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Dell: Business-Kunden wollen weder DVI noch Virtualisierung

Annahme neuer Technik bei Notebooks recht zögerlich. Was für Consumer-Geräte heute selbstverständlich ist, gehört bei Business-Notebooks noch lange nicht zum Standard. Dies stellte Dells Produkt-Manager für die Latitude-Rechner im Gespräch mit Golem.de klar.
/ Nico Ernst
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Christoph Kaub ist bei Dell in Europa für die Latitude-Serie und damit Business-Notebooks zuständig. Der Produkt-Manager spricht dabei täglich mit Kunden, die zum Teil auch tausende Geräte auf einmal abnehmen. Bei solchen Aufträgen führen die Käufer stets eigene Evaluierungen durch, testen die Geräte also mit den eigenen Software-Umgebungen oft monatelang, bevor sie dann die Großbestellung aufgeben, Images aufspielen und die Rechner an die Mitarbeiter übergeben.

Durch diesen langen Vorlauf steht die Langlebigkeit eines Geräts an erster Stelle, wie Kaub erklärte. Alle Latitude-Notebooks gibt es mindestens 15 Monate lang in unveränderter Konfiguration, so dass sie mit demselben Image bestückt werden können. Da Dell die Geräte erst nach Auftragseingang fertigt ("Built to Order"), kann man sehr genau auf die Wünsche der Kunden eingehen. In den letzten Monaten, so Kaub, wird dabei immer mehr Speicher als Vorbereitung auf Vista verlangt – aber Intels Turbo Memory steht noch bei keinem seiner Kunden im Anforderungskatalog. Da der Zwischenspeicher für schnellere Festplattenzugriffe nur mit Vista funktioniert, was sich bei den professionellen Anwendern gerade in der Test-Phase befindet, bringe er dank des zögerlichen Umstiegs gerade bei Unternehmen noch keinen Vorteil und werde nicht bestellt – außer mit Testgeräten.

Generell scheuten auch Großkunden heute erhöhte Kosten, stellte Kaub fest: "Geiz ist geil gilt auch hier" . Deshalb habe Dell auch in der aktuellen Latitude-Generation das Turbo-Memory-Modul nicht auf die Mainboards gelötet, sondern als Steckkarte ausgeführt. Dafür sind aber nur zwei Steckplätze in den Geräten vorhanden, so dass der Flash-Cache nicht in Verbindung mit WLAN und einem UMTS-Modul zu haben ist.

Einen Trend sieht der Dell-Manager aber zu SSD-Modulen , welche die Festplatte durch Flash-Laufwerke ersetzen. Gerade im Außeneinsatz wie beim Betrieb auf Baustellen – Dell bietet mit der ATG-Serie auch leicht gehärtete Notebooks an – sorgen die vibrationsunempfindlichen SSD-Laufwerke für weniger Ausfälle. Die derzeit nur mit 32 GByte, bald aber 64 GByte Speicher von Dell erhältlichen SSDs kosten aber bei vergleichbarer Kapazität 250,- bis 300,- US-Dollar mehr und würden deshalb nicht aus Gründen der Leistung, sondern nur bei erhöhten Robustheitsanforderungen bestellt. Für 2008 erwartet Kaub hier aber einen Boom, da dann durch erhöhte Fertigungskapzitäten bei kleineren Strukturbreiten Flash-Speicher nochmals deutlich billiger werden soll.

Zwar werden im Business-Bereich weiterhin matte Notebook-Displays bevorzugt, eine gleichmäßige Ausleuchtung oder neutrale Farben sind jedoch kaum wichtig, meinte Christoph Kaub. "LEDs kommen erst 2008" , stellte er fest, bisher scheuen die Kunden noch die rund 50,- US-Dollar teureren Display-Beleuchtungen, obwohl diese auch langlebiger als die bisher üblichen CCFL-Leuchten sind. Apple, die seit kurzem auch 15-Zoll-Notebooks mit LED-Beleuchtung anbieten , kann sich das laut Kaub nur leisten "weil sie andere Preispunkte treffen"

Selbst was heute für den privaten Anwender eine Selbstverständlichkeit ist, will der Business-Kunde nicht haben: Es gibt noch kein einziges Latitude-Notebook mit DVI-Anschluss, die betagte VGA-Buchse regiert hier noch. Dell will Kaub zufolge erst 2008 Business-Notebooks mit dem digitalen Stecker anbieten, weil viele Anwender den VGA-Port für die Präsentation beim Kunden mit einem älteren Projektor noch brauchen. Auch, dass DVI per Adapter-Stecker zu VGA wird, ist für den Produkt-Manager kein Argument: "Der Adapter ist das erste, was der Anwender verliert" . Wer das Notebook am Schreibtisch mit einem externen Digital-Monitor benutzen will, braucht bei Dell also weiterhin eine Docking-Station – dort ist bei den meisten Modellen auch DVI vorhanden. Der Notebook-Parkplatz muss dabei keine Anschaffung für eine Generation der Mobilrechner bleiben, Dell will die Docking-Stations soweit möglich auch mit künftigen Latitudes kompatibel halten.

Auch eine von Intel mit der vierten Centrino-Generation als "Centrino Pro" beworbene Funktion unterstützt Dell noch nicht aktiv: Die Virtualisierung von Sicherheitsfunktionen auf dem Desktop ist vorerst kein Thema. Auch wenn Anbieter wie Lenovo Derartiges bereits anbieten, will Dell keine eigene Software entwickeln, die beispielsweise Viren in einer vom Host-Betriebssystem unangreifbaren Partition abfangen kann. Als Grund nannte Christoph Kaub die zueinander inkompatiblen Virtualisierungsfunktionen der Prozessorhersteller: "Das ist einfach noch zu proprietär" , meint Dells Produkt-Manager. Erst, wenn es einen mit AMD- und Intel-CPUs funktionierenden einheitlichen Standard auf Hardware-Ebene gebe, würde sich die Entwicklung für Dell lohnen. Einen Zeitplan nannte Kaub dafür noch nicht, ein Hinweis ist aber, dass auch Intel erst 2008 mit neuen Notebook- und Desktop-Chipsätzen Festplattenzugriffe und andere I/O-Funktionen virtualisieren will, was dann einen echten Rundumschutz ermöglichen könnte.


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