Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Test: Fedora 7 - Core und Extras vereint

Angepasste Fedora-Varianten per Mausklick erstellen. Red Hats freie Linux-Distribution ist nach einiger Verzögerung in der Version 7 erschienen und verzichtet nun auf den Namenszusatz "Core". Die Distribution bringt zwar einige grundlegende Änderungen mit, die meisten davon sind jedoch für den Endnutzer nicht direkt ersichtlich. Dennoch sind sie wichtig, bauen doch künftige Versionen auf dieser Basis auf. Zudem soll dadurch die Community stärker in den Entwicklungsprozess einbezogen werden. Neu ist auch die offizielle Live-CD.
/ Julius Stiebert
53 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Am auffälligsten an der neuen Version ist der veränderte Name: Fedora 7 kommt ohne "Core" daher. Und dieses kleine Detail deutet auch schon auf die größte Änderung seit dem Vorgänger hin. Die bisher getrennt geführten Repositorys "Core" (maßgeblich durch Red Hat betreut) und "Extras" (durch die Community) wurden vereint und zu diesem Zweck auch die dahinterstehende Build-Struktur angepasst. Damit soll auch die Community den Entwicklungsprozess stärker mitbestimmen können, während bisher noch viel durch Red Hat gelenkt wurde.

Vor allem aber bildet das große Software-Archiv eine Grundlage für so genannte "Spins". Fedora 7 kommt also nicht mehr als eine große Distribution mit unzähligen Paketen daher, sondern in verschiedenen Varianten. Der Standard-Fedora-Spin enthält dabei ein System, das für Workstation- und Server-Systeme gedacht ist und den von Red Hat traditionell verwendeten Gnome-Desktop mitliefert. Zusätzlich gibt es einen Spin für KDE-Nutzer.

Um diese Spins selbst zu erstellen, gibt es Pungi(öffnet im neuen Fenster) , das ohne großen Aufwand zu bedienen sein soll. Da jedoch eine grafische Benutzeroberfläche fehlt, wird kaum jedermann anfangen, seine eigenen Fedora-Varianten zu basteln. Die Entwickler sind der Ansicht, dass jeder, der eine Konfiguration für die automatische Installationslösung Kickstart schreiben kann, auch in der Lage ist, Pungi zu bedienen. Mit Revisor(öffnet im neuen Fenster) befindet sich aber schon ein Frontend in Arbeit.

Auch viele der weiteren Änderungen stecken unter der Haube. So kommt Fedora 7 mit dem aktuellen Linux-Kernel 2.6.21 und nutzt bereits den neuen WLAN-Stack mac80211 inklusive einiger Treiber, die darauf setzen. Auch wurde die für manche Treiber notwendige Firmware, wie beispielsweise für Intels Ipw-Treiber, nun aufgenommen. Ebenso neu ist der Firewire-Stack und der Umstieg auf die Libata-Treiber für Parallel-ATA-Geräte wurde vollzogen. Dadurch ändern sich die Partitionsnamen in /dev/sdX, was man bei einem Update beachten sollte. Hierdurch kann es beim Update über Yum zu Problemen(öffnet im neuen Fenster) kommen, weshalb sich die Systemaktualisierung über den Installer Anaconda als Alternative empfiehlt.

Bei den Virtualisierungsansätzen hat sich nun KVM zu Xen hinzugesellt. Dementsprechend unterstützt auch der Virtual Machine Manager die neue Lösung und erlaubt so das Verwalten virtueller Maschinen über eine grafische Oberfläche. Für das auf Fedora basierende Red Hat Enterprise Linux bleibt jedoch vorerst Xen die erste Wahl zur Virtualisierung – über längere Sicht wird jedoch wohl auch KVM darin aufgenommen. Schließlich ist Fedora nun ideal als Spielwiese, um eventuelle Probleme mit KVM zu finden und auszumerzen, zumal sich mit Rik van Riel und Ingo Molnar zwei prominente Red-Hat-Entwickler KVM widmen.

Auf Kernel-Ebene ist weiterhin neu, dass der Kern "tickless" arbeitet, damit der Rechner bei Untätigkeit öfter in den Energiesparmodus wechseln kann. Ein kleines Werkzeug analysiert außerdem den Energieverbrauch auf Notebooks. Zusätzlich wurde auch der freie Nouveau-Treiber(öffnet im neuen Fenster) integriert, der zumindest für einige Nvidia-Grafikchipsätze 3D-Beschleunigung ermöglicht.

