Etch: Debian GNU/Linux 4.0 ist fertig

Mit Debian 4.0 allerdings ist hier einiges anders geworden. Der bereits von der Vorgängerversion Debian 3.1 bekannte Debian-Installer kommt auch dieses Mal wieder zum Einsatz und bietet einen Grafikmodus. Dafür wird der Framebuffer-Treiber DirectFB zusammen mit dem Grafik-Toolkit GTK+ verwendet. Die Standard-Installation läuft jedoch auch weiterhin textbasiert ab. Um die GTK+-Oberfläche zu nutzen, muss man "installgui" an der Eingabeaufforderung eingeben. Für Anwender mit Sehbehinderung gibt es zudem im grafischen und im textbasierten Installer einen Modus mit hohen Kontrasten (das Parameter "theme=dark" aktiviert diesen).
Der Installer bietet nun auch eine automatische Partitionierung mit Logical Volume Manager (LVM) und verschlüsselte Partitionen in Verbindung mit LVM an. Auch bei der manuellen Partitionierung können die Partitionen mittels Dm-crypt verschlüsselt werden und die Größe vorhandener NTFS-Partitionen lässt sich ändern.
GNOME kommt bei der Auswahl des Installationsprofils Desktop-Umgebung zwar als Standard-Desktop daher, jedoch steht auch bei Debian 4.0 die Wahlfreiheit wieder im Vordergrund. Auch KDE 3.5.5 und eine Beta-Version von Xfce 4.4 lassen sich installieren. Darüber hinaus umfasst Debian aber wie üblich etliche weitere Pakete, beispielsweise IceWM und Blackbox.
Neu in Debian aufgenommen wurde auch die freie .Net-Implementierung Mono(öffnet im neuen Fenster) 1.2.2.1. Ähnlich wie bei der Fedora-Distribution - die Mono schon in Version 5 integrierte - macht dies auch den Weg frei für zusätzliche Software, die auf Mono basiert. Konkret sind dies beispielsweise die Desktop-Suche Beagle und die Fotoverwaltung F-Spot. Praktisch sind auch die neuen OpenOffice.org-Pakete, die gesplittet wurden. Möchte man nur die Textverarbeitung Writer nutzen, reicht es unter Debian 4.0 aus, das entsprechende Paket zu installieren. Auf Tabellenkalkulation und die anderen Programme kann so verzichtet werden.
Traditionell ist Debian GNU/Linux eine Distribution, die gerne auf Servern eingesetzt wird. Dementsprechend bringt auch die Version 4.0 einige Anwendungen für diesen Einsatzbereich mit. Exemplarisch seien der Webserver Apache 2.2 und das Datenbanksystem MySQL 5.0.32 genannt. Die Alternative PostgreSQL ist in der Version 8.1 in Debian, wobei zusätzlich Pakete der Version 7.4 vorhanden sind. Für PostgreSQL 8.1 gibt es zusätzlich das Replikationssystem Slony-I sowie die PostGIS-Erweiterung für geographische Objekte. Mit dieser eignet sich PostgreSQL als Backend für Geoinformationssysteme.
Enthalten sind weiterhin unter anderem die Mail Transport Agents Exim 4.63 und Postfix 2.3.8. Das freie Trouble-Ticket-System OTRS liefert Debian in der Version 2.0.4, die VoIP-Telefonanlage Asterisk in der Version 1.2.13 mit. Für den VoIP-Einsatz ist auch der SIP-Proxy OpenSER 1.1 in Etch.
Für Entwickler hält Debian 4.0 unter anderem PHP 5.2.0 und 4.4.4 sowie Perl 5.8.8 bereit. Die Entwicklungsumgebung Eclipse und die Eclipse Rich Client Platform sind in der Version 3.2.1 nun ebenfalls im Main-Zweig zu finden. Hinzu kommen einige Erweiterungen, beispielsweise, um Eclipse mit dem GCJ zu nutzen. Mit KDevelop 3.3.5 steht noch eine weitere IDE zur Auswahl.
