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Tauss: Akzeptanz für Computerspiele muss besser werden

Berlin sucht Spieleentwickler und verspricht Förderung. Zum Start der nach Berlin umgezogenen Spieleentwickler-Konferenz " Quo Vadis(öffnet im neuen Fenster) " hat sich Jörg Tauss, der medienpolitische Sprecher der SPD, für die Förderung der Spielebranche und gegen "Killerspiel"-Produktionsverbote ausgesprochen. Berlin versucht sich derweil für die Spielebranche noch deutlich interessanter zu machen, etwa durch einen auch für diese zugänglichen Venture-Capital-Fonds.
/ Christian Klaß
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"Ich halte es deshalb für die Aufgabe einer verantwortungsbewussten Kultur- und Wirtschaftspolitik – auch die Wirtschaftspolitik hat das Thema noch zu wenig entdeckt -, die Akzeptanz für Computerspiele zu erhöhen" , betont Tauss. "Wir brauchen ein wirtschaftlich kreatives Klima, gerade in Zukunftsindustrien wie es sie im Bereich der Gamesbranche [zu finden gibt]. Ich glaube, dass vor allem die Förderung der Entwicklung von qualitativ und auch pädagogisch wertvollen Spielen im Vordergrund stehen muss."

Tauss ist mittlerweile der Meinung, dass auch die Spielebranche zu den zu fördernden Medien zählt, seine ursprüngliche Ablehnung habe er abgelegt, so der SPD-Politiker. Spiele seien ein Teil der Kultur. Die Förderung sei notwendig, um die hohen Grundfinanzierungskosten und die Risiken abfedern zu können – und weil andere Länder sich ebenfalls um die weiter wachsende Unterhaltungsindustrie bemühen – mit Steuervergünstigungen oder der Zusammenarbeit bei der Ausbildung.

Über die "Killerspiel"-Panikmache einiger Länder zeigte sich Tauss verwundert – in Anspielung etwa auf Bayern und dessen Innenminister Günther Beckstein. Hier werde nach dem Janusprinzip vorgegangen: Auf der einen Seite werde die Spielebranche wirtschaftlich gefördert, auf der anderen Seite würde dann "populistisch und medien- und öffentlichkeitswirksam in der Politik dasselbe, was da gefördert wird, geächtet" .

Zumindest Tauss versprach, dass die SPD nicht voreilige Schlüsse in Bezug auf die Auswirkungen von Gewaltspielen ziehen und sich lieber auf die Ergebnisse seriöser Untersuchungen stützen werde – ein weiterer Seitenhieb in Richtung CSU. Etwas verändern müsse sich Tauss zufolge aber beim Handel und den Eltern, die mehr auf die Alterseinstufungen der Spiele achten müssten. "Bei Filmen käme niemand auf die Idee, dem 12-Jährigen einen Film ab 18 zur Verfügung zu stellen" , so Tauss. Und dann werde ein Computerspiel ab 18 gekauft und dem 12-Jährigen gegeben, mit der stolzen Begründung, das eigene Kind wäre so begabt, dass es das "schon kann" . "Das zeigt, dass die Erwachsenenwelt damit noch nichts anfangen kann" , so Tauss. Hier gelte es aufzuklären.

In seiner Rede rief Tauss die Spielebranche schließlich auf, sich bei der KfW Bankengruppe(öffnet im neuen Fenster) (früher: Kreditanstalt für Wiederaufbau) für eine Förderung zu bewerben. Er wolle nicht in einem Jahr von der KfW hören, dass sich niemand mit einem Projekt beworben habe, drohte der SPD-Politiker scherzhaft der in der Auferstehungskirche versammelten Entwicklerschar. Der Quo-Vadis-Veranstalter Stephan Reichart, Aruba Studios, erklärte nach Tauss Rede auf dem Podium, dieser Aufforderung gern nachzukommen und in der kommenden Woche mit der KfW reden zu wollen.

Am Vorabend bestärkte bereits Harald Wolf (Linkspartei.PDS), Berlins Senator für Wirtschaft, Technologie und Frauen, dass sich auch das Land Berlin weiter um die Spielebranche bemühen will; etwa durch Förderprogramme und durch das Knüpfen von Netzwerken etwa im Rahmen des " Projekt Zukunft(öffnet im neuen Fenster) ". Von einem für 2008 geplanten, 30 Millionen Euro umfassenden Venture-Capital-Fonds für Kreative soll nicht nur die Film- und Fernsehwirtschaft, sondern auch die Spielebranche profitieren können. "Der Senat wird seinen Beitrag leisten" , so das Versprechen von Wolf.

Für Berlin dürfte das auch bitter nötig sein, denn mit dem Abwandern des produzierenden Gewerbes liegt die Zukunft vor allem im Medien- und Dienstleistungsbereich. Allerdings werben nicht nur andere deutsche Städte wie vor allem das finanziell besser gestellte Hamburg eifrig um die Kreativen, im europäischen Ausland lockt beispielsweise England und auch Kanadas Lockrufe dringen bis nach Deutschland. Die staatliche Unterstützung geht dabei zum Teil deutlich weiter, sei es durch Partnerschaften im Bildungsbereich oder merkliche Steuervergünstigungen. So ist es auch durchaus ernst zu nehmen, wenn Entwicklerstudios wie die EA-Tochter Crytek wegen der anhaltenden, mitunter wenig sachlich geführten Diskussion um Gewalt in Spielen mit der Abwanderung drohen.

Bei den ganzen Zusagen zur Unterstützung der Spielebranche in Berlin bleibt jedoch ein bitterer Nachgeschmack: Einerseits wird davon geredet, dass Spiele ein Teil der Kultur sind, andererseits sollen es dann aber doch besser nur wertvolle und lehrreiche – man könnte auch sagen schöne und gute – Spiele sein. Wer etwa einen international vermarktbaren Shooter für Erwachsene entwickelt, der könnte durchaus auch im Rot-Rot-regierten Berlin Steine in den Weg gelegt bekommen. Tauss hat also durchaus Recht, wenn er mehr Akzeptanz für Computerspiele einfordert.


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