Auf dem Desktop hingegen gibt es wenig Neues – von einem neuen Design, das sich über die Installation bis zum grafischen Boot-Vorgang hin zum neuen Hintergrundbild zieht, abgesehen. Mit Aiglx und dem standardmäßig installierten Compiz gibt es auch allerlei grafische Effekte auf dem Desktop, von Transparenzen bis hin zu einer Übersicht über alle geöffneten Fenster oder auf die Seiten eines Würfels verteilte virtuelle Desktops. Um diese zu aktivieren, reicht es – kompatible Grafik-Hardware vorausgesetzt – zumindest unter Fedora mit Gnome den entsprechenden Menüpunkt aufzurufen. Über den Gconf-Editor lassen sich dann gegebenenfalls zusätzliche Plug-Ins aktivieren. Beryl – der Compiz-Fork, der mittlerweile wieder mit dem Ursprungsprojekt verschmolzen ist – lässt sich nachinstallieren.

Darüber hinaus erfuhren die üblichen Komponenten Updates. Gnome ist nun in der Version 2.18 dabei, KDE in der Version 3.5.6. OpenOffice.org 2.2 gehört ebenso zu Fedora 7 wie Firefox 2.0.0.3 und der Instant Messenger Pidgin 2. X.org kommt in der Version 7.2 zum Einsatz, die um RandR 1.2(öffnet im neuen Fenster) erweitert wurde. Damit ist die automatische Konfiguration von Displays möglich und Hotplug für Bildschirme wird unterstützt. Gerade die automatische Konfiguration funktioniert bereits recht gut, wem die automatisch ausgewählte Auflösung nicht gefällt, kann diese einfach mit einem grafischen Werkzeug ändern.

Für den Server-Bereich gehören etwa Apache 2.2.4, MySQL 5.0.37 und PHP 5.2.1 zur Distribution. Die Paketverwaltung Yum wurde weiter verbessert, um eine höhere Leistung an den Tag zu legen. Bereits bei der Installation lassen sich zudem weitere Repositorys hinzufügen, sollte das neue Fedora-Archiv nicht ausreichen. Alternativ lässt sich dies, genauso wie eine detaillierte Software-Auswahl, nach der Installation vornehmen. Dabei sieht das Yum-GUI Pirut mittlerweile deutlich übersichtlicher aus als in Fedora Core 5, als es erstmals mitgeliefert wurde.

Wie schon in Fedora Core 6 wird bei installierter Sicherheitserweiterung SELinux ein Programm mit eingerichtet, das bei der Problemlösung helfen soll und etwa bei Regelverletzungen weitere Informationen bietet. Dafür wird dezent ein Symbol eingeblendet, das der Nutzer anklicken kann, sobald er Zeit hat. Etwas komisch dabei ist jedoch schon, dass solche Regelverletzungen beispielsweise auch beim Einspielen von System-Updates auftreten. Wem SELinux zu kompliziert ist, kann dieses aber bereits bei der Installation abwählen.

Nichts geändert hat sich indes bei der Aufnahmepolitik(öffnet im neuen Fenster) für Pakete. So gelangt nur freie bzw. rechtlich unbedenkliche Software in Fedora, MP3-Codecs und Flash fehlen. Auch verschlüsselte DVDs lassen sich nicht wiedergeben und die proprietären Treiber von ATI und Nvidia sind ebenfalls nicht dabei.

Wer einen Blick auf Fedora 7 werfen möchte, kann dazu die erstmals direkt vom Projekt erhältliche Live-CD nutzen und muss die Distribution so nicht gleich installieren. Auf dieser ist zudem ein Installer enthalten, der direkt von der grafischen Oberfläche aus gestartet werden kann.

Fazit:
Fedora 7 bringt einige Änderungen mit, die zwar unter der Haube stecken, aber dennoch wichtig sind. Wie schon beim Vorgänger kann man so eher von Detailänderungen sprechen – mit dem Unterschied, dass diese hier die Struktur der Distribution nachhaltig verändern. Wer also auch künftig auf Red Hats Community-Distribution setzen möchte, sollte auch den Schritt zu Fedora 7 mitgehen und erhält so auch kleinere Verbesserungen. Oder auch größere, beispielsweise beim Einsatz von durch mac80211 unterstützten WLAN-Chips. Für Fedora 8 sollen dann wieder mehr direkt für den Anwender ersichtliche Änderungen in die Distribution gelangen – auf dem Red Hat Summit 2007 in San Diego sprachen die Entwickler etwa von einer größeren Aufmerksamkeit für KDE.

Die Linux-Distribution Fedora 7 steht ab sofort für x86, x86-64 und PowerPC zum Download(öffnet im neuen Fenster) und auf ersten Mirror-Servern(öffnet im neuen Fenster) bereit. Alternativ zum FTP-Download besteht auch die Möglichkeit, BitTorrent(öffnet im neuen Fenster) zu nutzen.


Relevante Themen