Test: PlayStation 3 - Ein blaues Wunder?
Das recht hohe Gewicht lässt sich zum Teil auf das recht komplexe Innenleben der Konsole zurückführen – die technischen Daten sind schließlich durchaus beeindruckend: Im Innern finden sich neben dem vorab bereits viel diskutierten Cell-Prozessor(öffnet im neuen Fenster) – ein PowerPC-Kern mit 3,2 GHz, dem bei der PS3 sieben SPEs (Synergistic Processing Elements) zur Seite stehen – der mit 550 MHz getaktete Grafikchip RSX von Nvidia sowie 256 MByte XDR-Main-RAM und 256 MByte GDDR3-VRAM.
Öffnet man die Klappe über den USB-Ports, finden sich dort mehrere Eingänge für Speicherkarten: neben dem MemoryStick-Duo-Slot etwa auch ein Steckplatz für SD- und einer für CompactFlash-Karten. Über die Speicherkarten können diverse Medienformate wie Filme (MPEG 4), Bilder (JPEG, GIF, PNG, TIFF, BMP) und Musik (MP3, AAC, Atrac, WAV) eingelesen und abgespielt werden.
Je nach angeschlossenem Fernseher darf übrigens zwischen einer Vielzahl möglicher Auflösungen gewählt werden – die PS3 bietet herkömmliches PAL sowie die HD-Auflösungen 720p, 1080i und sogar 1080p an. Beim ersten Einschalten wird die maximale Auflösung ermittelt und eingestellt, später kann dann über das Menü der PS3 noch umgeschaltet werden.
Das präsentiert sich sehr schlicht und aufgeräumt – von der Verspieltheit der Wii-Oberfläche etwa will man bei Sony nichts wissen, stattdessen zeigt sich die so genannte Cross Media Bar eher nüchtern, wie man es auch schon vom PSP-Menü gewohnt ist.
Tüftlern ermöglicht Sony Computer Entertainment zudem, als zweites Betriebssystem Linux auf der Festplatte zu installieren – eine Besonderheit im Konsolenmarkt. Seit dem Linux-Kernel 2.6.20 wird die PlayStation 3 unterstützt, es gibt bereits eine Debian-Live-CD und mit Yellow Dog Linux 5.0 eine kommerzielle Distribution sowie Linux-basierte Projekte wie den DVB-T-Fernsehempfang für die Konsole.
Das Slot-In-Laufwerk der PS3 liest CDs mit 24facher, DVDs mit 8facher und Blu-ray Discs mit 2facher Geschwindigkeit. Gerade Letzteres macht das Gerät auch für Cineasten äußerst interessant: Zwar ist die PlayStation 3 bei einem Verkaufspreis von 599,- Euro die derzeit teuerste Spielkonsole, gleichzeitig aber auch einer der günstigsten, wenn auch nicht der günstigste Bluy-ray-Player(öffnet im neuen Fenster).
Der erste subjektive Filmeindruck mit unserem Testgerät war beeindruckend: Die Tatsache, dass eine doppelt beschichtete Blu-ray Disc gut 50 GByte an Daten fassen kann und Filme in vollem 1080p ausgibt, sorgt bei entsprechender Anzeige über ein (Full-)HD-TV-Gerät für eine äußerst detaillierte und beeindruckende Darstellung; inwiefern die PS3 qualitativ mit anderen Blu-ray-Playern mithalten kann, konnte in unserem Test allerdings nicht wirklich geklärt werden. In diesem Punkt gab es zumindest einige Skepsis aus der Heimkino-Fraktion – schließlich war die PS2 auch eher als durchschnittlicher denn wirklich empfehlenswerter DVD-Player verschrien. Nicht außer Acht zu lassen ist, dass die PlayStation 3 deutlich mehr Strom verbraucht als ein reiner Blu-ray-Player.
