AmigaOS 4.0 - Amiga Inc. klagt gegen Hyperion Entertainment
Im Jahr 2001 erhielten Hyperion Entertainment(öffnet im neuen Fenster) und der Hardware-Hersteller Eyetech von Amiga Inc.(öffnet im neuen Fenster) die Lizenz zur Entwicklung von AmigaOS 4.0 für den längst nicht mehr erhältlichen AmigaOne. Amiga Inc. kümmerte sich lange nicht um das AmigaOS und konzentrierte sich auf eine allem Anschein nach bisher nicht sonderlich erfolgreiche plattformübergreifende Software-Entwicklungsumgebung.
Auch Hyperion Entertainment hat sich lange Zeit gelassen bis das finale AmigaOS 4.0 für spezielle PowerPC-Systeme veröffentlicht wurde, klassische Amigas mit 680x0er-CPUs und PowerPC-Einsteckkarten sollen bald auch unterstützt werden. Oder sollten, denn laut Amiga-Inc.-Website heißt es, dass die Lizenzvereinbarung mit den beiden Partnern bereits am 20. Dezember 2006 beendet wurde.
Das wirft nun die Frage auf, was für ein Betriebssystem auf den beiden PowerPC-Designs laufen wird, die gemeinsam mit dem auf stromsparende Industrie-Rechner und Kleinserien spezialisierten Unternehmen ACK Software Controls entwickelt worden sein sollen. In der entsprechenden Pressemitteilung aus dem April 2007 sind allerdings noch keine Angaben zum Aufbau der Hardware zu finden. Auch zum Betriebssystem steht dort nichts.
Im September 2006 bestätigte Amiga-Chef Bill McEwen gegenüber Amiga.org Gerüchte, denen zufolge sein Unternehmen Hyperion Enterainment die Rechte an AmigaOS 4.0 bereits im April 2003 wieder abkaufte - und gleichzeitig die Portierung von OS4 auf den IBM-PowerPC-405-Embedded-Prozessor bei Hyperion in Auftrag gegeben habe. Von der Betriebssystem-Entwicklung habe man sich nie verabschiedet. Zudem wolle man im Laufe der nächsten fünf Jahre OS4, OS5 und OS6 auf den Markt bingen.
Zaubert Amiga Inc. also vielleicht noch ein AmigaOS 5.0 aus dem Hut? Vermutlich nicht, dem alten Interview(öffnet im neuen Fenster) und dem Lizenzentzug zufolge müssten Amiga Inc. die Rechte am AmigaOS 4.0 vollständig gehören - es würde dann lediglich der Vertrieb gewechselt. Doch Näheres zu den Hintergründen zu der am 26. April 2007 in Seattle eingereichten Klage(öffnet im neuen Fenster) von Amiga Inc. gegen Hyperion Entertainment war bisher nicht in Erfahrung zu bringen.
Unter den Mitgliedern der wenigen verbliebenen Amiga-Communitys sorgte die Meldung über den Markenrechtsstreit zwischen Amiga Inc. und Hyperion Entertainment mal für Verärgerung, mal für Ratlosigkeit und mal für Galgenhumor. Die Wellen gegen Amiga Inc. schlagen zwar gerade hoch, doch auch Amiga-Future(öffnet im neuen Fenster) -Chefredakteur Andreas Magerl - der die Angelegenheit eher mit Humor nimmt - weist im Amiga-News-Forum(öffnet im neuen Fenster) darauf hin, nicht vorschnell Schuldige zu suchen.
Gleichzeitig zeigt die Unsicherheit auch die Schwächen der immer wieder für Kritik sorgenden Kommunikationspolitik von Amiga Inc. Magerl vermutete gegenüber Golem.de, dass Amiga Inc. vor allem deshalb gegen Hyperion Entertainment vorgeht, weil der Geschäftspartner im März 2007 eine Vertriebspartnerschaft mit Acube Systems(öffnet im neuen Fenster) in Bezug auf neue und klassische Amiga-Systeme ankündigte. Eine Amiga-Lizenz für die Sam-PPC-Boards von Acube soll nicht existieren.
Im Amigaworld.net-Forum(öffnet im neuen Fenster) schlug ein Nutzer vor, dass die Amiga-Fans sich nun vielleicht doch von den kommerziellen Amiga-Lösungen verabschieden sollten. Vielmehr sollten sie dem auf AmigaOS-3.1-Kompatibilität ausgelegten, plattformübergreifenden Open-Source-Betriebssystem "Amiga Research Operating System" ( AROS(öffnet im neuen Fenster) ) helfen, an dem derzeit nur eine Hand voll Entwickler privat arbeiten. Allerdings werden wohl nur wenige Amiga-Nutzer nach den Jahren des Wartens auch einen Rückschritt in Kauf nehmen.



