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Spieletest: Genesis Rising - Homeworld lässt grüßen

Weltall-Strategie mit erfrischenden Ideen und Steuerungsproblemen. Echtzeitstrategie und Science Fiction sind eine in der Games-Branche eher unübliche Kombination – das kommerziell wenig erfolgreiche Homeworld stellt eines der wenigen Beispiele für dieses Genre da. Mit "Genesis Rising" wartet jetzt allerdings Nachschub auf PC-Strategen, die sich gerne in Raumschiffen austoben.
/ Thorsten Wiesner
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Über eine stereotype Hintergrundgeschichte muss sich bei "Genesis Rising" niemand beschweren: Zwar gibt es auch hier eine übermächtige Rasse, die das Weltall dominiert und knechtet sowie eine Horde Unerschrockener, die sich den Invasoren in den Weg stellt – so weit, so altbekannt. Allerdings sind es diesmal nicht die Aliens, die Furcht und Schrecken über die Galaxis bringen, sondern die Menschen – und dem Spieler wird die wenig ehrenvolle Aufgabe zuteil, den blutigen Pfad der Menschheit noch breiter werden zu lassen. An einem unerforschten Ort des Alls soll es nämlich das so genannte "Universal Heart" geben, das unbegrenzte Macht verspricht – und in der Rolle des Flottenkapitäns Iconah obliegt es dem Spieler, eben dorthin zu gelangen.

Ebenso untypisch wie die Story sind auch die Einheiten, die von Iconah befehligt werden; anstelle schnöder Raumschiffe werden hier organische Maschinen dirigiert, die im Genlabor gezüchtet wurden. Um neue Fähigkeiten zu erlangen und somit ausgebaut zu werden, benötigen diese Blut – und das saugen sie sich aus Wracks, die die Kontrahenten nach verlorener Schlacht zurücklassen. Ein großer Reiz von "Genesis Rising" liegt eben darin, diese so genannten "Organids" in diverse Richtungen auszubauen und mit diversen, mal eher zielgerichteten, mal eher auf möglichst große Zerstörung ausgerichteten Waffen auszustatten. Die recht schlaue KI verlangt dem Spieler zudem auch ein recht variables Vorgehen ab; je nach Mission müssen ganz bestimmte Einheitentypen herangezüchtet und ausgebaut werden.

Ein weiterer Pluspunkt von "Genesis Rising" ist der nicht vollkommen lineare Spielablauf. So werden in den Missionen unter anderem Multiple-Choice-Gespräche geführt – und je nach ausgewählter Antwort können sich im Spielverlauf Fraktionen gegen oder für Iconah entscheiden.

Der intelligenten Story und dem recht abwechslungsreichen Missionsdesign stehen leider eine ganze Reihe handwerklicher Probleme gegenüber – stellenweise scheint es, als musste "Genesis Rising" zum Ende der Entwicklungszeit dann unbedingt schneller als nötig in den Handel gebracht werden. Das beginnt bei gelegentlichen Abstürzen und kleineren Bugs in der Sprachausgabe. Gravierender ist allerdings das nicht wirklich geschickt ausgedachte Interface-Design: Gerade in den späteren Schlachten geht schnell mal die Übersicht verloren, da Spezialwaffen allesamt manuell ausgewählt werden müssen – bei mehreren Schiffen und unter Zeitdruck eine eher frustrierende Angelegenheit. Ebenfalls unschön: Die Missionslängen sind sehr unterschiedlich, allen Aufträgen gemeinsam ist aber die fehlende Zwischenspeicher-Option – ist eine Mission verloren, muss sie von Beginn an neu gespielt werden.

Optisch ist Genesis Rising durchaus gelungen – die Organids sind ansehnlich designt und bieten auch grafisch eine nette Abwechslung zum RTS-Alltag, auch die Planeten und das All können überzeugen. In puncto Spielumfang gibt es ebenfalls wenig zu meckern: Neben den 30 Einzelspieler-Missionen stehen noch einige Karten für eher typische Multiplayer-Gefechte bereit.

Genesis Rising ist bereits im Handel erhältlich, hat eine USK-Freigabe ab sechs Jahren erhalten und kostet etwa 40,- Euro.

Fazit:
Schade: Genesis Rising verschenkt viel Potenzial – dank witziger Story und ungewöhnlicher Einheiten hätte hier ein wirklich gutes Strategiespiel entstehen können, an vielen Stellen wie etwa dem Interface-Design wirkt der Titel aber einfach noch ein gutes Stück zu unausgereift oder auch zu Bug-anfällig. Das Erbe von Homeworld kann der Titel so jedenfalls nur begrenzt antreten.


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