Besser als das iPhone? Smartphone mit berührungssensitiver Menüsteuerung. Was Apple für sein iPhone plant, hat HTC zumindest so ähnlich schon in sein bald in Deutschland verfügbares Smartphone "Touch" gepackt: eine berührungsempfindliche Menüoberfläche, die das Navigieren vereinfachen soll. Ob dies geglückt ist und was das Gerät sonst noch so zu bieten hat, konnte Golem.de schon mal ausprobieren.
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Das HTC Touch zählt zu den elegantesten Smartphones, die es derzeit in Deutschland zu kaufen gibt. Mit 99,9 x 59 x 14,7 mm und 113 Gramm ist es nämlich eines der schlankesten Geräte auf dem Markt. Um das Gerät so klein und flach bauen zu können, ist HTC allerdings ein paar Kompromisse eingegangen: So haben die Taiwanesen auf eine QWERTZ-Tastatur verzichtet, dem Nutzer steht nur eine virtuelle Tastatur zur Verfügung. Die lässt sich aber zur Not statt mit dem Stift auch ganz gut mit dem Finger bedienen. Auch UMTS bzw. HSDPA sucht der Nutzer vergebens. Er kann mit dem Tribandgerät überall dort, wo es keine Hot Spots gibt, lediglich auf das gemächliche GPRS bzw. EDGE zurückgreifen. Kritikpunkte, die auch auf das iPhone zutreffen.
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Wer diese Wermutstropen akzeptiert, hält ein Gerät mit der derzeit innovativsten Benutzerführung auf dem Markt in Händen. Auf den ersten Blick scheint die Berührungstechnik wie bei dem Modell Chocolate von LG gelöst zu sein. Doch die Technik, die dahinter steckt, ist eine andere: TouchFlo – wie HTC die Menüsteuerung durch Berührung nennt – setzt auf Windows Mobile 6 auf und ist nicht wie bei LG in ein proprietäres Betriebssystem integriert. Die Unterschiede manifestieren sich auch nach außen hin: Das HTC Touch lässt sich – anders als das Chocolate – sogar mit Handschuhen bedienen.
Die sensitive Oberfläche ermöglicht es dem Nutzer, vom Startbildschirm aus mit einem Finger zu den wichtigsten Menüpunkten zu gelangen. Einmal von unten nach oben über das Display streichen reicht aus, um das Menü zu öffnen: daumengroße 3D-ähnliche Icons poppen auf. Einmal quer streichen, und man blättert zum nächsten Menüpunkt: Von den Telefonfunktionen zu PIM und Internet, schließlich zu Multimedia (Musik, Fotos, Videos). Alles schön strukturiert.
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Das funktioniert ziemlich intuitiv, anfangs muss man jedoch ein wenig herumprobieren, mit welcher Geschwindigkeit und Festigkeit das Display gestreichelt werden will. Schade, dass es – von einer Scrollfunktion abgesehen – in den tieferen Menüebenen mit den Streicheleinheiten vorbei ist. Innerhalb der Applikationen wird das Handy so bedient, wie es Windows Mobile 6 üblicherweise vorsieht.
Die berührungsfreundliche Oberfläche erstreckt sich über das 2,8 Zoll große Display, das allerdings nur bis zu 65.536 Farben bei einer Auflösung von 320 x 240 Pixeln darstellt. Sonnenlichttauglich ist das Gerät praktisch überhaupt nicht: Knallt die Sonne direkt aufs Display, sind die Inhalte kaum noch zu lesen.
Der Startbildschirm zeigt ähnlich wie der Desktop auf dem PC die Uhrzeit, Nachrichteneingänge und Anrufe an, außerdem lässt sich direkt das Wetter abfragen – allerdings um den Preis einer Verbindung ins Internet. Außerdem gelangt der Nutzer vom Startbildschirm direkt in den "Launcher", damit ist eine Art Übersichtsseite für häufig genutzte Funktionen gemeint. Auf diese Weise ist man mit zweimal Antippen beispielsweise gleich im Media-Player.
