenen Hardware-Anforderungen sind - sozusagen "DirectX-10 in Hardware, Version 1.0". Bisher sind für bereits erhältliche Spiele wie "Call of Juarez" und "Company of Heroes" nur Patches erschienen, die einige Shader-Effekte für DirectX-10 nachrüsten. Titel, die komplett um die neuen Funktionen herum aufgebaut wurden, sollen erst Ende 2007 auf den Markt kommen. Microsofts Vorzeigemodell ist derzeit " Crysis ", der Nachfolger von "FarCry" von Crytek.

Da sich Grafikkarten zum Preis eines günstigen Komplettrechners kaum in großen Stückzahlen verkaufen, stellen die Chip-Hersteller traditionsgemäß einige Monate nach dem Erscheinen der neuen Architektur mit ihrem Highend-Chip auch "halbierte" GPUs vor - im Falle von Nvidia kann man das wörtlich nehmen, vor allem die SPUs und die Speicherbandbreiten wurden deutlich reduziert.

Testkonfiguration

Getestet wurden alle Karten auf einem Intel-975XBX-Mainboard ("Bad Axe") mit einem Core 2 Duo X6800 (2,93 GHz) und 2 GByte DDR-2-800-Speicher von OCZ mit Timings von 4-4-4-13. Zum Vergleich kamen die "OC-Versionen" der G80-Karten von MSI namens "NX 8600 GT" und "NX 8500 GT" mit 256 Speicher mit dem aktuellen Treiber 158.22 für Windows XP und 158.24 für Vista.

Für den Test wurden die serienmäßig übertakteten MSI-Karten von 580/800 auf 540/700 MHz (8600) und von 600/600 auf 450/400 MHz (8500) und somit die von Nvidia empfohlenen Frequenzen heruntergetaktet. Auch die 8500-GT-Karte bietet MSI mit diesen stark überhöhten Takten im Handel so an, sie lief im nicht bewerteten Test mit der Übertaktung eine Stunde im 3DMark06 stabil.

Den 2400 und 2600 XT stellte AMD in Form von Karten mit dem jeweiligen Referenz-Design samt 256 MByte Speicher. Mit 700/800 MHz für den 2400 und 800/1.100 MHz beim 2600 XT lagen die Takte für Chip und Grafikspeicher am oberen Ende der Spezifikationen. Wie bei Nvidia-Karten ist aber bald auch mit höher getakteten Bausteinen zu rechnen, für welche die Hersteller der Grafikkarten die Garantie übernehmen.

Die beiden AMD-Karten liefen mit einem Beta-Treiber, der laut der Entwickler Teile des nächsten Catalyst 7.7 enthält. Wenn die Karten im Handel verfügbar sind, funktionieren sie aber auch mit dem aktuellen Catalyst 7.6, aber möglicherweise nicht mit der vollen Leistung. Catalyst 7.6 hat jedoch die WHQL-Zertifizierung von Microsoft erhalten, so dass der Treiber voll funktional sein sollte, auch unter Vista.

Soweit nicht anders genannt, wurden alle Spieletests mit den maximal möglichen Details und Filtereinstellungen des Titels in den drei Auflösungen 1.024 x 768, 1.280 x 1.024 und 1.600 x 1.200 Pixel durchgeführt. Alle Spiele liefen, mit Ausnahme von Call of Juarez, unter einem aktuell gepatchten Windows XP ohne Hintergrunddienste. Unter Vista wurden Dienste wie die Datei-Indizierung abgeschaltet.

Synthetische Tests mit 3DMark06

Auch wenn der populäre Benchmark nicht auf einer echten Spiele-Engine basiert, eignet er sich gut für die Beurteilung theoretischer Gesamtleistung. Auch Feinheiten wie die Füllrate lassen sich reproduzierbar für verschiedene Architekturen nachmessen. Wie schon der 2900 XT gewinnt der 2600 XT hier in den Standardeinstellungen des Programms alle Tests gegenüber seinem Nvidia-Pendant. Bei beiden neuen AMD-Karten fällt die hohe Füllrate auf, ein Beleg für den effektiven Ringbus.

