Interview: "Ubuntu ist Mitglied der Debian-Familie"
Golem.de: So etwas wie Apport macht GNOMEs Bug Buddy doch schon jetzt.
Shuttleworth: Wir haben dies auf Kernel-Ebene realisiert, so dass es automatisch passiert. Bug Buddy bietet ja nur die Möglichkeit zu sagen, "ich möchte jetzt einen Fehler melden". Mit Apport werden aber bei einem Absturz automatisch alle nötigen Informationen gesammelt, der Nutzer muss nur noch einen Knopf drücken, um alles zu übermitteln. Also nichts mehr selbst heraussuchen, kopieren und einfügen, etc. Außerdem haben viele Produktionssysteme nicht die gesamten Debugging-Informationen installiert, deshalb halten wir Kopien bereit. Wenn uns dann Stack-Traces erreichen, können wir dies zusammenfügen und an die Upstream-Entwickler weiterleiten. Die können dann eine genaue Analyse vornehmen.
Golem.de: In den letzten Monaten gab es zwei große Ereignisse in der Open-Source-Szene: zum einen Oracles Einstieg in den Linux-Markt mit Unbreakable Linux und zum anderen natürlich die Microsoft-Novell-Kooperation. Welche Auswirkungen haben diese für Ubuntu und Canonical?
Shuttleworth: Oracles Entscheidung hat sicherlich Auswirkungen, denn Oracle war nah dran, Ubuntu zu unterstützen. Eine eigene Linux-Distribution anzubieten ändert natürlich auch ihre Sichtweise, was die Unterstützung zusätzlicher Distributionen angeht. Für Oracle ist es gut, ein Akteur im Linux-Markt zu sein, so wie es IBM und HP sind - sie nehmen und geben. Ich glaube aber nicht, dass Oracle erfolgreich sein wird, sie müssen ihre Strategie sicher noch einmal durchleuchten, obwohl sie interessant ist. Rein technisch ziehen sie doch Nutzen aus der GPL, um Red Hats Arbeit für sich zu nehmen und selbst Patches sowie Support anzubieten. Aber sie kontrollieren nicht die Richtung der Entwicklung. Wenn Kunden fragen, was Unbreakable Linux in der Zukunft bietet, muss Oracle sie an Red Hat verweisen. Ich glaube, es gäbe bessere Strategien für sie, aber das müssen sie für sich selbst herausfinden.
Was Microsoft und Novell angeht: Zuerst einmal finde ich, dass Novell einen riesigen Fehler gemacht hat. Novell hat total missverstanden, was auf Microsofts Agenda steht und es ist unglücklich, dass eine große Linux-Firma so getäuscht werden konnte. Microsoft hat viel Geld bezahlt, um Novell dazu zu bringen, die Theorie zu bestätigen, dass Linux Microsofts geistiges Eigentum verletzt. Microsofts Plan ist doch, sicherzustellen, dass Linux nie frei sein kann. Wenn jeder Linux-Anwender eine Lizenzgebühr an Microsoft zahlen soll, muss es aber ein Wettkampf zwischen zwei proprietären Plattformen sein. Dabei liegt das Potenzial von Linux ja darin, eine komplett freie Plattform anzubieten, das möchte Microsoft aber nicht. Ich glaube nicht, dass es funktionieren wird, und Novells Entscheidung, mit Microsoft ins Bett zu steigen, hat uns nicht geholfen.
Golem.de: Glauben Sie denn, dass andere Firmen Novells Beispiel folgen?
Shuttleworth: Nein, auf keinen Fall! Okay, vielleicht wenn sie vom Geld angelockt werden, denn Microsoft kann ihnen viel zahlen. Aber es ist keine gute Strategie.
Golem.de: Canonical muss sicher kein Abkommen mit Microsoft des Geldes wegen schließen. Kommen Sie noch immer für die komplette Ubuntu-Entwicklung auf?
Shuttleworth: Nein, ich bezahle nicht alles, es gibt andere Projekte und Firmen, die uns für die Arbeit bezahlen. Es hängt schon noch von mir ab. Mein Ziel ist, Ubuntu zu einer freien und einer sich selbst tragenden Plattform zu machen. Das ist meine Herausforderung für die nächsten paar Jahre. Ich freue mich, Ubuntu zu unterstützen, aber es ist doch viel interessanter, der Welt etwas zu geben, was komplett unabhängig ist.
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Was für ein Stuss... Bin durch Zufall über den Artikel und diese mehr als zweifelhaften...
2 Möglichkeiten: a) er will trollen, b) er rafft es wirklich nicht. ich vermute ersteres
Der Typ ist wirklich cool.
Das kenn ich doch auch noch: FlowerPower