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US-Universitäten zeigen RIAA die kalte Schulter

RIAA will Universitäten als Postverteiler nutzen. Seit Ende Februar fordert die Recording Industry Association of America (RIAA), die Lobby-Organisation der großen Plattenfirmen, US-Hochschulen auf, Briefe an Studierende weiterzuleiten, die mit Hilfe von Tauschbörsen Urheberrechte verletzen. In den Schreiben wird den Studierenden angeboten, sich außergerichtlich mit der RIAA zu einigen. Nun hat die Universität Wisconsin dieser Aufforderung als erste eine deutliche Absage erteilt, die Universität Nebraska verlangt sogar von der RIAA, angefallene Kosten zu erstatten.
/ Jens Ihlenfeld
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Seit Beginn der Briefaktion(öffnet im neuen Fenster) der RIAA gibt es lautstarke Kritik an dem Vorgehen(öffnet im neuen Fenster). Es gehe der RIAA darum, den üblichen Rechtsweg zu umgehen, um auf einfache Art Druck auf Studenten auszuüben, so die Kommentatoren. Denn normalerweise kennt die RIAA nur die IP-Adresse der Nutzer, die sich in Tauschbörsen aufhalten, und müsste eine gerichtliche Verfügung erwirken, um die Universitäten dazu zu zwingen, die Identität dieser Nutzer zu enthüllen. Stattdessen schickt sie massenhaft Briefe an Hochschulen mit der Aufforderung, sie an die entsprechenden Studierenden weiterzuleiten, damit diese sich mit der RIAA außergerichtlich einigen können. Wenn die Universitäten mitspielen, ersparen sie der RIAA den Gang vor Gericht.

Die Universität Wisconsin hat der RIAA nun deutlich gemacht, dass sie dieses Vorgehen nicht mitmachen wird. In einer E-Mail an Studierende(öffnet im neuen Fenster) schreibt Ken Frazier, Chief Information Officer (CIO) der Universität: "Vor kurzem wurde die Universität Madison, ebenso wie andere Hochschulen, darauf hingewiesen, dass sie Aufforderungen zu Vergleichen erhalten wird, die an Empfänger weitergeleitet werden sollen, von denen die Absender annehmen, dass sie Urheberrechtsverletzungen begehen. In Übereinstimmung mit unseren Regeln für das Netzmanagement und unserem Verständnis des Gesetzes, hat die Universität Wisconsin nicht die Absicht, diese Briefe direkt an Nutzer des Campus-Netzes weiterzuleiten. Selbstverständlich werden wir uns aber gültigen gerichtlichen Verfügungen beugen."

In der universitätsunabhängigen Campus-Zeitung "The Badger Herald" kritisiert Brian Rust(öffnet im neuen Fenster), Sprecher der Abteilung für Informationstechnologie, das Vorgehen der RIAA: "Diese Aufforderungen zu Vergleichen sind der Versuch, den üblichen Rechtsweg zu umgehen und die Universitäten zu Hilfspolizisten zu machen." Nach Rusts Angaben treffen bei der Universität 10 bis 20 Unterlassungsaufforderungen täglich ein, die die Verwaltung an die Betroffenen weiterleiten muss. Aber die Vergleichsaufforderungen der RIAA seien bedrohlicher. Die angebotenen Einigungssummen lägen meist bei 700,- US-Dollar pro Fall, könnten aber bis zu 3.500,- US-Dollar betragen. "Man kann sich vorstellen, dass einige Leute die Website aufgerufen und ihre Kreditkarte gezückt haben, um zu bezahlen", so Rust, "Damit wollen wir nichts zu tun haben, wir sind nicht der Rechtsvertreter der Plattenindustrie und wollen das auch nicht sein."

Chief Information Officer Ken Frazier geht in einer Erklärung auf seiner Website(öffnet im neuen Fenster) noch einen Schritt weiter: "Wir sind der Ansicht, dass die RIAA mit ihren Möglichkeiten durchaus in der Lage ist, gerichtliche Verfügungen zuzustellen und Vergleiche zu erzielen – ohne die Hilfe der Universität. Stattdessen dienen wir unseren Nutzern besser, indem wir ihre Privatsphäre schützen und sie darauf hinweisen, welche ernsten Folgen es haben kann, Urheberrechte zu verletzen. Wir ermutigen sie, die Rechte am geistigen Eigentum der Platten- und Filmindustrie zu respektieren, indem sie ihre Musik und Filme nicht an andere Internetnutzer weitergeben. Die Folgen können für sie teuer sein."

Die Universität Nebraska leitet die Briefe zwar weiter, verlangt aber von der RIAA, die Kosten für ihre Arbeit zu erstatten – und geht dabei von 11,- US-Dollar pro Brief aus. "Wir geben hier Steuergeld aus, um die Probleme der RIAA zu lösen", wird Walter Weir, Chief Information Officer der Universität, im Omaha World-Herald zitiert(öffnet im neuen Fenster). Weir weiter: "Sind wir ein Vertreter der RIAA? Warum bezahlen sie uns nicht für so etwas?"

An der Universität Nebraska ist das Computersystem so konfiguriert, dass IP-Adressen dynamisch vergeben werden. Protokolle, welche IP-Adresse welchem Computer zugewiesen ist, werden nur einen Monat lang aufbewahrt. Jenni Engebretsen, Sprecherin der RIAA, kritisierte die Universität gegenüber dem Omaha World-Herald dafür, die Daten nicht länger aufzubewahren, mit deren Hilfe es möglich wäre, Urheberrechtsverletzer aufzuspüren: "Man möchte meinen, dass die Universitäten verstehen, wie notwendig es ist, diese Dateien aufzubewahren."

Im viel gelesenen US-Weblog Techdirt wird diese Aussage mit den Worten kommentiert: "Diese Beschwerde ist lächerlich. Die Universität hat keinen Bedarf daran, diese Daten aufzubewahren und es gibt keinen Grund, sie aus irgendeiner Verpflichtung gegenüber der RIAA aufzubewahren. [...] Wenn dieses ganze Hin und Her vertraut vorkommt, dann deshalb, weil es sehr daran erinnert, wie die RIAA vor einigen Jahren versucht hat, die Zugangsprovider dazu zu bringen, ihre Nutzerdaten preiszugeben. Zum Glück haben die Provider Rückgrat gezeigt und der RIAA gesagt, sie solle sie in Ruhe lassen. Zu dumm, dass sie daraus nichts gelernt hat." [von Matthias Spielkamp]


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