Einhergehend mit der Aufnahme von Python 2.4.4 ist auch die neue Python-Policy(öffnet im neuen Fenster) , die festlegt, wie Python-Programme und -Module paketiert werden müssen. Für Webapplikationen und Java-Programme führten die Debian-Entwickler ebenfalls neue Regeln ein. Genauso wie für Wörterbücher.
Unter der Haube setzt Debian 4.0 auf den Linux-Kernel 2.6.18 , wobei auch das Thema Virtualisierung nicht vor der Distribution Halt macht. So gibt es um Xen 3.0.3 und Linux-VServer erweiterte Kernel-Varianten - manuelles Patchen des Kernels entfällt also.
Als Standard-Compiler kommt nun GCC 4.1.1 zum Einsatz und die Glibc 2.3.6 wird von Etch genutzt. Diese arbeitet nicht mehr mit 2.2er-Kernel-Versionen zusammen, so dass vor einem Update mindestens ein Kernel 2.4.x installiert werden muss. Ferner ersetzt das im Userpsace laufende Udev das veraltete Devfs, das von aktuellen Kernel-Versionen auch nicht mehr unterstützt wird . Udev 105 wird bei neuen Installationen auch automatisch eingerichtet und ersetzt damit die alten Hotplug-Scripte. Bei neuen Installationen wird zudem UTF-8 als Zeichencodierung verwendet. Für das Update von älteren Debian-Versionen gibt es das Paket "utf8-migration-tool" - mit einem Haken: Das Werkzeug hat es nicht mehr in Etch geschafft und ist nur im Unstable-Zweig der Debian-Distribution vorhanden.
Des Weiteren entspricht Debian 4.0 der Linux Standard Base (LSB) 3.1 und auf Grund der Richtlinien des Filesystem Hierarchy Standard liegen Dokumentationen nun unter /usr/share/doc anstatt unter /usr/doc. Eine wichtige Neuerung erfuhr auch das Paketmanagement: Etch bringt Secure-Apt mit und überprüft daher die GPG-Schlüssel, mit denen Pakete signiert wurden. Somit soll verhindert werden, dass als nicht vertrauenswürdig eingestufte Pakete installiert werden, was besonders bei einer Distribution mit offenem Entwicklungsprozess nicht verkehrt ist.
Bei der Aktualität der Pakete hat Debian 4.0 abermals Fortschritte gemacht. Dennoch sind viele Pakete bereits jetzt älter als in anderen Distributionen. So ist der letzte Linux-Kernel die Version 2.6.20 (Etch nutzt 2.6.18), X.org ist bei Version 7.2 (Etch setzt 7.1 ein), Compiz bei Version 0.3.6 (in Etch ist es 0.2.2). Die Glibc ist schon bei der Version 2.5 angekommen (Etch: 2.3.6). Die Desktop-Oberfläche KDE ist aktuell bei der Version 3.5.6 (Etch: 3.5.5), GNOME bei der Version 2.18 (Etch: 2.14). Damit ist Etch teilweise schon recht nah an den aktuell verfügbaren Versionen, die teils älteren Pakete erklären sich durch den Entwicklungsprozess.
Stichwort Codecs: Wie auch andere freie Distributionen liefert Debian viele Codecs nicht mit, da diese teilweise patentrechtlich bedenklich sind. Fluendos MP3-Plug-In für GStreamer ist allerdings dabei. Zudem ist nun endlich der lange wegen Lizenzstreitigkeiten zurückgehaltene MPlayer mit an Bord, der auch nachprogrammierte Codecs mitbringt. Für die Installation vieler weiterer Codecs bietet sich auch weiterhin Christian Marillats Archiv unter debian-multimedia.org(öffnet im neuen Fenster) an.
Debian GNU/Linux 4.0 steht auf etlichen Mirror-Servern zum Download(öffnet im neuen Fenster) bereit. Ein Tutorial erklärt, wie das Update(öffnet im neuen Fenster) von Sarge funktioniert. Die neue Debian-Version steht für elf offiziell unterstützte Architekturen bereit, darunter x86, AMD64, IA-64, ARM, Alpha, PowerPC und SPARC.