Die beiden kleinsten Grafikkarten leiden besonders unter ihrem schmalen Speicher-Bus von je nur 64 Bit, was die Füllrate mehr als halbiert. Durch diesen engen Bus müssen sich auch bei Spielen sämtliche Daten quälen.

F.E.A.R

Dieses Spiel lebt vor allem von seiner ausgefeilten Beleuchtung, für die aufwendige Shader-Programme zuständig sind. Die AMD-Karten schlagen sich hier wacker, der 8600 GT liegt jedoch uneinholbar vorne. Schon bei diesem älteren Titel zeigt sich aber, dass bei hohen Auflösungen in Verbindung mit Anti-Aliasing Mittelklasse-Grafikkarten überfordert sind. Mit den beiden 150-Euro-Karten sind immerhin noch die für 4:3-TFTs gebräuchlichen 1.280 x 1.024 Pixel spielbar, wenn man auf einige Effekte verzichtet.

Far Cry

Der einstige Grafik-Knaller ist inzwischen guter Standard - aber mit seinen DirectX-9-Shadern immer noch sehr fordernd für Grafikkarten. Traditionell kommt dieses Spiel mit Nvidia-Karten besonders gut zurecht und ist auch im Vergleich mit AMDs Jüngsten doppelt auf den GeForce-Boards. Die schmalere Speicherbandbreite der günstigen Grafikkarten macht sich auch hier bemerkbar: Schaltet man beispielsweise auf der 2600 XT das Anti-Aliasing ab, verdoppeln sich bei 1.280 x 1.024 Pixeln die Bildraten, und der Titel läuft flüssig.

Trackmania United

Bei diesem Fun-Racer geht das Geschwindigkeitsgefühl über alles. Zudem haben die Entwickler bei Nadeo das Spiel mit zahlreichen Effekten wie mehrfarbiger Beleuchtung und Bewegungsunschärfe aufgepeppt, alles durch Shader realisiert. Das drückt die Leistung bei den Budget-Karten. Verzichtet man auf diese beiden Spezialeffekte, kommt der 2600 XT statt 19 Bildern pro Sekunde bei 1280er-Auflösung auf 33 FPS im Mittel, im Praxistest ist der Titel über weite Strecken gut spielbar.

Company of Heroes

Das aktuelle Strategie-Spiel bietet bei maximalen Details faszinierende Grafik mit sehr ausgefeilten 3D-Modellen. Bei diesem Titel hatte AMD mit den ersten R600-Treibern große Probleme, vor allem in Verbindung mit Anti-Aliasing. Das ist nun behoben, der 2600 XT stellt in diesem Test sogar die schnellste Karte. Selbst bei 1.600 x 1.200 Punkten mit allen Effekten und Filterung ist der Titel noch gut spielbar, die 90-Euro-Karten können hier jedoch bei weitem nicht mehr mithalten. Mit kleineren Auflösungen muss man bei den teureren Modellen keine Abstriche mehr machen. Zum Einsatz kam noch der Patch 1.50 unter Windows XP, ein Ausblick auf DirectX-10 mit dem Patch 1.70 unter Windows Vista bleibt einem späteren Test vorbehalten.

Call of Juarez (DirectX-10-Beta)

Diese von AMD gesponserte Beta-Version des DX-10-Patches für den Western-Shooter ist hart umstritten. Die Entwickler von Techland beteuern jedoch, keinerlei AMD-spezifische Optimierungen vorgenommen zu haben und sich nur an Standardfunktionen der Grafikschnittstelle orientiert zu haben.

Auch mit Nvidia-Karten ergeben sich bei diesem Test keine Bildfehler oder fehlende Effekte - sie sind jedoch überproportional langsamer. Wir veröffentlichen die Ergebnisse deshalb unter Vorbehalt. Unbestätigten Angaben zufolge soll vor allem der massive Einsatz von Geometrie-Shadern für den Leistungseinbruch der G80-Karten verantwortlich sein - erst ein vollständig auf DirectX-10 optimierter Titel dürfte hier die Entscheidung bringen.

