Nachzügler: Norwegen bekommt das bessere DVB-T
Möglich ist das, da Norwegen nicht wie Deutschland auf MPEG-2 setzte, sondern auf das effizientere MPEG-4 AVC (H.264). Damit können nicht nur mehr Fernsehsender in Standard-Auflösung (SDTV) ihr Programm über DVB-T verbreiten, auch hochauflösendes digitales Fernsehen (HDTV) wird so mit vergleichsweise geringem Bandbreitenbedarf über Antenne möglich.
An hochauflösende Bilder ist derzeit beim deutschen "Überallfernsehen" nicht zu denken, schon für die Standard-Auflösung reicht die Bandbreite dank des veralteten MPEG-2 kaum. Gerade bei Sportsendungen ist das gut zu sehen. Ausschlaggebend für die Entscheidung für MPEG-2 waren u.a. die damals noch hohen Kosten für MPEG-4-Set-Top-Boxen, da die dafür nötigen leistungsfähigeren Chips recht teuer waren. Würde nun zu MPEG-4 AVC gewechselt werden, wären alle in Deutschland verkauften DVB-T-Empfänger auszutauschen.
Wie das Unternehmen Coding Technologies nun ankündigte, wird das norwegische DVB-T auch hochqualitativen Stereoton und 5.1-Kanal-Raumklang bieten – das Unternehmen liefert den AAC-Codec ("MPEG-4 aacPlus") dafür. Broadcasting-Anbieter sollen durch die Kombination von MPEG-4 AVC mit aacPlus von einer deutlich effizienteren Nutzung der verfügbaren Bandbreite profitieren, so Coding Technologies, was zu "erheblichen Kosteneinsparungen pro Kanal" führe und die Möglichkeit biete, eine höhere Anzahl von Kanälen im Multiplexverfahren zu übertragen.
Testläufe für SDTV- und HDTV-DVB-T mit MPEG-4 AVC starteten in Norwegen im Januar 2007, der kommerzielle Start des SDTV-Angebots wurde für den September 2007 angekündigt. HDTV über DVB-T wird in Norwegen voraussichtlich später starten. Auch PayTV-Angebote sind geplant, sie sollen über zwei weitere Multiplexer angeboten werden. Auch früher hat Norwegen schon mit DVB-T experimentiert, ließ sich aber lange Zeit.
Das nötige DTT-Übertragungsnetzwerk errichtet und betreibt die Telenor-Tochter Norkring, bis Ende 2009 hofft das Unternehmen, die von der Politik verlangten 95 Prozent der norwegischen Haushalte zu erreichen, darunter auch solche, die auf Grund ihrer Lage keinen Satelliten- oder Kabelempfang haben. Laut norwegischer Regierung sollen die zur Verfügung gestellten Frequenzen 15 bis 36 digitale Fernsehsender erlauben, abhängig von Technik und zugehörigen Diensten. Im ersten Quartal 2008 wird dann das analoge Antennenfernsehen abgeschaltet.



