Nintendo will Microsoft und Sony überholen
Gegenüber dem Wall Street Journal (WSJ) erklärte(öffnet im neuen Fenster) Nintendos US-Chef Reggie Fils-Aime in dieser Woche, dass derzeit dreimal mehr Wii als PlayStation 3 und immer noch zweimal mehr Wii als Xbox 360 verkauft würden. Wenn das so bleibt, wird die Zahl der in den USA verkauften Wii-Geräte noch in diesem Jahr, spätestens aber 2008 die der bereits Ende 2005 eingeführten Xbox 360 überholen. Weltweit gesehen werde die Wii schon vorher der Marktführer werden, zumindest betrachtet auf den Markt der aktuellen Konsolengeneration.
An die weltweit insgesamt über 100 Millionen Mal verkaufte PlayStation 2 wird zwar auch Nintendo so schnell nicht herankommen. Bei Nintendo of America geht man aber davon aus, bis 2012 rund 35 Millionen Wii in den USA verkaufen zu können.
Die PS2 zog Nintendos US-Vize-Chef George Harrison auch in einem Interview mit Wired(öffnet im neuen Fenster) als Beispiel dafür heran, dass die Lebenszyklen von Spielekonsolen länger werden und nicht mehr nur fünf Jahre andauern. "[...] wir erfahren gerade, dass die Anziehungskraft von schnelleren Prozessoren und besserer Grafik rückläufig ist" , so Harrison. Nintendos Wii ist sowohl der Xbox 360 als auch der PlayStation 3 technisch unterlegen, dafür aber kleiner, günstiger und vor allem dank ihrer ungewöhnlichen Bedienung auf einen Massenmarkt ausgelegt.
"Sie verkaufen so viele PlayStation 2, weil die Leute sagen, 'Wisst ihr was? Die Grafik ist recht gut, der Preis ist gut und die Bibliothek ist gut'." Der Erfolg der PlayStation 3 werde hingegen laut Harrison auf Grund ihres Preises und der (Spiele-)Qualität beschränkt. Ein auch von Sony Computer Entertainment angebrachtes und nicht von der Hand zu weisendes Argument ist jedoch, dass die PS3 auf Grund der höheren Hardwareleistung zukunftssicherer ist. Es stellt sich also die Frage, ob die Wii auch auf lange Zeit wird faszinieren können oder nur für die ersten Monate eine hohe Anziehungskraft ausüben wird.
Fils-Aime erklärte dazu gegenüber dem WSJ in Richtung Sony: "Ich glaube, wenn man nicht so erfolgreich ist, muss man sich an etwas festklammern. Aus unserer Sicht dreht sich diese Industrie um Unterhaltung und um eine Kundenschnittstelle sowie deren Versorgung mit Inhalten. Das ist es, warum Menschen Spiele spielen. Aus diesem Gesichtspunkt funktioniert unsere Strategie zweifellos und wir glauben, dass sie auch in Zukunft funktionieren wird." Was Nintendo alles für die Zukunft der Wii parat hat, verriet Fils-Aime nicht, rät aber dazu, am Ball zu bleiben.
Die Erwartungen für den Wii-Lebenszyklus von Nintendo sind recht hoch, anders als beim stiefmütterlich behandelten Vorgänger Gamecube. Harrison erwartet, dass die Wii eine Lebenszeit von mehr als fünf Jahren haben wird. Für den Lebenszyklus der Wii gehe Nintendo davon aus, dass 40 bis 45 Prozent aller verkauften Spielekonsolen auf die neue Konsole entfallen werden. Auch über 50 Prozent seien möglich, "und das hängt davon ab, was unsere Konkurrenten tun" , so Nintendos US-Vize-Chef. "Wenn sie sich nur auf die Grand-Theft-Autos und die Halos und Ähnliches fokussieren, dann zielen sie nur auf einen sehr kleinen Teil des Marktes."
Der Gesamtmarkt wachse aber so dramatisch, dass Microsoft und Sony die Möglichkeiten verpassen werden, die Nintendo in dem gewachsenen Publikum sehe, so Harrison weiter. Er glaubt nicht, dass die Kontrahenten den Markt wirklich verstünden und warum Nintendo bei den Kunden so erfolgreich sei, stattdessen seien sie nur gut darin, bestimmte Kunden zu erreichen. Laut Harrison hätten Umfragen zufolge bereits 60 Prozent der über 25-Jährigen US-Bürger von Wii gehört, das bedeute aber auch, dass in den restlichen 40 Prozent noch Potenzial stecke und hier der Kauf der Spielekonsole schmackhaft gemacht werden müsse.
Allerdings hat Nintendo auch sechs Monate nach der Wii-Einführung immer noch mit Engpässen zu Kämpfen, da die Nachfrage laut Nintendo unvermindert anhalte und weiterhin nicht gedeckt werden könne. Wie sich das zum Herbst 2007 hin auswirken werde, konnte Harrison deshalb nicht sagen. Zwar steigert Nintendo die Wii-Produktion seit April 2007 weiter, doch reiche das Harrison zufolge bei weitem nicht. Während Nintendo bisher keine entsprechenden Zahlen nannte, geht Analyst Colin Sebastian von Lazard Capital unter anderem laut Next-Generation(öffnet im neuen Fenster) davon aus, dass Nintendo sich zwar einer monatlichen Produktionsmenge von 1,5 Millionen Wii nähere, aber damit bis einschließlich des Weihnachtsgeschäfts die Nachfrage nicht gedeckt werden könne.
Während Nintendo versucht, die Produktionsmenge zu steigern, will Sebastian aus Asien Berichte vernommen haben, denen zufolge Sony Computer Entertainment die Produktion der PlayStation 3 "zumindest zeitweilig" zurückschraube. Eine PS3-Preissenkung erwartet der Analyst mit der nächsten großen Softwarewelle für das System.
- Anzeige Hier geht es zur Nintendo Switch 2 bei Media Markt Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



