Test: AMDs Radeon HD 2600/2400 - R600 endlich sparsamer

"Knapp daneben ist auch vorbei" - so war der Tenor nach Erscheinen des verspäteten R600 , jetzt besser bekannt als "Radeon HD 2900 XT". Mit einem Preis von anfangs rund 400,- Euro stellte AMD seinen neuen Grafikprozessor nicht gegen Nvidias Top-Modelle GeForce 8800 GTX und Ultra auf, sondern gegen die GTS-Variante. Diese ist inzwischen schon für ca. 300,- Euro zu haben, und die 2900 XT rutschte in nur zwei Monaten auf rund 330,- Euro Straßenpreis. Den 8800 GTS schlug jedoch der 2900 XT nur in wenigen Tests, zudem waren die ersten Treiber noch von Fehlern und Leistungsproblemen geplagt.
AMD hatte sich ganz bewusst vom Technologie-Wettrüsten um die schnellste Spiele-Rakete verabschiedet. Hinter vorgehaltener Hand war auch von den Entwicklern zu hören, erst die Mittelklasse-Karten würden die Entscheidung über die bessere Chip-Architektur bringen. Auf dem Papier hat die R600-Architektur durch einen Ringbus für die Speicheranbindung und nominal mehr Shader-Prozessoren durchaus Vorteile gegenüber Nvidias G80-Architektur . Und in der Klasse unter 200,- Euro werden die größten Stückzahlen verkauft - man durfte gespannt auf den "RV630" (HD 2600 XT) und "RV610" (HD 2400 XT) sein.
Diese beiden GPUs treten nun auch zum Test an. Laut AMD soll eine Grafikkarte mit dem Radeon 2600 XT samt 256 MByte Speicher um 150,- Euro kosten, in diesem Rahmen bewegt sich auch ein 8600 GT von Nvidia, gegen den die Karte AMD zufolge gerichtet ist. Ebenso verhält es sich mit den 80-Euro-Karten 2400 XT und 8500 GT. Neben diesen beiden Prozessoren plant AMD auch noch "Pro"-Varianten der beiden Chips, die etwas niedriger getaktet sind. Zudem können die Grafikkarten-Hersteller auch noch zwischen vielen Taktabstufungen und Speichervarianten wählen, so dass der Markt noch unübersichtlicher wird. Genau hinzusehen lohnt sich. Die folgende Tabelle gibt die möglichen Ausstattungen der Grafikprozessoren wieder.
| Grafikkarten | 8500 GT | 8600 GT | HD 2600 XT | HD 2400 XT |
| Stream Prozessoren | 16 | 32 | 120 | 40 |
| Kerntakt (MHz) | 450 | 540 | 600-800 | 525-700 |
| Shadertakt (MHz) | 900 | 1180 | 600-800 | 525-700 |
| Speichertakt (MHz) | 400 | 700 | 400-1.100 | 400-800 |
| Speicheranbindung (Bit) | 128 | 128 | 128 | 64 |
| Speicherbandbreite (GByte/s) | 12,8 | 22,4 | 12,8-35,3 | 6,4-12,8 |
| Speicher (MByte) | 256 (DDR2) | 256 (GDDR3) | 256 (DDR2-GDDR4) | 128-256 (DDR2-GDD3) |
Leistung abgespeckt, Ausstattung nicht
Beiden Architekturen ist gemein, dass sie die beiden ersten Implementierungen der von DirectX-10 vorgeschriebenen Hardware-Anforderungen sind - sozusagen "DirectX-10 in Hardware, Version 1.0". Bisher sind für bereits erhältliche Spiele wie "Call of Juarez" und "Company of Heroes" nur Patches erschienen, die einige Shader-Effekte für DirectX-10 nachrüsten. Titel, die komplett um die neuen Funktionen herum aufgebaut wurden, sollen erst Ende 2007 auf den Markt kommen. Microsofts Vorzeigemodell ist derzeit " Crysis ", der Nachfolger von "FarCry" von Crytek.
Testkonfiguration
Getestet wurden alle Karten auf einem Intel-975XBX-Mainboard ("Bad Axe") mit einem Core 2 Duo X6800 (2,93 GHz) und 2 GByte DDR-2-800-Speicher von OCZ mit Timings von 4-4-4-13. Zum Vergleich kamen die "OC-Versionen" der G80-Karten von MSI namens "NX 8600 GT" und "NX 8500 GT" mit 256 Speicher mit dem aktuellen Treiber 158.22 für Windows XP und 158.24 für Vista.
Den 2400 und 2600 XT stellte AMD in Form von Karten mit dem jeweiligen Referenz-Design samt 256 MByte Speicher. Mit 700/800 MHz für den 2400 und 800/1.100 MHz beim 2600 XT lagen die Takte für Chip und Grafikspeicher am oberen Ende der Spezifikationen. Wie bei Nvidia-Karten ist aber bald auch mit höher getakteten Bausteinen zu rechnen, für welche die Hersteller der Grafikkarten die Garantie übernehmen.
