Schwule und Lesben werfen MySpace Zensur vor

Löscht MySpace unberechtigt die Seiten von Nutzern?

MySpace lösche ohne Erklärung die Daten schwuler und lesbischer Künstler, behaupten Kritiker im Internet. Die kanadische Band Kids On TV beklagt im Forum stillepost.ca, dass ohne Vorwarnung ihre Seite mit Informationen über die Band gelöscht worden sei. Dabei seien auch 14.000 Kontakte der Band sowie die Daten über eine laufende Tournee abhanden gekommen.

Artikel veröffentlicht am , nz

Kritiker sprechen nun von einem Akt der Zensur. MySpace selbst begründete die Löschung des Nutzerprofils der schwul-lesbischen Band mit einem Standardtext. In allgemein gehaltenen Formulierungen war darin von "Verstößen gegen die Nutzungsbedingungen" die Rede, die gewöhnlich auf bildliche Nacktfotos oder die Darstellungen von Gewalt und Sexualität zurückzuführen seien. Derartige Darstellungen hat die Band nach eigener Aussage nicht auf ihrer Seite platziert. Besonders ärgerlich: Die Daten scheinen unwiederbringlich verloren.

Immerhin befindet sich im Repertoire ein Stück namens "Cockwolf", dessen Text auch sexuelle Anspielungen enthalten soll. Dieses sei aber weit weniger explizit als zahlreiche Hip-Hop-Stücke, die auf MySpace nicht beanstandet würden, argumentiert die Band.

Möglicherweise kam die Löschung auch wegen der Verbindung der Worte "Kids" und den latent sexualisierten Darstellungen der Band zustande. Nähere Angaben oder eine Begründung verweigert MySpace. Nun entbrennt in Foren eine Diskussion über Zensur. Viele Nutzer fürchten um ihre Daten, die sie in teils jahrelanger Arbeit aufgebaut haben.

MySpace ist ein offenes Forum, das die Möglichkeit bietet, seine Persönlichkeit mit eigenen Inhalten wie Videos, Fotos und Texten darzustellen. Über Kontaktprofile können virtuelle Freundeskreise aufgebaut werden und teils weltumspannende Netzwerke entstehen.

Diese Möglichkeiten der nach Interessen sortierten Kontakte nutzen insbesondere Szenen oder Bands, die durch MySpace direkten Kontakt zu ihren Hörern herstellen können und so den Kreis ihrer Fans erweitern. Der Medienmogul Rupert Murdoch kaufte das Netzwerk für 580 Millionen Dollar. Nach ungeprüften Angaben des Unternehmens sind dort bereits 160 Millionen Nutzer angemeldet.

Namhafte Künstler der Independent-Szene haben sich nun auf MySpace zu einem Anti-Zensur-Forum organisiert, darunter das Berliner Duo Cobra Killer, der schwule Künstler Bruce La Bruce oder die Band Chicks On Speed. Die Musikzeitschrift "Intro" zitiert die Agentur Queerbeat: "Das passiert nicht zum ersten Mal, und interessanterweise sind sehr häufig schwul-lesbische Künstler davon betroffen."

In Internetforen werden weitere Fälle angeblicher Zensur diskutiert. So seien auch Profile von Löschungen betroffen, die sich mit dem Rollenspiel "Final Fantasy" beschäftigen oder Kritik an der Politik des US-Präsidenten George Bush übten. MySpace selbst reagierte bisher nicht auf die Vorwürfe. Auch für die Presse ist das Unternehmen kaum zu erreichen.

Bitte aktivieren Sie Javascript.
Oder nutzen Sie das Golem-pur-Angebot
und lesen Golem.de
  • ohne Werbung
  • mit ausgeschaltetem Javascript
  • mit RSS-Volltext-Feed


Leser 19. Feb 2008

Welche Medien konsumierst du denn?

E 14. Jun 2007

Das ist alles quatsch. Du scheint das wichtigste an dieser Bezeichnung zu vergessen: das...

sichaufreg 23. Apr 2007

wow, ich glaubs nich! Es gibt echt noch Menschen, die Homosexualität für krank...

achgottchen 19. Mär 2007

Wie wär's mit der Schlagzeile "Werden wir jetzt alle schwul?" ? Gab's schon mal vor ein...



Aktuell auf der Startseite von Golem.de
Verkaufsverbot
Huawei will 50-Cent-Lizenzgebühr pro AVM-Fritzbox

Huawei hat gerichtlich ein gültiges Verkaufsverbot von Fritzboxen mit Wi-Fi 6 und Wi-Fi 7 durchgesetzt. Es geht um Huaweis Patente für den Standard.

Verkaufsverbot: Huawei will 50-Cent-Lizenzgebühr pro AVM-Fritzbox
Artikel
  1. Elektro-SUV: Porsche macht den Macan deutlich aerodynamischer
    Elektro-SUV
    Porsche macht den Macan deutlich aerodynamischer

    Der vollelektrische Porsche Macan soll "in Kürze" in die Produktion gehen. Dazu hat der Sportwagenhersteller neue Details zu dem SUV genannt.

  2. The Lost Crown im Test: Prince of Persia als super spaßiger Sidescroller
    The Lost Crown im Test
    Prince of Persia als super spaßiger Sidescroller

    Kein Prinz als Held, aber sonst königlich: Prince of Persia - The Lost Crown entpuppt sich im Test als rundherum gut gemachtes Abenteuer.
    Von Peter Steinlechner

  3. Future Racing Cable: Modulares USB-Kabel lädt 240 Watt und überträgt 40 GBit/s
    Future Racing Cable
    Modulares USB-Kabel lädt 240 Watt und überträgt 40 GBit/s

    Auf Indiegogo verspricht der Hersteller, dass kein anderes USB-Kabel mehr gebraucht wird. Schließlich sei das Future Racing Cable vielseitig.

Du willst dich mit Golem.de beruflich verändern oder weiterbilden?
Zum Stellenmarkt
Zur Akademie
Zum Coaching
  • Schnäppchen, Rabatte und Top-Angebote
    Die besten Deals des Tages
    • Daily Deals • PS5 + Spider-Man 2 569€ • AMD Ryzen 9 5950X 379€ • Switch-Controller 17,84€ • AOC 27" QHD 165Hz 229€ • MindStar: Gigabyte RTX 4070 Ti 819€ • Google -47% • Steelseries -64% • Corsair -39% • Bose -36% • 3 Spiele für 49€ • Gigabyte 27" QHD 240 Hz 399€ • EA-Spiele -66% [Werbung]
    •  /