Leistungsaufnahme

Keine der vier getesteten Karten benötigt eine externe Stromversorgung. Über den PCI-Express-Bus dürfen die Karten laut der Spezifikationen maximal 75 Watt ziehen, was sie nach Angaben der Hersteller nicht annähernd ausreizen sollen. So gibt AMD für den 2600 XT als "typical board power" 45 Watt an, 25 Watt für den 2400 XT. Nvidia gibt ebenfalls 45 Watt für die 8600 GT an. Warum dann der Unterschied zwischen einer mit dem Desktop von Windows XP kaum belasteten 2600 XT und dem 3DMark06 bereits über 50 Watt beträgt, erscheint rätselhaft.

Die Ergebnisse geben die Leistungsaufnahme des gesamten Systems an der Steckdose wieder und wurden dreimal wiederholt. Schwankungen ergaben sich nur im Bereich von 2 bis 3 Watt, so dass ein Mittelwert gebildet werden konnte. Zu bewerten ist also vor allem der Unterschied zwischen einer unbelasteten Grafikkarte und dem Gerät im vollen 3D-Stress.

Fazit:

Bisher gilt für alle vier getesteten Grafikkarten: Wer bereits eine leistungsfähige Karte im Bereich einer 7900 GT oder X1900 hat, muss nicht zu den neuen Mittelklasse-Modellen wechseln - es sei denn, die wenigen auf DirectX-10 gepatchten Spiele sind von besonderem Interesse. Doch derzeit sind Jahreszeugnisse gefragt, nicht mehr Zwischenstände, und so könnte im Textteil der AMD-Bewertung stehen: "Der Schüler hat sich verbessert". Unter Leistungseinbrüchen bei Filterfunktionen und Darstellungsfehlern haben 2600 XT und 2400 XT anders als der 2900 XT mit seinen ersten Treibern nicht mehr zu leiden. Den 3DMark06 gewinnen die neuen Karten - wie schon der 2900 XT - gegenüber den Nvidia-Konkurrenten, echte Spiele-Benchmarks sind jedoch durchwachsen. Manchmal liegt AMD knapp vorne, bei stark Nvidia-optimierten Spielen wie FarCry ziehen 8600 GT und 8500 GT jedoch davon.

Dank des Wechsels auf 65 Nanometer Strukturbreite hat AMD nun auch den Stromverbrauch im Griff. Der 2400 XT ist noch etwas sparsamer als der 8500 GT, der 2600 XT für die gebotene Leistung aber immer noch zu gefräßig - sogar deutlich hungriger als der 8600 GT, der ihn häufig schlägt. AMD erklärte gegenüber Golem.de, dass es bei der Leistungsaufnahme noch Spielraum durch BIOS-Optimierungen gibt. Bleibt zu hoffen, dass die Grafikarten-Hersteller diesen auch umsetzen. Sobald Nvidia aber von seinen derzeit aktuellen 80 Nanometern auf 65 wechselt, könnte sich AMDs leichter Vorteil wieder erledigt haben.

Die nicht immer hervorragende Rechenleistung will AMD durch eine deutlich bessere Ausstattung wettmachen. Zwar wird nicht, wie beim 2900 XT, ein Spiele-Bundle geboten. Die bessere Video-Ausstattung samt vollständiger Dekodierung von HD-DVDs und Blu-ray Discs stehen aber ebenso wie der HDMI-Ausgang auf der Haben-Seite. Auch hier müssen die Kartenhersteller den teuren Adapter von DVI auf HDMI nicht unbedingt in die Schachtel packen - es gilt, sich vor dem Kauf genau zu informieren.

Die Entwicklung von Spielegrafik orientiert sich aber nicht am Schuljahr, sondern an den Zyklen der Spieleprogrammierer. Und hier wird die Weihnachtssaison mit ersten DirectX-10-Titeln endlich einmal wieder besonders spannend - und erst dann wird wirklich abgerechnet, welche Architektur besser ist.


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