Keine Beschwerden dürfte es jedenfalls über die Lautstärke der PS3 geben: Einzig beim Einlesen einer neuen Disc macht sich das Laufwerk wirklich bemerkbar, ansonsten ist die Konsole im Betrieb wirklich flüsterleise – kein Vergleich zur deutlich auffälligeren und lärmenderen Xbox 360.
Wer plant, sich bald seine eigene Blu-ray-Sammlung zuzulegen, sollte jedenfalls noch mal 30,- Euro in die optional erhältliche Fernbedienung investieren; das Starten von Filmen oder das Wechseln von Kapiteln ist per Controller via OnScreen-Menü zwar problemlos möglich, aber nicht gerade wirklich komfortabel.
Die stattdessen integrierte Motion-Sensing-Technik mit ihrem Sechs-Achsen-System ermöglicht dafür zwar die Bedienung durch das Bewegen des Controllers, allerdings wirkt das Ganze – zumindest bei den derzeit erhältlichen Spielen wie Resistance: Fall Of Man – eher halbherzig umgesetzt und sicherlich nicht vergleichbar mit den vielseitigen bewegungssensitiven Controllern des Nintendo Wii.
Ist der Controller nicht via USB-Kabel an die PS3 angeschlossen – etwa auch, um aufgeladen zu werden -, kommuniziert er via Bluetooth mit der Konsole; insgesamt lassen sich so sieben Controller drahtlos mit der PS3 verbinden. Ein einfacher Druck auf den Startknopf in der Mitte des Pads reicht dabei zum Anmelden und Synchronisieren. Via USB oder Bluetooth lässt sich beispielsweise auch eine Tastatur anschließen; hilfreich, wenn man die PS3 auch zum Surfen nutzen will.
Dank des bereits vorab installierten Browsers ist Letzteres problemlos und auch recht bequem möglich: Die Online-Funktion der Konsole beschränkt sich also nicht nur auf die vom jeweiligen Spieletitel angebotenen Multiplayer-Optionen sowie die kommende, Second-Life-artige Welt Sony Home – auch als Internetterminal im Wohnzimmer macht das Gerät durchaus eine gute Figur.
Abseits von Blu-ray-, Multimedia-Abspiel- und Online-Fähigkeiten dürfte aber vor allem die Nutzung als Spielkonsole der Hauptgrund für die meisten Käufer sein, sich eine PS3 zuzulegen – und hier hapert es leider derzeit noch ganz massiv.
Zwar ist es durchaus üblich, dass zur Markteinführung einer neuen Konsole das Software-Angebot eher bescheiden ist und die Entwickler noch weit davon entfernt sind, die technischen Fähigkeiten des neuen Gerätes wirklich zu nutzen; bedenkt man, dass die PS3 in den USA und Japan allerdings bereits seit einigen Monaten auf dem Markt ist, darf das in Deutschland verfügbare Software-LineUp durchaus als enttäuschend bezeichnet werden.
Das liegt weniger an der Titelanzahl: Gut 30 Titel sollen zum Start verfügbar sein, unter denen sich allerdings zahlreiche Portierungen bekannter Titel wie Need For Speed Carbon, Tiger Woods 07, einige zu erwartende Fortsetzungen (Virtua Fighter 5, Ridge Racer 7, Virtua Tennis 3) und nur recht wenige wirkliche Neu- und Eigenentwicklungen befinden.
