Interview: Klaus Teubers Siedler von Catan auf der Xbox 360

Catan für die Spielekonsole beinhaltet nur das Basisspiel, nicht die Erweiterungen. Dafür wurden aber Hausregeln wie der "Freundliche Räuber" integriert. Über Xbox Live können vier Spieler gemeinsam Catan spielen und dabei auch per Headset miteinander kommunizieren. Die Mitspieler können durch die Aktivierung von Animationen beglückwünscht oder auch verhöhnt werden.
Wer gerade keine Mitspieler findet, kann laut Klaus Teuber auf teils recht starke künstliche Gegner zurückgreifen. Dazu stehen 13 historische Persönlichkeiten wie z.B. Alexander und Cleopatra zur Verfügung, die sich in Spielstil und Schwierigkeitslevel unterscheiden.
Wenn es um das Handeln mit und Taktieren gegen die KI geht, gibt es aber wieder Ähnlichkeiten zwischen den Spielen: "Das war schon bei der ersten Insel ganz schön, dass die Charaktere ein bisschen etwas von sich gegeben haben, sich geärgert haben, man hat gemerkt, huch, der ist jetzt sauer auf mich und auch bei der Xbox-Version ist es so, dass man eine Reaktion bekommt" , so Teuber. Mit dem Spiel am Brett könne man das natürlich dennoch nicht vergleichen, aber Teuber nennt es einen sehr schönen Ersatz.
Während der Entwicklung der Xbox-360-Version von Catan stand Teuber in intensivem Kontakt mit Big Huge Games. Auf die Frage nach seinem Interesse von weiteren Spiele-Umsetzungen seitens des Spielestudios erklärte Teuber: "Natürlich, ich bin da offen für, von Big Huge Games war ich sehr begeistert, man muss nur auf mich zukommen."
Auf die Frage, wo denn Catan für die Xbox 360 am meisten ankommen wird, erklärte Teuber nach kurzem Überlegen: "Relativ zur Bevölkerungsdichte würde ich sagen in Holland – das sind die allergrößten Fans von Catan. In Relation zur Bevölkerung sind dort die meisten Brettspiele verkauft worden. [....] Und natürlich auch in Deutschland, klar, aber in den USA auch, da haben wir schon sehr viele Brettspiele verkauft."
Dass es dabei Entwickler von Gesellschaftsspielen einfacher haben, in den USA mit ihren Spielen Erfolg zu haben als Entwickler von Computer- und Videospielen, liegt Teuber zufolge vielleicht auch daran, dass diese Spiele dort schon lange verfügbar waren. Brettspiele waren in den USA hingegen kaum anzutreffen: "Da gab es ja außer ein paar Spielen wie Risiko und Monopoly wenig. Es ist eine echte Marktlücke aufgetan worden." Mittlerweile gibt es dort eigene Läden, die sich den German Board Games widmen. Bei Computerspielen ist das kaum denkbar: "Es ist sehr sehr schwer, in so einen Bereich einzudringen, der schon sehr stark vertreten ist" , bestätigt Teuber.
Man sehe das auch bei Büchern, merkt Teuber an, "es ist sehr schwer, im Buchbereich als deutsche Autoren in Amerika irgendwo Bücher zu platzieren. Ich weiß das von Frau Gablé." Rebecca Gablé von Ehrenwirth, eine deutsche Autorin historischer Romane, hat auch den historischen Roman "Die Siedler von Catan" geschrieben. Von ihr habe er erfahren, dass es nur sehr wenigen Autoren gelingt, in den USA Fuß zu fassen. "Ich denke mal, es gibt in Amerika auch sehr viele gute Autoren, die historische Romane schreiben und das ist halt auch ein gesättigter Markt."
Bei Teuber testet die Familie mit, seine Söhne haben auch Catan für die Xbox 360 schon ausprobiert. Teubers Gemahlin war in dem Fall weniger interessiert, sie ist keine "elektronische Spielerin" . Auch Teuber mag es lieber, mit anderen zusammen am Tisch zu sitzen und zu spielen. Von längeren Computerspielen, in denen sich die Menschen eine zweite Existenz aufbauen, hält er nicht viel: "Es gibt ja da so richtige Spielewelten, in denen manche ihr Leben verbringen und dem stehe ich ein bisschen kritisch gegenüber. [...] World of Warcraft. Wo man dann schon sein richtiges Leben verlieren kann." Die nicht ganz ernst gemeinte Frage, ob es mal ein World of Catan geben kann, verneint Teuber deshalb wenig überraschend: "Nee, sowas würd' ich auch gar nicht machen." Ihm schweben eher einzelne Spiele vor, weniger die Existenz im virtuellen Leben.
Teuber sieht ein Zusammenwachsen von Internet- und Brettspielen: "Wenn man mal keine Leute hat, kann man sagen, ok, ich geh mal in die Community rein und gucke, wer jetzt gerne z.B. Catan spielen würde und kann dann elektronisch das Spiel spielen, neue Leute kennen lernen." In der Catan-Onlinewelt wurden die virtuellen Städte deshalb nach Postleitzahlen geordnet, die Leute lernen sich kennen und können sich treffen. Auch Teuber selbst nutzt diese Möglichkeit. "Das ist eine wunderschöne Verknüpfung von Internet und Brettspiel, dass man auch Leute überregional kennen lernen kann."
Auf der Xbox 360 wird "Catan" über Xbox Live Arcade vertrieben, der Download ist für 800 Punkte, also umgerechnet knapp 10,- Euro ab dem 2. Mai 2007 möglich – Microsoft zufolge ist das Spiel dann ab 10 Uhr morgens zu haben.



