Angetestet: Nokia E90 Communicator

Fingergymnastik ist angesagt, um zu steuern: Wenn der Nutzer mit dem Hauptdisplay arbeitet, muss er häufig mit dem rechten Daumen zwischen den Softkeys rechts des Displays (Optionen auswählen) und dem Fünf-Wege-Key neben der Tastatur (bestätigen, scrollen) wechseln.
Beide Bildschirmchen sind groß genug, um Inhalte und Funktionen anzeigen zu können – und das tun sie auch: Der Nutzer kann einstellen, ob er, sobald er sein Mobiltelefon zugeklappt hat, seinen "Desktop" sehen will oder ob er es bevorzugt, die jeweils gerade aktive Anwendung auch auf dem Außendisplay weiter anzuzeigen. Damit kann er nämlich weiterarbeiten, auch wenn das E90 zugeklappt ist. Beim Vorgängermodell 9500 war dies noch nicht möglich.
Ebenfalls als praktisch hat sich erwiesen, dass der Nutzer bestimmen kann, ob er auf dem Außendisplay direkt seine E-Mails, Aufgaben und Termine sehen will – die Funktion nennt sich Active Desktop – oder ob er einen neutralen Bildschirm vorzieht. Allerdings ist die Umstellmöglichkeit gut in den Tiefen des Menüpunktes "Einstellungen" versteckt, der Nutzer muss sich über mehrere Ebenen bis zu dem Punkt "Arbeitsplatz zeigen" durchhangeln, um den Active Desktop zu aktivieren.
Wer übrigens einen alten Communicator 9500 (Symbian Series 80) hat, kann seine Daten über eine Anwendung namens "Data Mover" auf das E90 überspielen. Unter dem Menüpunkt "Laden" findet er diese (und auch andere) Nokia-Applikationen zum Herunterladen. Per Bluetooth hat das Überspielen von knapp 1.000 Kontakten im Test knapp 20 Minuten gedauert.
Als Browser kommt der Nokia-eigene HTML-Browser zum Einsatz. Die Seiten bauen sich schnell auf, die Golem.de-Webseite (ca. 200 KByte) wurde im Test innerhalb von 20 Sekunden komplett dargestellt. Zur besseren Orientierung zeigt der Browser eine Mini-Version der aufgerufenen Webseite an. Außerdem sind alle geöffneten Seiten durch ein Scrollen nach links bzw. rechts aufrufbar. Praktisch, da man dadurch nicht immer wieder jede Webadresse neu eingeben muss.
Nokia geht derzeit davon aus, dass die Nutzer kein reines Businessgerät wollen, sondern den Communicator auch in ihrer Freizeit benutzen. Daher haben die Finnen einen MP3-Player sowie eine 3,2-Megapixel-Kamera mit LED-Blitz und Autofokus integriert. Als Schnappschuss-Kamera ist das E90 allerdings nicht zu verwenden: Die Knipse kann nur aktiviert werden, wenn das Smartphone aufgeklappt ist. Aufklappen, Kamera im Menü aktivieren, Zuklappen, Umdrehen, so dass der Auslöser oben liegt – das dauert mindestens 2-3 Sekunden. Alternativ lässt sich die Kamera auch in Gang bringen, indem man die Kamera über die Wippe am Gerät auswählt. Aber auch dies dauert wertvolle 1-2 Sekunden. Schöner wäre es gewesen, wenn die Kamera eine Schutzklappe verpasst bekommen hätte, die beim Aufziehen die Kamera aktiviert.
Zum Schluss haben wir auch noch kurz die Sprachqualität überprüft: Der Partner klingt so klar und natürlich, als säße er um die Ecke, allerdings bleibt das Gespräch auch bei höchster Lautstärke eher leise. Der Freisprecher klingt gut.
Fazit: Das E90 ist gut zu bedienen, bietet reichlich Funktionen und ein gutes Display. Leider ist es im Vergleich zu anderen Smartphones mit 20 mm Dicke und 210 Gramm Lebendgewicht recht schwer und ein bisschen klobig. Schade nur, dass der Nutzer auf einen Touchscreen verzichten muss, denn ansonsten ist das Nokia E90 ein rundum gelungenes Gerät. Weitere technische Details gibt es hier zu lesen.