Das HTC Touch kann Kurznachrichten und E-Mails versenden sowie Office-Dokumente bearbeiten. Beim Formulieren des Textes lässt sich einstellen, ab wie vielen Buchstaben die Texterkennung Wortvorschläge machen soll, und zwar nicht nur für einzelne Wörter, sondern für bis zu vier Wörter am Stück. Wer viele Standardnachrichten schreibt, hat praktisch kaum noch Tipparbeit zu bewältigen. Eine sehr hilfreiche Angelegenheit.
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Da HTC sein neues Flaggschiff nicht unbedingt als Business-Gerät versteht, finden sich auch Multimediafunktionen wie ein Musik- und Video-Player zum Abspielen von Videos als MPEG4-Dateien und Musikdateien in den Formaten AAC, AAC+, eAAC+, MP3, WMA und WAV sowie eine 2-Megapixel-Kamera an Bord. Doch allzu viel darf man davon nicht erwarten: Die 2-Megapixel-Kamera besitzt weder Autofokus noch Blitz, fertigt aber bei ordentlichem Licht verwertbare Bilder an. Bei Dämmerlicht leiden die Fotos wie bei fast allen Handykameras an gut sichtbarem Bildrauschen. Es lassen sich Auflösung und Bildqualität, Weißabgleich, Effekte und mitten- oder spotbetontes Scharfstellen einstellen, Motivprogramme aber fehlen. Die Bedienung gelingt intuitiv, das Aktivieren der Kamera (Druck auf den Auslöser am Rand) dauert mit 4-5 Sekunden eine kleine Ewigkeit.
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Im Innern des Smartphones steckt als Prozessor ein OMAP 850, der mit 201 MHz getaktet ist. Der Speicher beläuft sich auf 128 MByte ROM und 64 MByte DDR-RAM, die per Micro-SD-Karte aufgestockt werden können. Fummelig wird es, wenn man die Speicherkarte wechseln will: Sie liegt zwar nicht unter dem Akku versteckt, dennoch muss der Nutzer die hintere Abdeckung wegschieben, um an das Speicherkartenslot zu gelangen. Höchst unerfreulich: Um das HTC Touch per USB mit Daten befüllen zu können, muss der Nutzer erst die mitgelieferte CD installieren.
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Die Akkulaufzeit ist ein Trauerspiel. Im Stand-by hat es unser Testgerät gerade mal 4 Tage ausgehalten, dann wollte es bereits wieder an die Steckdose. Offiziell gibt HTC gute 8 Tage Laufzeit für den Ruhemodus an.
Die Sprachqualität wiederum ist sehr gut, Silben werden so gut wie nicht verschluckt. Auch wenn der Freisprecher aktiviert ist, ist das Gegenüber prima zu verstehen, bei höchster Lautstärke wird der Klang jedoch verzerrt. Sobald beide Gesprächspartner gleichzeitig drauf losreden, versteht man jedoch nichts mehr. Die Lautstärke geht ebenfalls in Ordnung – das Touch ist flughafen- bzw. bahnsteigtauglich.
Fazit: Das Touch gehört durchaus in die Kategorie "will ich haben". Es sieht schick aus, die Menüführung ist pfiffig und die Anwendungen stehen mit Ausnahme der Kamera schnell bereit. Schade, dass neben WLAN nicht auch UMTS/HSDPA zur Verfügung steht. Doch auch Apple bringt mit dem iPhone einen Trumpf: Vermutlich sollte man daher die ersten Tests des "Kultphones" abwarten, die Ende Juni 2007 aus den USA herüberschwappen dürften. Dann erst wird klar werden, ob Apple die Vorschusslorbeeren wirklich verdient hat und das HTC Touch in den Schatten stellen kann, das dem iPhone durchaus Konkurrenz macht.