Auf den folgenden Seiten stellen wir einige der wichtigsten Veröffentlichungen, die uns bereits zum Test vorlagen, kurz vor. Wer darunter zu wenig interessante Titel findet, kann sich zumindest noch mit alten PS2-Titeln vergnügen, so sie denn laufen: Da Sony in der in Europa verfügbaren neuen Version der PlayStation 3 nicht mehr die Emotion-Engine-Hardware der PlayStation 2 verbaut, sondern sie, um Produktionskosten zu sparen, durch eine Software-Emulation ersetzt, ist die vorab verkündete Abwärtskompatibilität leider nur noch eingeschränkt gegeben; wer auf Nummer sicher gehen will, sollte die alte PlayStation 2 also noch nicht einmotten, sondern im Wohnzimmer stehen lassen. Um festzustellen, ob ein PS2-Spiel auf der PS3 läuft, hat Sony übrigens eine eigene Website(öffnet im neuen Fenster) eingerichtet. In den ersten Tagen nach Markteinführung werden wir dann die Tests der PS3-Spiele nachreichen, die uns nicht rechtzeitg vor dem Marktstart erreichten.
Es folgen Tests der Titel:
- Motor Storm / Formula One Championship Edition(öffnet im neuen Fenster)
- Virtua Fighter 5 / Virtua Tennis 3(öffnet im neuen Fenster)
- Resistance: Fall Of Man / Genji(öffnet im neuen Fenster)
Motor Storm und Formula One Championship Edition
Optisch ist sicherlich wenig zu bemängeln: Die Canyons und Wüsten glänzen mit grandios detaillierten Felsbrocken und Strecken, die Buggys und Motorräder lassen ebenso wenig zu wünschen übrig wie die sehenswerten Staub- und Partikeleffekte – vor allem auf einem HD-fähigen TV-Gerät ist es ein absoluter Genuss, aus der Motorhauben-Perspektive über die Kurse zu brettern.

Schade nur, dass Sony in Sachen Dauermotivation bei dem umkomplizierten Gelände-Renner geschlampt hat: Der Spielumfang ist auf Grund weniger Kurse und nicht wirklich abwechselungsreichen Gameplays eher gering, Multiplayer-Wettkämpfe sind darüber hinaus nur online möglich – da wäre mit etwas mehr Fein-Tuning und mehr Strecken noch viel Potenzial drin gewesen.
Am enttäuschendsten ist allerdings sicherlich die Optik: Formula One Championship Edition sieht nie wirklich nach HD-Gaming aus; zwar gibt es mehr Details und Effekte als auf der PS2, die Änderungen halten sich aber eher in Grenzen – und an dem Problem, dass die Formel-1-Serie von Sony immer ein wenig steril wirkt, ändert sich auch mit dem neuen Titel leider ebenfalls kaum etwas.
Virtua Fighter 5 und Virtua Tennis 3
Spielerisch konnte bei Virtua Tennis 3 ohnehin wenig verbessert werden – einerseits extrem einsteigerfreundlich und leicht zu lernen, andererseits mit genügend Tiefgang, um auch dauerhaft zu motivieren, stellt dieser Titel auch auf der PS3 die optimale Wahl für einen schnellen Ballwechsel zwischendurch oder ein kleines Turnier mit Freunden dar.

Neu dabei sind diesmal zahlreiche ganz unterhaltsame Mini-Spiele sowie eine deutlich aufgebohrte Optik: Gesichtszüge und Eigenheiten der Spieler sind deutlich besser zu erkennen, und auch wenn es bis zu dem von Sega gepriesenen Fotorealismus noch ein ganzes Stück Entwicklungsarbeit ist: So schick sah virtuelles Tennis auf dem heimischen TV wohl noch nie aus.
Resistance: Fall Of Man und Genji

Spaß macht das zweifellos, da die Entwickler unter anderem viel Wert auf unterschiedliche Waffen und diverse steuerbare Fahrzeuge gelegt haben, ein richtig herausragender Shooter ist Resistance allerdings trotzdem nicht geworden – was einerseits am sehr linearen Gameplay liegt, das wenig spielerische Freiheiten lässt, gleichzeitig aber auch an der etwas enttäuschenden Präsentation: Effekte und die einzelnen Personen lassen die technischen Fähigkeiten der Konsole zwar erahnen, die matschigen und detailarmen Gebäude- und Umgebungstexturen hingegen enttäuschen.
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