Video-Interview: "DRM ist unverschämt"

Golem.de: Was halten sie von DRM?

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Moglen: Ich denke, es ist unverschämt. Es ist nicht angebracht, Menschen etwas vorzuenthalten, das man ihnen kostenlos geben kann, ohne sich selbst zu schaden. Menschen etwas Nützliches oder Schönes vorzuenthalten, weil man das Modell verfolgt, Kultur nur gegen Geld zu Verfügung zu stellen, kommt einer Institutionalisierung von Unwissenheit gleich. Aber meine persönliche Meinung hat nichts damit zu tun, dass mein Klient der Meinung ist, Software muss frei sein. Es hat auch nichts damit zu tun, dass sie meiner Meinung sind.

Wir sind Teil einer globalen Bewegung, die sich fragt, warum Wissen im 21. Jahrhundert etwas sein muss, an dem jemand Eigentum anmelden kann. Wenn Wissen digital wird, kann es praktisch ohne Kosten weitergegeben werden, so dass es vernünftig ist zu fragen, warum wir Menschen von Wissen ausschließen.

Von allen Einsteins, die je gelebt haben, hatten wie viele je die Chance, Physik zu lernen? Vielleicht jeder Tausendste, vielleicht nur jeder Millionste - wir wissen es nicht. Die meisten Menschen, praktisch überall auf der Welt, haben zu jeder Zeit ohne Physik-Kenntnisse gelebt. Aber zu Zeiten des Internets und der Initiative One-Laptop-per-Child (OLPC) besteht noch zu meinen Lebzeiten die Möglichkeit, dass fast jedes Kind auf der Erde die Chance bekommt, Physik zu lernen. Das gilt auch für Mathematik, Literatur, Film und Poesie. All diese Köpfe wegzuwerfen, wenn es nicht notwendig ist, kommt Mord gleich.

 

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Golem.de: Sie haben angekündigt, das Board der Free Software Foundation zu verlassen. Wie sieht Ihre Zukunft aus?

Moglen: Mitglied im Board der Free Software Foundation zu sein ist nur ein kleiner Teil meiner Arbeit. Ich leite das Software Freedom Law Center, eine internationale Anwaltskanzlei, die Hackern kostenlose Rechtsberatung anbietet und von Spenden von Anbietern und Nutzern lebt, die sich dies leisten können. Das ist eine wichtige Unterstützung für die FSF und viele andere Entwickler freier Software. Jeder Anwalt des Software Freedom Law Center - das sind sechs in den USA, zwei in Europa und einer in Indien - haben im letzten Jahr für die Free Software Foundation gearbeitet. Wir fahren unsere Unterstützung für die Free Software Foundation nicht zurück, aber wir repräsentieren daneben viele Dritte, die ebenfalls Hilfe benötigen. Zudem will ich wieder lehren - lehren, um intelligente junge Leute zu finden, die Anwälte werden wollen, zuvor aber Techniker waren und diese Art von Arbeit machen wollen. Leute, die Software von innen heraus verstehen und Anwälte werden wollen, um ihren Teil zum Fortgang dieser Revolution beizutragen. Es ist viel schwieriger, einen Anwalt zum Hacker zu machen als einem Hacker beizubringen, wie man ein Anwalt wird. Ich kann darin Hacker unterrichten, Anwälte zu werden, denn ich habe über 20 Jahre Anwälte ausgebildet.

Meine primäre Aufgabe besteht nun darin, diese jungen Leute zu finden, zu Anwälten zu machen, zu zeigen, wie sie ihre Fähigkeiten einbringen können und sie im Software Freedom Law Center einzusetzen, um die Arbeit dort auszubauen und Gelder von denen einzusammeln, die es sich leisten können. Das ist es, was ich tun muss.

Es war eine Ehre, die Free Software Foundation als Mitglied in deren Vorstand zu betreuen, ich bin dankbar, dass ich dies sieben Jahre lang tun konnte. Aber es gibt intelligente, energiegeladene junge Leute, die ihre Chance in Führungsaufgaben bekommen müssen. Ich stärke die Free Software Foundation, indem ich einen Schritt zur Seite mache. Zugleich stärke ich damit auch das Software Freedom Law Center, indem ich mich ihm stärker widmen kann. Es ist gut, wenn die Zeit im Leben kommt, in der man Organisationen sowohl stärken kann, indem man sie verlässt, als auch bleibt.

Golem.de: Was haben Organisationen und Projekte davon, wenn sie mit dem Software Freedom Law Center zusammenarbeiten?

Moglen: Wir wollen unsere Klienten entlasten, so dass diese bessere Software entwickeln können, die rechtlich besser zu verteidigen ist. Einige Klienten benötigen Unterstützung bei der Leitung der Projekte, manche benötigen materielle Arrangements, manche die Möglichkeit, Spenden anzunehmen, die sich in den USA von der Steuer absetzen lassen, einige Projekte brauchen Ratschläge in Bezug auf Patente, andere bei der Prüfung von Beiträgen Dritter, um Urheberrechts- und Patentverstößen vorzubeugen, und wieder andere bei Verhandlungen in Sachen Markenrecht, weil Unternehmen ihre Namen angreifen. Es gibt eine Vielzahl an Gründen, aus denen jemand, der freie Software entwickelt, juristische Unterstützung benötigt.

Software-Unternehmen wie beispielsweise SAP oder Microsoft haben viele Leute, die Software entwickeln, die aber bezahlt werden müssen. Zudem verfügen sie über Immobilien, sorgen für Kaffee und Milch, Pensionen und die Krankenversicherung. Zudem haben sie viele Leute, die diese Software verkaufen und auch viele Leute, die verhindern sollen, dass die Software "gestohlen" wird. Wir brauchen vieles davon nicht: Wir bezahlen niemanden dafür, dass er Software schreibt, denn viele Menschen auf der ganzen Welt wollen diese Software schreiben, weil sie es lieben. Wir müssen auch niemanden dafür bezahlen, Software zu verkaufen, viele große und reiche Unternehmen auf der Welt übernehmen dies auf eigene Kosten, weil sie damit Geld verdienen können. Wir müssen die Software auch nicht mit Stacheldraht schützen, denn niemand kann stehlen, was bereits frei ist. Aber wir müssen das Recht auf die Entwicklung von Produkten schützen und genau das tut das Software Freedom Law Center. Wir schützen die Freiheit der Entwickler, ihre Programme schreiben zu können, weltweit und mit den dafür notwendigen Mitteln.

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BenR 24. Jul 2007

Deine Prämisse ist falsch, was das Wörtchen "free" betrifft. Gemeint ist - nach dem alten...

c++fan 12. Jun 2007

Genau das habe ich auch gerade gedacht...

Der_Pisher_aus_... 12. Jun 2007

Wenn Dir das egal ist, wer mit Deinen persönlichen Daten etwas anstellt, erfahrungsgmä...

cruppstahl 05. Jun 2007

Sind hier auch Entwickler? Wer hat ein GPL 2-Projekt und steigt auf GPL 3 um? Ich...



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