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Interview: "Open Source ist wichtig für den OLPC"

Chris Blizzard
Chris Blizzard
Golem.de: Warum wurde die Sugar-Oberfläche entwickelt und nicht der Standard-GNOME-Desktop genommen?

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Blizzard: Es sollte etwas werden, was geeinigt für Kinder und Leute, die noch nie einen Computer gesehen haben, ist. Schaut man sich einen Linux-, Windows- oder Mac-Desktop an, haben diese alle viele Verhaltensweisen, die man über die Zeit erst lernen muss. Was sind Dateien? Was sind Verzeichnise? Wie öffnet man Anwendungen? Diese Komplexität wollten wir entfernen.

Warum wir nicht GNOME genommen haben, hat viel mit der Umgebung zu tun. Wir haben beim OLPC keine ständige Internetanbindung, zusätzlich Programme zu finden wird also schwierig. Vor allem haben wir aber nur einen sehr begrenzten Speicherplatz von 1 GByte Flash-Speicher. Das komplette Betriebssystem sollte in 130 MByte passen - mit einer kompletten GNOME-Installation unmöglich. Zudem steht weniger Arbeitsspeicher zur Verfügung. Mit einem Standard-GNOME-Desktop wären auf dem OLPC nicht mehr genügend Ressourcen für die Programme vorhanden. Also mussten wir eine Oberfläche entwickeln, die kleiner ist. Der Umgang mit Dateien und Backups sollte aber auch anders funktionieren, so dass wir unsere eigene Lösung entwickeln mussten.

Die klassische Frage ist, was passiert, wenn der Speicherplatz voll ist. Da wir nicht viel davon haben, müssen wir damit rechnen, dass dies häufig passiert. Ein normaler Desktop würde den Nutzer nur auf den Umstand hinweisen. Wir hingegen schlagen vor, was gelöscht werden könnte, weil es alt ist und lange nicht benutzt wurde. Die OLPCs werden schließlich von Kindern eingesetzt, die noch nie an einem Computer gearbeitet haben und denen auch keine Hilfe bei der Arbeit mit ihrem Computer zur Verfügung steht.

Golem.de: Sugar soll den Bedürfnissen von Kindern entsprechen, wird aber vermutlich von Erwachsenen entwickelt. Woher wissen diese, wie ein Desktop für Kinder aussehen muss?

Blizzard: An dem Projekt arbeiten eine Menge Leute mit, die Erfahrung mit Kindern haben. Kinder sind von Natur aus "Lernmaschinen" und entdecken ihre Umgebung. Wir haben Sugar also nach den drei Prinzipien "lernen", "gemeinsam nutzen" und "erstellen" gestaltet. Es ist einfach, Dokumente zu erstellen und diese mit anderen gemeinsam zu nutzen. Die Mesh-Ansicht erlaubt zu sehen, was um einen herum passiert und daran teilzunehmen. Die Kinder können sich zudem gegenseitig helfen. Ich denke es funktioniert ziemlich gut.

OLPC-Oberfläche Sugar
OLPC-Oberfläche Sugar

Golem.de: Das Betriebssystem für den OLPC ist komplett fertig?

Blizzard: Das würde ich so nicht sagen, Software ist nie fertig. Derzeit setzt es auf Red Hats Linux-Distribution Fedora 6, soll aber Fedora 7 nutzen, sobald es verfügbar ist. Aber gerade auch an der Oberfläche gibt es noch viel zu tun.

Golem.de: Nun hat Red Hat auch den Global Desktop vorgestellt, der ebenfalls Entwicklungsländer anvisiert. Was wird Red Hat noch in diesem Bereich machen?

Blizzard: Ich kann diese Frage leider nicht beantworten. Sicher werden noch einige interessante Dinge kommen, auf der Desktop-Seite beispielsweise müssen wir definitiv mit Open Source etwas schaffen, was besser ist als der Windows- oder der Mac-Desktop. Derzeit ist der Linux-Desktop für viele Märkte bereits eine gute Lösung, doch um noch eine bereitere Masse zu erreichen, müssen wir diesen speziellen Märkten etwas bieten, was ihnen sonst niemand bietet. OLPC ist dafür doch ein gutes Beispiel.

Golem.de: Mit dem OLPC verdient Red Hat vermutlich kein Geld. Was ist dann der Grund für dieses Engagement?

Blizzard: Wir glauben daran, Open Source zu verbreiten und damit die Welt positiv zu verändern. Ich halte es auch für einen großen Gewinn, wenn Kinder ein Betriebssystem nutzen können, das wirklich für sie entwickelt wurde. Wir machen etwas Neues, was vorher noch niemand gemacht hat und können das Leben von Millionen von Kindern beeinflussen und Red Hats Botschaft so verbreiten.

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GronkAlonkA 13. Mai 2007

dann bitte auch eine ähnliche lösung für meinen desktop.. usv mit fußpedal

www... 11. Mai 2007

Red Hat[ Linux 5.3 ] hat das IBM-OS/2, wie Microsoft ... . Die hungernden Kinder werden...

nitramk 11. Mai 2007

...wenigstens wachsen die Kinder dann nicht direkt unter den Borg Einflüssen auf und...

blabla 11. Mai 2007

hoffentlich wirds was mit den grossen stückzahlen, mal schauen wie lange es geht bis die...

Deutscher... 11. Mai 2007

kwt


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