Abo
  • Services:

Video-Interview: "DRM ist unverschämt"

Golem.de im Gespräch mit Eben Moglen

Eben Moglen ist Professor für Recht und Rechtsgeschichte an der Columbia Law School in New York und hat für die Free Software Foundation (FSF) mit an der GNU General Public License v3 (GPLv3) gearbeitet. Sobald die Lizenz fertig ist, will sich Moglen aus dem Vorstand der FSF zurückziehen und sich seinem Software Freedom Law Center (FSLC) widmen, das freien Projekten Rechtsunterstützung bietet. Auf dem Red Hat Summit 2007 Anfang Mai in San Diego sprach Golem.de mit ihm über die GPLv3, über Digital Rights Management (DRM) und Softwarepatente.

Artikel veröffentlicht am , Julius Stiebert

Golem.de: Lassen Sie uns zunächst über die GPLv3 reden. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Änderungen an der Lizenz?

Eben Moglen: Nun, diese fallen in drei Kategorien. Die erste ist die Internationalisierung. Die Welt derer, die freie Software entwickeln und unter der GPL veröffentlichen, ist seit 1991 auf das Fünffache ihrer Größe angewachsen. Die Leute leben in jedem Land der Erde, zum Teil weit weg vom US-Copyright-System. Eine Lizenz, die Begriffe des US-Copyright-Systems nutzt und in englischer Sprache verfasst ist, ist im Hinblick auf die Ziele freier Software nicht mehr sehr hilfreich. Umso wichtiger ist eine Lizenz, die eine Übersetzung in andere Sprachen erlaubt, ohne dass auch die Konzepte angepasst werden müssen. Es ist eine Art "Write once, run everywhere"-Lizenzierung, etwas, das in den meisten Fällen nicht notwendig ist, für freie Software und die Art und Weise, wie diese funktioniert, aber ein hohe Bedeutung hat: Code wandert von Land zu Land, ohne dass dies jemand vorab festlegen kann. Wir brauchen eine Lizenz, die sich überall sehr ähnlich verhält und dabei einen sehr ähnlichen Text hat. Das ist eine intellektuelle Herausforderung für Lizenz-Anwälte, aber ich denke, wir haben genau dies erreicht.

Dies ist das erste, das wichtigste Element. Das zweite Element würde ich als den Schutz der Freiheit charakterisieren, Code in einer Welt zu verändern, in der Daten eine große Nachfrage nach Kontrolle erzeugt haben. 1991, als die GPL 2 veröffentlicht wurde, waren Daten nur Daten. Es war nicht notwendig zu kontrollieren, was mit ihnen geschieht. In der Zeit seit 1991 hat eine große Zahl von Datenströmen oder mit ihnen verbundene Menschen angefangen zu fordern, dass diese Datenströme ihr Schicksal selbst steuern. Beispielsweise versucht ein Hollywood-Film, der zu einer Ansammlung von Daten wird, alle Computer zu kontrollieren, durch die diese Daten laufen. Das mag aus verschiedenen Gründen per se verwerflich sein, aber es ist auch deshalb verwerflich, weil der Datenstrom versucht, die Freiheit der Software zu kontrollieren, auf der er läuft. Am Ende hat man dann Code, den Leute modifizieren können sollen, aber nicht modifizieren können, da einige Daten dies nicht wollen.

 

Die GPLv3 definiert daher, was zu tun ist, um die Freiheit von auf einem Gerät laufender Software zu schützen, auch wenn das Gerät versucht, die von ihm verarbeiteten Daten zu kontrollieren. Vielleicht sollten Filme per DRM geschützt werden und vielleicht sollte auch Musik per DRM geschützt werden, vielleicht auch nicht. Aber in jedem Fall sollte die Software in einem Musik- oder Film-Abspieler frei bleiben, wenn sie unter der GPL steht.

