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Spieletest: Bounty Bay Online - Mäßiges Seefahrer-Erlebnis

Günstiges Online-Rollenspiel mit Designschwächen und liebloser Grafik. Das Online-Rollenspiel Bounty Bay Online ist bereits auf dem chinesischen Markt sehr erfolgreich und wurde über Yusho/Frogster nach Deutschland geholt. Der Titel enttäuscht jedoch durch wenig motivierende Spielinhalte, lieblose Grafik, unvollständige Übersetzungen und auf Dauer unangenehme Musikuntermalung.
/ Andreas Sebayang
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Bounty Bay Online spielt zur Zeit der Seefahrer vom 15. bis zum 17. Jahrhundert und lässt den Spieler vom Mittelmeer aus die damals bekannte Welt erkunden. Rund 60 Städte und Häfen sowie 1.500 "reale" Entdeckungen verspricht Bounty Bay Online angehenden Seefahrern.

Am Anfang der Seefahrerkarriere des Online-Rollenspiels stehen dem Spieler vier Charaktere zur Auswahl, die mit ihren asiatischen Gesichtszügen die Herkunft des Spiels offenbaren. Wenig zeitgemäß unterteilen sich die vier Charaktere in zwei Frauen und zwei Männer, die zudem auch gleich eine der vier Klassen bestimmen. Da die Klasse selbst keine wirkliche Bedeutung im Spiel hat, kann man frei nach dem Aussehen den Charakter wählen. Nach der Auswahl lassen sich die Haarfarbe (drei Auswahlmöglichkeiten) und das Gesicht verändern, welches dann auch europäisch sein kann.

Der von der Armut an Auswahlmöglichkeiten überraschte Spieler besucht, während einer äußerst knappen Spieleinführung, seine Geburtsstadt. So kommen im Spiel unwahrscheinliche Kombinationen zusammen: Der laut Beschreibung aus Asien abstammende Entdecker mit europäischen Gesichtszügen landet beispielsweise in seiner Geburtsstadt Alexandria.

Der Spieler kann grundsätzlich auf mehrere Arten seine Abenteuer bestreiten. Entweder fährt er mit einem Schiff auf die hohe See, läuft zu Fuß durch die Städte oder kämpft sich durch das Hinterland und findet diverse wilde oder friedliche Tiere. Da wären etwa die anfangs bekämpfbaren Rotfüchse – die jedoch eher wie Vögel klingen – oder die unschuldigen Hasen.

Hier fallen einem dann auch gleich die ersten Ungereimtheiten im Spieldesign auf: Besagte Hasen werfen mehr Erfahrungspunkte je Treffer ab als der etwas gefährlichere Rotfuchs. Letzterer gibt immerhin zusammengerechnet mehr Erfahrungspunkte und wirft zudem mehr Geld aus seiner Geldbörse ab als der Hase, der recht wenig Geld zwischen seinen Löffeln versteckt.

Ein besonderes Manko ist die Steuerung an Land. Wer mit der Tastatur seinen Charakter steuern will, schaut bei Bounty Bay Online in die Röhre. Gesteuert wird, indem man mit der Maus auf das Gebiet "rechtsklickt", welches man besuchen will. Das geht immerhin auch auf der Übersichtskarte. Wegen der sehr schlechten automatischen Wegfindung lässt man davon jedoch lieber die Finger.

Weitaus interessanter ist die Schiffsbewegung, dazu besucht man in der Stadt den Dockarbeiter des Hafens, der kurioserweise keinerlei Schiffe beherbergt. Während der Spieler mit seinem Charakter umherläuft, werden Schiffe nicht angezeigt. Andersrum sieht man als Schiff in der Regel auch keine Besatzung.

Bei dem Dockarbeiter kann aus den erworbenen Schiffen (Entdecker-, Händler- bzw. Kriegsschiffe) gewählt werden. Es lassen sich zudem Matrosen anheuern sowie Proviant anschaffen und anschließend kann abgelegt werden. Nach einer kurzen Ladezeit ist das eigene Schiff dann im Küstengewässer und endlich sind weitere liebevoll gestaltete Schiffe zu sehen, die über das einigermaßen ansprechend gestaltete Wasser fahren. Ein Blick zurück offenbart eine grafisch alles andere als imposante Mini-Ausführung der Stadt bzw. Insel.

Die jetzt schon wenig imposante Grafik lässt noch weiter nach, wenn das Küstengewässer verlassen wird. Nach einer weiteren kurzen Ladezeit findet man sich auf einer Art Übersichtskarte mit lauter Mini-Segelschiffen wieder.

