Interview: Ubuntu für den Enterprise-Einsatz

Golem.de: Gut, dann können Sie jetzt über Hardware-Zertifizierungen sprechen.

Yates: Es gibt kleine Hardware-Anbieter, die Zertifizierungen sehr schnell durchführen können. Wir bieten ihnen den Prozess dafür an, zum einen können Anbieter Ubuntu direkt für ihre Hardware zertifizieren. Dann haben wir auch noch einen eigenen internen Prozess, bei dem wir die Hardware testen. Diese listen wir dann auch auf unserer Webseite auf, aber das ist alles noch in Arbeit. Es gibt jedoch bereits Zertifizierungen für Laptops, Sun-Hardware und in den USA gibt es kleinere Anbieter, die wir zertifiziert haben. Beispielsweise aber auch einen Thin Client und es gibt weitere Anfragen.

Jetzt wird sich zeigen müssen, wie wir mit IBM, HP, Dell, Gateway und anderen zusammenarbeiten können. Mit Sun haben wir da aber schon einen Anfang gemacht. Wir reden mit großen Firmen, aber es ist schwieriger.

Golem.de: Wie sieht Canonicals Partnerprogramm aus?

Yates: Das Partnerprogramm ist schon etwas älter. Es sollte Firmen die Möglichkeit bieten, zu zeigen, dass sie Erfahrung mit Ubuntu haben. Letztlich war darin alles auf einem Level gesammelt. Mittlerweile haben wir ein neues Partnerprogramm, das die Partner in Gruppen unterteilt. Es gibt nun Training-Partner, es gibt Hardware-Anbieter und Software-Anbieter, außerdem die Channel-Partner, die Ubuntu-basierte Lösungen verkaufen. Gerade in Russland und Indien tut sich in diesem Bereich einiges.

Golem.de: Wie sollen denn RHEL- und SLES-Kunden von Ubuntu überzeugt werden?

Yates: Wir haben nur sehr wenige Firmen direkt angesprochen. Die meisten Kunden hatten schon zuvor mit uns Kontakt. Oder Firmen kamen zu uns und sagten, dass sie Ubuntu installiert hätten und gerne Support von Canonical kaufen würden. Also meistens kommen die Firmen auf uns zu. Viele Firmen sehen Ubuntu tatsächlich auch als Debian an, für das es direkten Support gibt. Und es ist nicht so teuer wie RHEL oder SLES.

Ich kenne aber auch Firmen, die ihre Strategie vollständig auf SLES oder RHEL aufbauen und sich Ubuntu daher nicht anschauen. Das ist aber kein Problem. Ich glaube, die größten Chancen liegen bei den kleinen und mittleren Unternehmen, eher als bei den großen Firmen. Verstehen Sie mich nicht falsch, wir haben auch große Kunden. Aber gerade kleinere Firmen haben nicht die Möglichkeit, eine eigene IT-Abteilung zu betreiben, sie versuchen also Geld mit den vorhandenen Fähigkeiten zu verdienen. Hier gibt es großes Interesse an fertigen Lösungen, die sich einfach einrichten, benutzen und verwalten lassen. Billig soll es dann auch noch sein - und da Ubuntu frei und kostenlos ist, ist es also auch günstig. Hier sehe ich viele Chancen, besonders in Westeuropa und Nordamerika. Denn es gibt viele Firmen, die Support-Verträge für größere IT-Landschaften benötigen.

Interessant ist beispielsweise auch Spanien, wo in bestimmten Regionen maßgeblich auf Ubuntu gesetzt wird. Ich habe auch kürzlich erst von einer Universität gehört, die ihre komplette Infrastruktur auf Ubuntu laufen lässt. In der Regel hören wir so etwas nur, wenn die Leute auf uns zukommen, da wir ja nicht mitbekommen, wer die Distribution herunterlädt und installiert. Auch in Ländern wie China, Russland und Indien ist definitiv ein Markt vorhanden, gerade im Bereich der Desktops.

Golem.de: Canonical ist eine kommerzielle Firma, die versucht, Geld zu verdienen. Trägt sich die Firma schon oder hängt die Ubuntu-Entwicklung noch von Mark Shuttleworth' Vermögen ab?

Yates: Ich könnte diese Frage nun politisch korrekt beantworten und sagen, dass wir eine private Firma sind, die ihre Finanzen nicht offen legt. Aber ich denke es ist bekannt, dass Mark uns noch immer unterstützt. Tatsächlich läuft es aber ganz gut und es beeindruckt mich. Denn ich habe ja in den Anfangstagen von Suse bei dem Distributor gearbeitet und es ist wirklich interessant, so eine Phase zwei Mal zu erleben.

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