Soweit nicht anders genannt, wurden alle Spieletests mit den maximal möglichen Details und Filtereinstellungen des Titels in den drei Auflösungen 1.024 x 768, 1.280 x 1.024 und 1.600 x 1.200 Pixel durchgeführt. Alle Spiele liefen, mit Ausnahme von Call of Juarez, unter einem aktuell gepatchten Windows XP ohne Hintergrunddienste. Unter Vista wurden Dienste wie die Datei-Indizierung abgeschaltet.
Synthetische Tests mit 3DMark06
Auch wenn der populäre Benchmark nicht auf einer echten Spiele-Engine basiert, eignet er sich gut für die Beurteilung theoretischer Gesamtleistung. Auch Feinheiten wie die Füllrate lassen sich reproduzierbar für verschiedene Architekturen nachmessen. Wie schon der 2900 XT gewinnt der 2600 XT hier in den Standardeinstellungen des Programms alle Tests gegenüber seinem Nvidia-Pendant. Bei beiden neuen AMD-Karten fällt die hohe Füllrate auf, ein Beleg für den effektiven Ringbus.
Die beiden kleinsten Grafikkarten leiden besonders unter ihrem schmalen Speicher-Bus von je nur 64 Bit, was die Füllrate mehr als halbiert. Durch diesen engen Bus müssen sich auch bei Spielen sämtliche Daten quälen.
F.E.A.R
Dieses Spiel lebt vor allem von seiner ausgefeilten Beleuchtung, für die aufwendige Shader-Programme zuständig sind. Die AMD-Karten schlagen sich hier wacker, der 8600 GT liegt jedoch uneinholbar vorne. Schon bei diesem älteren Titel zeigt sich aber, dass bei hohen Auflösungen in Verbindung mit Anti-Aliasing Mittelklasse-Grafikkarten überfordert sind. Mit den beiden 150-Euro-Karten sind immerhin noch die für 4:3-TFTs gebräuchlichen 1.280 x 1.024 Pixel spielbar, wenn man auf einige Effekte verzichtet.
Der einstige Grafik-Knaller ist inzwischen guter Standard - aber mit seinen DirectX-9-Shadern immer noch sehr fordernd für Grafikkarten. Traditionell kommt dieses Spiel mit Nvidia-Karten besonders gut zurecht und ist auch im Vergleich mit AMDs Jüngsten doppelt auf den GeForce-Boards. Die schmalere Speicherbandbreite der günstigen Grafikkarten macht sich auch hier bemerkbar: Schaltet man beispielsweise auf der 2600 XT das Anti-Aliasing ab, verdoppeln sich bei 1.280 x 1.024 Pixeln die Bildraten, und der Titel läuft flüssig.
Trackmania United
Company of Heroes
Das aktuelle Strategie-Spiel bietet bei maximalen Details faszinierende Grafik mit sehr ausgefeilten 3D-Modellen. Bei diesem Titel hatte AMD mit den ersten R600-Treibern große Probleme, vor allem in Verbindung mit Anti-Aliasing. Das ist nun behoben, der 2600 XT stellt in diesem Test sogar die schnellste Karte. Selbst bei 1.600 x 1.200 Punkten mit allen Effekten und Filterung ist der Titel noch gut spielbar, die 90-Euro-Karten können hier jedoch bei weitem nicht mehr mithalten. Mit kleineren Auflösungen muss man bei den teureren Modellen keine Abstriche mehr machen. Zum Einsatz kam noch der Patch 1.50 unter Windows XP, ein Ausblick auf DirectX-10 mit dem Patch 1.70 unter Windows Vista bleibt einem späteren Test vorbehalten.
Call of Juarez (DirectX-10-Beta)
Diese von AMD gesponserte Beta-Version des DX-10-Patches für den Western-Shooter ist hart umstritten. Die Entwickler von Techland beteuern jedoch, keinerlei AMD-spezifische Optimierungen vorgenommen zu haben und sich nur an Standardfunktionen der Grafikschnittstelle orientiert zu haben.
Leistungsaufnahme
Keine der vier getesteten Karten benötigt eine externe Stromversorgung. Über den PCI-Express-Bus dürfen die Karten laut der Spezifikationen maximal 75 Watt ziehen, was sie nach Angaben der Hersteller nicht annähernd ausreizen sollen. So gibt AMD für den 2600 XT als "typical board power" 45 Watt an, 25 Watt für den 2400 XT. Nvidia gibt ebenfalls 45 Watt für die 8600 GT an. Warum dann der Unterschied zwischen einer mit dem Desktop von Windows XP kaum belasteten 2600 XT und dem 3DMark06 bereits über 50 Watt beträgt, erscheint rätselhaft.
Fazit:
Die Entwicklung von Spielegrafik orientiert sich aber nicht am Schuljahr, sondern an den Zyklen der Spieleprogrammierer. Und hier wird die Weihnachtssaison mit ersten DirectX-10-Titeln endlich einmal wieder besonders spannend - und erst dann wird wirklich abgerechnet, welche Architektur besser ist.