Stellenmarkt
  1. engelbert strauss GmbH & Co. KG, Biebergemünd
  2. INTARGIA Managementberatung GmbH, Dreieich

Das ist der zweite wichtige Bereich von Änderungen. Der dritte Bereich sind Änderungen in Bezug auf das Patentrecht. Es geht darum, einen Ansatz zu finden, der jedem Nutzer und Entwickler die Sicherheit gibt, dass kein anderes Mitglied der Community ihn betrügt und anfängt, nach Patenten zu rufen. Es reicht, dass die Trolle und Monopolisten außerhalb der Community glauben, dass sie das Recht haben, Ideen durch das Patentsystem zu kontrollieren. Erhält man aber ein Stück Software unter der GPL, dann sollten alle an der Entwicklung beteiligten Leute garantieren, dass sie ihre Patente, sofern sie denn über solche verfügen, nie gegen Dich verwenden, wenn Du etwas mit dem Code tust, was die GPL erlaubt. Ich denke, wir haben Vorkehrungen geschaffen, die dies gewährleisten - mit Zustimmung und Unterstützung der Patentinhaber der IT-Industrie. Denen, die in hohem Umfang zu freier Software unter der GPL beitragen und zugleich über viele Patente verfügen, mit denen wir nie bedroht werden sollten.

Video-Interview: "DRM ist unverschämt" 
  1. 1
  2. 2
  3. 3
  4. 4
  5.  


Anzeige
Spiele-Angebote
  1. (-75%) 14,99€
  2. 59,99€

BenR 24. Jul 2007

Deine Prämisse ist falsch, was das Wörtchen "free" betrifft. Gemeint ist - nach dem alten...

c++fan 12. Jun 2007

Genau das habe ich auch gerade gedacht...

Der_Pisher_aus_... 12. Jun 2007

Wenn Dir das egal ist, wer mit Deinen persönlichen Daten etwas anstellt, erfahrungsgmä...

cruppstahl 05. Jun 2007

Sind hier auch Entwickler? Wer hat ein GPL 2-Projekt und steigt auf GPL 3 um? Ich...

ji (Golem.de) 05. Jun 2007

Arg, ich habe das zweimal korrigiert, die Software hats aber immer wieder vergessen...


Folgen Sie uns
       


Super Nt - Fazit

Wir ziehen unser Test-Fazit zum Super Nt von Analogue.

Super Nt - Fazit Video aufrufen
Thermalright ARO-M14 ausprobiert: Der den Ryzen kühlt
Thermalright ARO-M14 ausprobiert
Der den Ryzen kühlt

Mit dem ARO-M14 bringt Thermalright eine Ryzen-Version des populären HR-02 Macho Rev B. Der in zwei Farben erhältliche CPU-Kühler leistet viel und ist leise, zudem hat Thermalright die Montage etwas verbessert.
Ein Hands on von Marc Sauter


    Coradia iLint: Alstoms Brennstoffzellenzug ist erschreckend unspektakulär
    Coradia iLint
    Alstoms Brennstoffzellenzug ist "erschreckend unspektakulär"

    Ein Nahverkehrszug mit Elektroantrieb ist eigentlich keine Erwähnung wert, dieser jedoch schon: Der vom französischen Konzern Alstom entwickelte Coradia iLint hat einen Antrieb mit Brennstoffzelle. Wir sind mitgefahren.
    Ein Bericht von Werner Pluta

    1. Alternativer Antrieb Toyota zeigt Brennstoffzellenauto und Bus
    2. General Motors Surus bringt Brennstoffzellen in autonome Lkw
    3. Alternative Antriebe Hyundai baut Brennstoffzellen-SUV mit 580 km Reichweite

    Grenzenloser Datenzugriff: Was der Cloud-Act für EU-Bürger bedeutet
    Grenzenloser Datenzugriff
    Was der Cloud-Act für EU-Bürger bedeutet

    Neue Gesetze in den USA und der EU könnten den Weg für einen ungehinderten und schnellen weltweiten Datenzugriff von Ermittlungsbehörden ebnen. Datenschützer und IT-Wirtschaft sehen die Pläne jedoch sehr kritisch.
    Ein Bericht von Friedhelm Greis

    1. Kontoeröffnung Kleinganoven, überforderte Hotlines und ein einfaches Konto
    2. Elektronische Beweise EU-Kommission fordert weltweiten Zugriff auf Daten
    3. Panera Bread Café-Kette exponiert Millionen Kundendaten im Netz

      •  /