Schwule und Lesben werfen MySpace Zensur vor
Kritiker sprechen nun von einem Akt der Zensur. MySpace selbst begründete die Löschung des Nutzerprofils der schwul-lesbischen Band mit einem Standardtext. In allgemein gehaltenen Formulierungen war darin von "Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen" die Rede, die gewöhnlich auf bildliche Nacktfotos oder die Darstellungen von Gewalt und Sexualität zurückzuführen seien. Derartige Darstellungen hat die Band nach eigener Aussage nicht auf ihrer Seite platziert. Besonders ärgerlich: Die Daten scheinen unwiederbringlich verloren.
Immerhin befindet sich im Repertoire ein Stück namens "Cockwolf", dessen Text auch sexuelle Anspielungen enthalten soll. Dieses sei aber weit weniger explizit als zahlreiche Hip-Hop-Stücke, die auf MySpace nicht beanstandet würden, argumentiert die Band.
Möglicherweise kam die Löschung auch wegen der Verbindung der Worte "Kids" und den latent sexualisierten Darstellungen der Band zustande. Nähere Angaben oder eine Begründung verweigert MySpace. Nun entbrennt in Foren eine Diskussion über Zensur. Viele Nutzer fürchten um ihre Daten, die sie in teils jahrelanger Arbeit aufgebaut haben.
MySpace ist ein offenes Forum, das die Möglichkeit bietet, seine Persönlichkeit mit eigenen Inhalten wie Videos, Fotos und Texten darzustellen. Über Kontaktprofile können virtuelle Freundeskreise aufgebaut werden und teils weltumspannende Netzwerke entstehen.
Diese Möglichkeiten der nach Interessen sortierten Kontakte nutzen insbesondere Szenen oder Bands, die durch MySpace direkten Kontakt zu ihren Hörern herstellen können und so den Kreis ihrer Fans erweitern. Der Medienmogul Rupert Murdoch kaufte das Netzwerk für 580 Millionen Dollar. Nach ungeprüften Angaben des Unternehmens sind dort bereits 160 Millionen Nutzer angemeldet.
Namhafte Künstler der Independent-Szene haben sich nun auf MySpace zu einem Anti-Zensur-Forum(öffnet im neuen Fenster) organisiert, darunter das Berliner Duo Cobra Killer, der schwule Künstler Bruce La Bruce oder die Band Chicks On Speed. Die Musikzeitschrift "Intro" zitiert die Agentur Queerbeat: "Das passiert nicht zum ersten Mal, und interessanterweise sind sehr häufig schwul-lesbische Künstler davon betroffen."
In Internetforen werden weitere Fälle angeblicher Zensur diskutiert. So seien auch Profile von Löschungen betroffen, die sich mit dem Rollenspiel "Final Fantasy" beschäftigen oder Kritik an der Politik des US-Präsidenten George Bush übten. MySpace selbst reagierte bisher nicht auf die Vorwürfe. Auch für die Presse ist das Unternehmen kaum zu erreichen.
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