Auf hoher See gibt es zudem die ersten unverdienten Erfahrungspunkte: Solange der Spieler genug Proviant an Bord hat, bekommt er Erfahrungspunkte für Navigation und Manövrierfähigkeit. Es genügt, einfach vor dem Hafengebiet zu liegen und nichts zu tun. Mit genug Geld und Zeit lässt sich so hervorragend aufsteigen.

Wer ein Kriegsschiff besitzt, kann zudem in Stürmen aufsteigen, die mehr Erfahrungspunkte geben, aber den Matrosen offenbar keine Zeit lassen, Proviant zu verbrauchen, dafür nimmt der Kahn Schaden. Das stört jedoch nicht, da das Reparieren anfangs kostenlos ist. Es muss nur darauf geachtet werden, im Sturm nicht gegen den unsichtbaren Rand des Sturms zu stoßen, da es sonst keine Erfahrungspunkte mehr gibt. Erfahrungspunkte gibt es auch bei Auftraggebern für abgeschlossene Aufträge, das ist insbesondere für das Aufsteigen in anderen Fertigkeiten wichtig.

Die Welt von Bounty Bay an sich bietet bei weitem nicht die Fülle an sehenswerten Objekten, die teils bei anderen Online-Rollenspielen zu finden sind; eintönige und verwaschene Landschaften bestimmen stattdessen das Bild. Der Einfachheit halber ist zudem ein Besegeln von Flüssen nicht vorgesehen. So befindet sich die Hansestadt Hamburg in einer Bucht umringt von hohen Bergen und das spanische Sevilla liegt in Bounty Bay Online direkt am Meer. Geographie-Kenntnisse sollten so lieber nicht aufgefrischt werden, auch wenn das Spiel den Anspruch hat, über 60 "authentisch" nachgebaute Städte und Häfen zu bieten und eine Mischung aus Rollenspiel und Simulation darstellen soll. Später soll das Spiel zudem über die Zeitlinie erweitert werden und so auch das Besegeln von Nord- und Südamerika ermöglichen, die im Spiel noch nicht entdeckt wurden.

Immerhin: Die Kämpfe auf hoher See sind recht interessant. Einmal in einen Kampf verwickelt, wechselt die Perspektive in die detaillierte Schiffsansicht. Der Spieler muss im Kampf geschickt manövrieren und zudem den Wind berücksichtigen, um ein gegnerisches Schiff zu versenken. Da die Kanonen unterschiedliche Radien und Reichweiten haben, kann es durchaus passieren, dass man ausmanövriert wird. Mit geeigneter Munition lässt sich verstärkt auf den Rumpf oder die Segel schießen. Entsprechende Ausrüstung vorausgesetzt, lässt sich ein gegnerisches Schiff sogar rammen oder entern, sofern noch genug Mannschaft vorhanden ist.

Ein weiterer Lichtblick ist das Handelssystem. Grundsätzlich kann jeder Spieler in einer Stadt einen kleinen Stand eröffnen und seine Waren feilbieten, computergesteuerte Bewohner nehmen dabei kaum Einfluss auf den Handel.

Bei der Betriebssystemkompatibilität verspricht Bounty Bay Online, neben Windows 98/ME/XP/2000 auch Windows Vista zu unterstützen, erlaubt sich dabei jedoch einen Schnitzer; am besten wird das Spiel deshalb unter Vista als Administrator gestartet.

Bounty Bay Online ist bereits im Handel erhältlich. Die normale Version kostet inklusive Freimonat knapp 30,- Euro, während die Collector's Edition bei gut 40,- Euro liegt. Nach dem Freimonat kostet das Spiel monatlich knapp 10,- Euro an Abonnementgebühren. Längere Abonnements sind auf den Monat gerechnet etwas günstiger.

Fazit:
Günstiges Spiel und im Vergleich günstige Abo-Gebühren, da muss der Spieler nicht unbedingt viel erwarten. Trotzdem weiß das Spiel nicht wirklich zu begeistern: Unvollständige Übersetzung, grafisch wenig gelungene und detailarme Welt, unschöne Animationen, teils sehr schlechte und eintönige Musikuntermalung und die äußerst dürftige Charakterindividualisierung lassen die Rollenspielatmosphäre am Anfang gar nicht erst aufkommen. Wer die ersten Stunden im Spiel übersteht, findet immerhin ein paar positive Punkte und ein wenig verbrauchtes Szenario außerhalb des üblichen Fantasy-Einheitsbreis. Wer sich wirklich in Piratenmanier in einer Online-Welt bewegen will, wartet doch lieber auf Pirates of the Burning Sea oder spielt die kostenlose englische Version des Spiels namens Voyage Century Online(öffnet im neuen Fenster) , welche auf ein anderes Geschäftsmodell setzt.


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