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Motorola am Abgrund

Kaum Innovationen und Chaos bei den Produktbezeichnungen. Mitte 2006 kündigte Motorola an, Nokia vom Thron stoßen und selbst die Nummer eins unter den Handyherstellern werden zu wollen. Zu dem Zeitpunkt feierte der ewige Zweite im Handymarkt noch große Erfolge mit dem Modell RAZR. Doch inzwischen verkauft sich das Handy im Schnitt für nur noch 30,- US-Dollar pro Stück. Neue, innovative Produkte haben die Amerikaner nicht zu bieten und auch der Trick, ein Gerät unter verschiedenen Namen mehrmals als neu zu präsentieren, kann nicht verschleiern, dass Motorola die aktuellen Entwicklungen verschlafen hat.
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Dies macht sich beispielsweise an den Umsatzzahlen deutlich bemerkbar. Motorola musste im ersten Quartal 2007 einen herben Verlust hinnehmen. Konnte das Unternehmen vor einem Jahr einen Nettogewinn von 686 Millionen US-Dollar bzw. 0,27 US-Dollar pro Aktie aufweisen, musste Ende April 2007 ein Nettoverlust von 181 Millionen US-Dollar bzw. 0,08 US-Dollar pro Aktie verkündet werden. Der Verlust geht zu Lasten der Handysparte.

Das Gesamtjahr 2006 lief insgesamt nicht glänzend: Die Motorola-Aktie verlor 2006 rund 19 Prozent an Wert. Im vierten Quartal 2006 ging der Gewinn des Konzerns um 48 Prozent zurück, die Marge sank um 4,4 Prozent.

Die Gründe liegen auf der Hand: Seit längerem schon hat Motorola keine neuen Handymodelle präsentiert, die aufhorchen lassen. Die Aktivitäten bestanden lediglich in Produktpflege an bestehenden Modellen. So durfte sich der Markt über RAZR-Varianten mit oder ohne Klappe, mit größerer Kamera oder irgendwann endlich auch mit UMTS freuen. Sony Ericsson dagegen hat beispielsweise in dieser Zeit neben seiner Marke Walkman erfolgreich die Fotohandys der Marke Cybershot etabliert und ein 3-Megapixel-Kamera-Handy auf den Markt gebracht.

Immer häufiger finden sich auch die Funktionen WLAN und GPS in Mobiltelefonen – bei Motorola sucht man sie vergebens. Ganz anders positioniert sich hier die Nummer eins im Handymarkt: Nokia bietet eine verhältnismäßig große Auswahl an Geräten mit WLAN. GPS soll bald standardmäßig in die Mobiltelefone aus Nordeuropa gepackt werden, auch wenn bisher nur wenige Modelle damit angekündigt wurden.

Motorola weiß, dass sie nichts Neues bereithalten und versucht dennoch, Apples Strategie der Gerüchte zu fahren: Motorola-CEO Ed Zander hat vor ein paar Tagen vollmundig ein sensationelles Mobiltelefon angekündigt. Gigantische Videoqualitäten sollte das neue Gerät haben. Der Zeitpunkt für diese Ankündigung dürfte nicht zufällig gewählt sein, schließlich sollen das Motorola-Handy und Apples iPhone beinahe zeitgleich in den Sommermonaten in den USA in die Regale kommen.

Doch wie peinlich: Es stellte sich heraus, dass der Handybauer mangels echter Knüller kurzerhand das Z8 ein weiteres Mal ankündigte. Es wurde bereits zum 3GSM Congress präsentiert. Spannende Funktionen wie Apples iPhone kann Motorola nicht vorweisen. Viel Speicher und die Kunst, ein Video mit 30 Bildern pro Sekunde abzuspielen, reichen einfach nicht aus.

Noch schlimmer: Im Februar 2007 wurde das Z8 unter dem Produktnamen Motorizr Z8 vorgestellt, nun heißt es Moto Z8. Auch das Motorizr Z6 hat einen neuen Namen bekommen: Es heißt nun Rokr Z6. Diese nur Verwirrung bei den Kunden stiftenden Namensumbenennungen sollen offenbar darüber hinwegtäuschen, dass Motorola die Ideen ausgehen.


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