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reCAPTCHA: Stoppt Spam, lest Bücher

Spam-Schutz soll helfen, gescannte Texte zu digitalisieren. Wissenschaftler der Carnegie-Mellon-Universität wollen Websites mit "reCAPTCHAs" vor automatisierten Spam-Angriffen schützen und zugleich die Digitalisierung von Büchern vorantreiben. Dabei arbeiten sie mit dem Internet Archive zusammen und werden von Intel unterstützt.
/ Jens Ihlenfeld
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So genannte CAPTCHAs werden genutzt, um zwischen Mensch und Maschine zu unterscheiden und so automatisierten Spam aus Foren und Blog-Kommentaren zu verbannen oder beim Anlegen eines neuen E-Mail-Accounts sicherzustellen, dass ein Mensch am Rechner sitzt. Verzerrte, zum Teil schwer lesbare Buchstaben müssen erkannt werden, um z.B. einen Kommentar in einem so geschützten Blog zu hinterlassen. Sind die CAPTCHAs gut gemacht, wird es für Computerprogramme schwieriger, ungewollten Werbemüll abzusetzen.

Die Idee steht auch hinter den "reCAPTCHAs", doch werden hier gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Statt zufälliger Buchstabenfolgen kommt gescannter Text zum Einsatz, bei dem die Texterkennung (OCR) versagt hat. So kann recht gut sichergestellt werden, dass eine Software den Text nicht erkennen kann, zugleich aber werden die Eingaben genutzt, um gescannte Texte auf diesem Weg von Menschen erkennen zu lassen.

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Die gescannten Texte stellt das Internet Archive bereit, das im Rahmen der Open Content Alliance große Buchbestände digitalisiert. Um die erfassten Texte durchsuchbar zu machen, müssen sie von einer Texterkennung erfasst werden, was aber nicht immer funktioniert. Dies sollen nun Menschen ganz nebenbei übernehmen.

Statt also zufälliger Texte sollen Menschen bei den reCAPTCHAs Texte erkennen, die Computer nicht auswerten konnten. Dazu werden immer zwei Wörter präsentiert: eines, zu dem die Software bereits die Bedeutung kennt und so feststellen kann, ob der Nutzer den Text richtig erkannt hat, ein zweites, das dem System unbekannt ist und so nebenbei vom Nutzer erkannt wird. Die einzelnen Wörter werden dabei mehreren Nutzern präsentiert, um Fehler bei der Erkennung zu minimieren, denn wenn mehrere Nutzer die gleiche Übersetzung liefern, dürfte diese wohl korrekt sein.

Die Wissenschaftler um Professor Manuel Blum schätzen, dass täglich rund 60 Millionen CAPTCHAs entschlüsselt werden, was im Schnitt jeweils rund 10 Sekunden in Anspruch nimmt. So werden rund 150.000 Stunden an Arbeit verschwendet, die sie mit ihren reCAPTCHAs nutzen wollen.

Mit Unterstützung von Intel haben sie dazu unter recaptcha.net(öffnet im neuen Fenster) einen kostenlosen Webdienst aufgesetzt, der es Site-Betreibern erlaubt, ihre Seiten mit reCAPTCHAs zu bestücken. Lediglich große Websites mit hohem Traffic sollen zur Kasse gebeten werden.

Eine Erweiterung der reCAPTCHAs ist bereits in Arbeit: eine Audio-Version, die dann auch Blinde und Sehbehinderte nutzen können. Sie soll Teile von Radiosendungen erfassen, bei denen die Spracherkennung versagt hat.


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