Warren Spector: Weg mit männlichen Machtphantasien

Deus Ex 2 verantwortete Spector als Teil der Geschäftsführung von Ion Storm
Jörg Langer: Warum gibt es eigentlich so viel Gewalt in modernen Spielen?
Warren Spector: Viele Leute in der Spielebranche schauen nach hinten statt nach vorn. Es liegt zuviel Betonung auf der Grafik! Ich sage das schon seit zehn Jahren, aber es wird immer schlimmer. Und zwar, weil die Hardware und unsere technischen Fähigkeiten immer besser werden. Wir können nun die gewohnten Sachen viel extremer und realistischer darstellen. Ich bin deshalb unsicher, ob es wirklich mehr Gewalt gibt heutzutage oder ob sie nicht einfach überzeugender dargestellt wird. Ich hoffe sehr, dass wir angesichts der PS3 und Xbox 360 anfangen zu sehen, was wir Neues damit anstellen können. Und nicht nur, wie wir alte Ideen besser aussehen lassen.
Jörg Langer: Außerdem hilft die Gewalt nicht gerade dabei, die breite Masse zu erreichen.
Warren Spector: Genau. Aber es gibt ja auch ganz andere Trends in der Industrie. Loco Roco ist cool, oder Animal Crossing, oder Little Big World, das Phil Harrison während seiner GDC-Eröffnungsrede vorgestellt hat. Das sind definitiv gegenläufige Entwicklungen. Es ist die Hardcore-Zielgruppe, die immer noch in den Machtphantasien männlicher Halbstarker verfangen ist. Sie macht immer noch einen großen Teil unserer Umsätze aus. Aber wir müssen weg davon, und viele Branchengrößen wollen die Dinge mittlerweile anders angehen.
Jörg Langer: Werden die Menschen irgendwann auf die Computerspiele zurückblicken, wie wir auf Brettspiele? Und Sie sind dann der Dinosaurier - wie heute ihr ehemaliger Chef Steve Jackson, der immer noch Papier-Rollenspiele entwickelt?
Warren Spector: Das ist unausweichlich. Ehrlich gesagt, fühle ich mich schon so. Ich bin 51 Jahre alt und gehöre vermutlich zu den ältesten Menschen, die noch aktiv Spiele entwickeln.
Jörg Langer: Sie haben sich gut gehalten.
Warren Spector: Danke, die Spielebranche hält dich entweder jung oder sie killt dich. Ich habe Mitarbeiter, deren Eltern jünger sind als ich! Aber zurück zu Ihrer Frage: Eines Tages wird ein neues Medium oder eine radikale Revolution dessen, was wir heute machen, kommen und uns regelrecht vorführen. Es wird etwas sein, das die Kinder kapieren und die Eltern fürchten.
"Videospiele haben eine Menge Druck vom Fernsehen oder den Comics genommen"
Jörg Langer: Und unsereiner ruft dann nach gesetzlichen Verboten.
Warren Spector: Ich kann es kaum erwarten! Videospiele sind ein ungeheuer mächtiges Medium, und wir stehen momentan extrem im öffentlichen Fadenkreuz. Alle Welt schaut auf uns, auf die Auswirkungen von Spielen und ihre Gewaltdarstellung. In diesem Sinne haben wir eine Menge Druck vom Fernsehen oder Comics genommen oder von den Spielhallen der 80er-Jahre. Und noch etwas: Leute wie Steve Jackson haben auch heute noch etwas beizutragen. Wenn ich mir ansehe, was er mir beigebracht hat, dann hat das immer noch klare Auswirkungen auf das, was ich heute mache. Also hoffe ich, dass in 20 oder 15 Jahren ich derjenige sein werde, der die Reden hält.
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ach wie süß, so ein kleiner, einsamer wii-thread hier unten dran *lol*
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Kann es sein, dass sie es nicht wollen, weil sie es nicht können? Wie der Fuchs, der die...