GDC: Gears of War, Gewalt und Rock&Roll
CliffyB: Dankeschön. (lacht)
Golem.de: Wie Du sicher weißt, haben brutale Spiele in Deutschland ein großes Problem. Nun hast Du mit Deinen Kollegen so viele tolle Ideen in Gears of War eingebaut – wieso um Himmels willen braucht Ihr dann diese ganzen expliziten Gewaltdarstellungen?
CliffyB: Weil sie cool sind! Frag mal Quentin Tarantino, wieso er Gewalt in seinen Filmen zeigt. Er wird Dir dieselbe Antwort geben: Wir finden, dass sie aufregend ist! Wir sind alle mit Horrorspielen groß geworden... – Soll ich jetzt posen oder weitersprechen?
Golem.de: Red' weiter, ich mache nebenher nur einige Fotos.
CliffyB: Es gibt Gründe dafür, dass wir leuchtend rotes Blut verwenden und es über Dich schwappen lassen, wenn Du im Spiel jemanden tötest: Du sollst als Spieler mitbekommen, wenn Du jemanden triffst. Wir sind keine Sadisten, das Blut muss sein, um Dir ein Erfolgsgefühl zu geben. Daher rührt also die ganze Gewalt.
CliffyB: Halt, ich habe noch nie bestätigt, dass es Gears of War 2 geben wird. Wir machen einfach die Art von Spielen, die wir selber spielen wollen. Wir sind große Fans von Horrorfilmen, wir sind große Fans von Kriegsfilmen. Und wir wollen keine faulen Kompromisse eingehen, wenn es um die Darstellung von Krieg geht.
Golem.de: Ihr wollt also realistisch sein, soweit das in dem von euch gewählten, halb-futuristischen Szenario möglich ist?
CliffyB: Es geht nicht um Realismus. Schneidest Du das eigentlich alles mit? Okay, cool. Wir wollen gar nicht absolut realistisch darstellen, was Gewalt ist. Es geht mehr um eine übertriebene, exzessive, fast schon Borderline-komödiantische Cartoon-Gewalt. Falls Du schon mal das Pech gehabt haben solltest, ein Video zu sehen, in dem tatsächlich jemand getötet wird: Das hat nichts mit einem Videospiel zu tun, das ist eine ganz unangenehme, hässliche Sache zum Anschauen. In einem Spiel hingegen ist es fast schon lustig. Und so wollen wir das darstellen.
CliffyB: Aber unsere Spiele sind nicht für Kinder gedacht! Sie werden freiwillig als "Mature" gekennzeichnet und nicht für Kinder vermarktet. Und es gibt auch diverse Barrieren: Der Händler sollte den Personalausweis checken, wenn er sich nicht sicher ist, wie alt sein Kunde ist. Die Eltern müssen aufpassen, was ihr Kind so spielt. Und wir benutzen die Alterskontrolle-Mechanismen der Xbox 360. Und schließlich kostet ein Spiel 60,- Dollar.
Golem.de: Du meinst, das kann sich kein Kind leisten?
CliffyB: Ich hatte als Kind keine 60,- Dollar zur Verfügung. Was die Politiker anbelangt: Wir haben es hier mit einem Generationenkonflikt zu tun. Spiele sind der moderne Rock&Roll! Irgendwann werden Leute im Kongress sitzen, die mit Spielen aufgewachsen sind, und dann werden sich viele Dinge ändern.
Golem.de: Dann werden gewalttätige Spiele etwas ganz Normales sein?
CliffyB: Genau, und verteufelt werden Spiele, bei denen Blumen aus den Pistolen kommen.
CliffyB: Ich denke, ich sage nicht, dass die Designer das Rad völlig neu erfinden müssen, aber wir beherrschen sicherlich noch nicht alle Instrumentarien, um dem Spieler die Bedienung so einfach wie möglich zu machen. Da geht es um Kameraplatzierung, das Timing des Spiels, um Kontextsensitivität. Ich habe genug Spiele gesehen, die nicht mal die herkömmlichen Konventionen richtig hinbekommen. Das sollten wir erstmal richtig hinbekommen, bevor wir alles neu erfinden!
Golem.de: Wird es in mittlerer Zukunft mal wieder ein Spiel von Epic oder Dir geben, das sich in Deutschland frei verkaufen lässt?
CliffyB: Die Spiele von Epic sind zurzeit Erwachsenenspiele. Wir werden so schnell nicht zu Szenarien wie bei Jazz Jackrabbit zurückkehren. Ihr müsst also unsere Spiele auch weiterhin aus England oder Österreich importieren! [von Jörg Langer(öffnet im neuen Fenster)]