Bericht: Eve Online erhält demokratische Wahlen
Eve Online ist immer wieder für Schlagzeilen abseits der Spielepresse gut: Einem Bericht der New York Times(öffnet im neuen Fenster) zufolge plant der Entwickler CCP, für sein Online-Rollenspiel in naher Zukunft erste Wahlen abzuhalten.
Hintergrund dieser Wahlen ist das fehlende Vertrauen in die Firma, der häufig vorgeworfen wird, das politische Geschehen im Spiel zumindest zu beeinflussen. Das gipfelte zuletzt in dem aufgedeckten Eve-Skandal, bei dem einer der Entwickler kleinlaut zugeben musste, dass er sich einen Vorteil verschafft hat.
Um die Vorgänge für die Spieler transparenter zu gestalten, soll jeder der 200.000 Abonnenten ein Wahlrecht erhalten und damit Vertreter aus den eigenen Reihen wählen können. Diese Vertreter will CCP regelmäßig nach Island fliegen lassen, um ihnen die Möglichkeit einer Überprüfung zu geben.
"Wahrnehmung ist Realität" , zitiert die New York Times CCPs CEO Hilmar Veigar "Hellmar" Pétursson, "und wenn ein erheblicher Teil unserer Community denkt, wir sind befangen, egal ob wahr oder nicht, so ist es die Wahrheit für sie" . Pétursson zufolge kann eine Regierung nicht einfach sagen, "wir sind nicht korrupt" , niemand werde dem Glauben schenken. Mit Transparenz will CCP deshalb das Vertrauen der Spieler wieder herstellen.
Dass das Spielgeschehen mit der Realität kollidiert, zeigt der letzte Vorfall der unmittelbar mit dem kriegerischen Verhalten der drei großen politischen Spielzusammenschlüsse zusammenhängt. Über das Pfingstwochenende hat "Goonswarm", eine auf Grund ihrer Spieltaktiken wenig beliebte, aber trotz des jungen Alters aufstrebende Allianz (Teil der "Southern Coalition"), mit einem offenen Brief(öffnet im neuen Fenster) versucht, CCP in die Öffentlichkeit zu zerren.
Der Vorwurf war erneuter Machtmissbrauch zu Gunsten der rivalisierenden Band of Brothers (häufig auch Band of Developers genannt, Teil der "Alliance"). Mittlerweile hat CCP selbst versucht, die Vorwürfe zu entkräften(öffnet im neuen Fenster) und vermeidet es, in dem Blog-Eintrag Namen derer zu nennen, die die Aktion gestartet haben. Viele Spieler sind sich noch immer unsicher, wem zu glauben ist. Entweder hat Goonswarm aus spielpolitischen Gründen gehandelt, um die eigene Moral zu stärken oder CCP hat tatsächlich wieder ein Problem mit Mitarbeitern gehabt.
Da Eve Online seine 200.000 Abonnenten in einem Spieluniversum vereint und nicht durch verschiedene Server voneinander trennt, können bestimmte Ereignisse recht große Auswirkungen auf das Spiel haben. So kann aus jedem Skandal ein handfester spielerischer Vorfall werden, der die Wirtschaft beeinflussen oder gar zu Kriegen im Spiel führen kann.
So seltsam das für einen Außenstehenden auch klingen mag, bei Eve Online bestimmen größtenteils die Spieler, wie sich das Universum zu verhalten hat. Die meisten Allianzen haben sogar Webseiten und geben eigene Pressemitteilungen aus und somit passiert ein Teil des Spiels auch außerhalb des Eve-Online-Clusters. Wer sich das noch nicht vorstellen kann, dem sei ein Blick auf die politische Karte(öffnet im neuen Fenster) empfohlen, die die Machtverhältnisse verdeutlicht.
Insgesamt will CCP Games mit neun Spielervertretern das verloren gegangene Vertrauen wieder herstellen. Die Spieler sollen sich davon überzeugen können, dass die Entwickler das Spiel nicht geschrieben haben, um es selbst zu gewinnen.



