Interview: Der LinuxTag bleibt in Berlin
Nils Magnus: Wir sehen durchaus einen Trend nach oben und fühlen uns damit auch in der Wahl des Ortes bestätigt – wir sind sehr zufrieden. Berlin ist natürlich im Zentrum Europas, im Zentrum Deutschlands und das umfasst viele Bereiche wie Politik, Gesellschaft und Wirtschaft. Auch die Community hat hier ein schönes Ambiente gefunden, um sich zu präsentieren. Ich denke, alle gemeinsam – Aussteller, Referenten und Besucher – haben hier ein paar schöne Tage erlebt.
Golem.de: Nun kam Berlin schon zur Sprache – Sie waren aber ja eher für den Standort München ...
Magnus: Nein, so würde ich das nicht sagen. Wir haben uns verschiedene Modelle angeschaut, wie wir den LinuxTag insgesamt für die Zukunft organisieren. Eine Überlegung dabei war, wie wir auf bestimmte Zielgruppen zugehen können. Daher wird der LinuxTag verschiedene Veranstaltungen unterstützen. Mit der Open Events Foundation beispielsweise auch andere Events über den LinuxTag hinaus – darunter etwa die "Perspektive Open Source", die auf der diesjährigen Systems stattfindet. Dort ist also der LinuxTag auch wieder dabei.
Aber auch bei der FroSCon-Konferenz in St. Augustin bei Bonn werden wir präsent sein. Es war uns allerdings in der Tat wichtig, dass wir eine Zentralveranstaltung haben, die unter unserem Motto "where .com meets .org" steht. Und um eben die von mir angesprochenen Gruppen zu vereinen, ist Berlin der beste Ort, den man finden kann.
Golem.de: Wie hat sich denn das Verhältnis der ausstellenden Firmen zur Community entwickelt?
Magnus: Wenn man nachzählt, wird man feststellen, dass wir einen erheblichen Überhang an Community-Ständen haben. Insbesondere haben wir zusammen mit den Projekten auch an ihrer Präsentation gearbeitet, die dieses Jahr so gut ist wie nie zuvor.
Das Angebot ist sehr ausgewogen und auch inhaltlich tiefgreifend. Denn wir haben ja vor allem auch daran gearbeitet, eine Integration von zusammenarbeitenden Firmen und Projekten zu schaffen, wobei der Besucher im Vordergrund stand. Wir haben schließlich viele Fachleute auf dem LinuxTag, die Ansprechpartner suchen, was wir ihnen erleichtern wollten.
Golem.de: Was hat die Kooperation mit der IT-Profits dem LinuxTag gebracht?
Magnus: Die genaue Auswertung steht natürlich noch bevor. Es war aber einfach eine günstige Gelegenheit, die wir aufgegriffen haben. Die IT-Profits fand ja schon früher hier statt, ist aber im Gegensatz zum LinuxTag eine regionale Fachmesse. Sicher haben wir durch die Kooperation mehr Aufmerksamkeit in der Region bekommen.
Berlin befindet sich im Bereich Open Source in einer Aufbruchphase. Das hat man in der Diskussion über den Einsatz von Linux in der Berliner Senatsverwaltung gut miterleben können. Dazu gab es bei der Eröffnung des LinuxTages die Ankündigung von Herrn Wirtschaftssenator Wolf, dass er seine Behörde auf Linux migrieren wird. Und das sind ohne Frage positive Schritte in Berlin und dazu hat der LinuxTag – das wurde in den Statements der lokalen Vertreter deutlich – auch einen Impuls gegeben, was uns natürlich freut.
Golem.de: Wo steht der LinuxTag mittlerweile als Messe im Vergleich zu anderen Veranstaltungen?
Magnus: Die Systems und die CeBIT haben als überregionale IT-Fachveranstaltungen natürlich nicht so einen fokussierten Blickwinkel wie der LinuxTag. Über unsere Veranstaltung erreicht man im Bereich Linux auf jeden Fall den richtigen Ansprechpartner. Wenn es aber um einen Überblick über den Stand der IT geht, sind wir selbstverständlich nicht die richtige Anlaufstelle. Der LinuxTag ist so übersichtlich, dass man kompetente Ansprechpartner für die gewünschten Informationen findet und ich glaube, das macht den LinuxTag einzigartig. Wir haben schließlich Referenten aus über 20 Nationen, die über aktuelle Entwicklungen sprechen und der LinuxTag ist für viele aus dem Bereich Open Source und Linux mittlerweile ein fester Termin, worauf wir stolz sind.
Golem.de: Im Vorfeld gab es einige Kritik auf Grund der Schirmherrschaft durch unseren Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble. War das viel heiße Luft oder ist auch tatsächlich etwas auf den LinuxTag zurückgefallen?
Magnus: Wir haben gemerkt, dass es eine deutliche Reaktion gegeben hat und das hat uns auch explizit gefreut. Das ist vielleicht nicht immer so klar geworden. Ganz persönlich freue ich mich sehr stark über die Reaktion, möchte aber umgekehrt auch für einen fairen Umgang werben. Eine faire Diskussion ist auf dem LinuxTag genau richtig, das haben wir auch mehrfach deutlich gemacht und haben auch eine entsprechende Podiumsdiskussion mit ins Programm genommen ("Freie Software für freie Bürger", Anm. d. Red).
In vielen Punkten kann ich die Kritik nachvollziehen, wir sehen aber im Wesentlichen den konstruktiven Aspekt. Vor einigen Jahren hatte Linux in der öffentlichen Verwaltung längst nicht den Stellenwert, den es heute hat. Schon früh hatten wir auf dem LinuxTag aber eine Diskussion mit einem Behördenvertreter auf dem Podium. Daraus hat sich auf Fachebene eine Zusammenarbeit insbesondere mit dem Innenministerium entwickelt. Diese Kooperation haben wir ausgebaut und damit nur positive Erfahrungen gemacht.
Dass jetzt die Meinungen eines einzelnen Politikers in einigen Punkten – die Open Source nicht unmittelbar betreffen – höchst diskussionswürdig sind, hat uns auch etwas kalt erwischt. Aber auch da sage ich nochmal: Wir sind die Plattform, das heißt, es können unterschiedliche Meinungen geäußert werden. Die stellen wir zur Verfügung und eine solche Politik wollen wir beibehalten.
Golem.de: Also hört Freiheit für den LinuxTag nicht bei Software auf?
Magnus: Nein, natürlich nicht! Ganz im Gegenteil: Wir haben ja selbst verschiedenste Projekte gestartet, etwa das Open-Music-Projekt, und uns beispielsweise für freie Software bei öffentlichen Vergaben stark gemacht, etwa mit der Bundestux-Initiative. Es ist nicht nur eine Frage freier Software, sondern eben auch, wie mit Bürgerrechten umgegangen wird und wie es sich in der offenen Gesellschaft lebt.
Golem.de: Die Plakate hängen schon: Der LinuxTag bleibt in Berlin?
Magnus: Das ist richtig, wir haben erst kürzlich einen langjährigen Vertrag unterzeichnet ...
Golem.de: Was heißt langjährig?
Magnus: Ich habe die aktuelle Fassung nicht da, aber ich denke die nächsten fünf Jahre können wir mit Berlin rechnen. Wobei das Wichtige für die Open-Source-Community vor allem ist, dass wir durch die Kooperation mit der Messe Berlin neue Freiheiten gewonnen haben. Wir können uns darauf konzentrieren, freie Software zu bewerben, während sich die Messe um die Organisation kümmern kann.
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