Zeta eine Raubkopie? (Update)
Nach der Übernahme des Softwareunternehmens Be lagen die Rechte des Betriebssystems BeOS bei PalmSource bzw. mittlerweile bei dessen Nachfolger Access. Parallel zur Ankündigung, die Entwicklung des BeOS-Nachfolgers Zeta einzustellen , sprach der ehemalige YellowTab-Chef Bernd Korz auch von der Überlegung, zumindest Teile des Quelltextes als Open Source zu veröffentlichen. Dies warf jedoch die Frage auf, wie dies zu bewerkstelligen sei, wo die Rechte doch weiterhin bei Access liegen.
Einen Artikel auf der Webseite Bits Of News(öffnet im neuen Fenster) über das Ende der Zeta-Entwicklung kommentierte David "Lefty" Schlesinger, Director Open Source Technologies bei Access, und stellte darin klar, dass es für Zeta niemals irgendeine Lizenz von PalmSource oder Access gegeben habe. Sollten YellowTab oder Magnussoft dies behauptet haben, so sei es eine Lüge. Gegenüber Bits Of News bestätigte(öffnet im neuen Fenster) Schlesinger, dass der Kommentar tatsächlich von ihm stamme und erklärte dies auch nochmals auf Nachfrage von Golem.de.
Als rechtmäßiger Besitzer des früher Be gehörenden geistigen Eigentums "ist unsere Position, dass das von YellowTab und dann von Magnussoft vermarktete Produkt eine Raubkopie von BeOS ist" , so Schlesinger weiter. Daher sei es auch nicht machbar, Teile als Open Source zu veröffentlichen, da es sich um von BeOS abstammende ( "derivative work" ) und damit auf dem geistigen Eigentum von Access basierende Software handle.
Bereits in der Vergangenheit habe Access Unterlassungsanordnungen an YellowTab gesendet, die jedoch immer ignoriert worden seien. "Wenn Herr Korz meint, eine rechtmäßige Lizenz für den von ihm benutzen BeOS-Code zu haben, wissen wir davon nichts und es würde mich faszinieren herauszufinden, wie er diesen Anspruch untermauern will" , so Schlesinger. Jede Änderung, die an einer illegalen BeOS-Version gemacht worden sei, würde auch Access' Urheberrecht verletzen, da es sich um unautorisierte, abgeleitete Arbeit handle.
Bisher habe Access sich zu dem Thema nicht geäußert, da es ein teures Unterfangen sei, sich mit diesem Problem rechtlich in Deutschland auseinander zu setzen – insbesondere in Anbetracht dessen, dass Access keine Einnahmen durch BeOS erzielt. Die Open-Source-Ankündigung hätte Schlesinger jedoch dazu veranlasst, Access' Standpunkt klarzustellen.
Gegenüber Golem.de wollte sich David Schlesinger nicht näher zu eventuell geplanten rechtlichen Schritten gegen Bernd Korz äußern. Rechtsstreitigkeiten, insbesondere transatlantische, seien sehr teuer und "ich bezweifle, dass Herr Korz genügend Kapital hat, damit sich eine Klage für uns lohnen würde" , so Schlesinger gegenüber Golem.de. Würde Korz jedoch tatsächlich Teile von Zeta offen legen wollen, so müsse Access sich ernsthaft überlegen, "welche Schritte wir ergreifen, um solche Bemühungen umgehend zu stoppen" , äußerte sich Schlesinger weiter gegenüber Golem.de.
Um Zeta und die ehemals für die Entwicklung verantwortliche Firma YellowTab ranken sich bereits seit Jahren allerlei Gerüchte. Gerade auch zur BeOS-Lizenz gab es nur die Angabe, dass YellowTab im Besitz einer solchen sei. So kamen Gerüchte auf, Zeta würde – wie PhosphorusOS(öffnet im neuen Fenster) – auf der 2002 geleakten BeOS-Version "Dan0" basieren und damit illegal sein. Dem gegenüber stand die Aussage von YellowTab, auf die Code-Basis einer Open-Source-Variante des Systems umschwenken zu wollen.
2006 meldete YellowTab Insolvenz an, doch bereits 2005 soll die Mitarbeiterzahl des Unternehmens nach Informationen von Golem.de deutlich gesunken und Löhne nicht mehr ausgezahlt worden sein. Weitere Details zu dem Ende des Betriebssystemanbieters liefert der Golem.de-Artikel " Zetas wilder Ritt: YellowTab ohne Mitarbeiter ".
Die Distribution des Systems übernahm der kleine Softwarepublisher Magnussoft, mit dem Korz Ende März 2007 die Zusammenarbeit wieder beendete .
In BeOS Max – einer um zusätzliche Software erweiterten BeOS-Version 5.0.3 – sieht David Schlesinger übrigens kein Problem. Er habe sich BeOS Max zwar noch nicht genauer angeschaut, doch sofern es sich hierbei um den unveränderten original Code handle, sei es kein Problem. Nur sofern es ein neues Produkt sei, das von unter Access' Copyright liegendem Code abgeleitet sei, habe man ein rechtliches Problem.
Dies gelte auch für die Open-Source-Implementierung Haiku(öffnet im neuen Fenster) , Schlesinger ist überzeugt davon, dass dieses die original Arbeit repräsentiere. Access sei auch kein Feind von Open Source: "Access unterstützt Open-Source-Projekte, dies bezieht sich aber nicht auf Dritte, die unseren Quelltext ohne unsere Zustimmung öffnen wollen. Erst recht nicht, wenn die Herkunft dieses Quellcodes höchst fraglich ist" , so Schlesinger.
Nachtrag vom 4. April 2007 um 17:02 Uhr:
Bernd Korz antwortete mittlerweile auf die von Golem.de gestellte Anfrage, kann sich aber nach eigenen Angaben nicht dazu äußern, "da dies außerhalb meines Kenntnissstandes liegt. Die YellowTab ist, wie Sie wissen, insolvent und wird durch einen Insolvenzverwalter vertreten. Ich selbst bin in keinster Weise mehr involviert, seit nunmehr fast zwölf Monaten. Ebenso liegt mir keinerlei Schriftverkehr diesbezüglich vor" , so Korz in seiner doch recht überraschenden Aussage.
Es stehe auch nicht zur Debatte, Zeta komplett als Open Source zu veröffentlichen, die Überlegung beziehe sich nur auf Teile, an denen er die Rechte halte – unter anderem Systemkomponenten, Treiber und Programme, nicht aber den Kernel oder etwas in dieser Richtung. Jedoch ist hier fraglich, inwiefern die selbst entwickelten Komponenten nicht dennoch auf BeOS-Quelltext basieren, worin Schlesinger ja ein Problem sieht. Zu Schlesingers Aussagen wollte sich Korz nicht äußern, gemeinsam mit YellowTabs Insolvenzverwalter sollen diese in der nächsten Wochen untersucht werden.



