GDC: Zu Hause in der PS3 - Interview mit Phil Harrison
Phil Harrison: Feuern Sie los. Aber zuerst habe ich eine Frage an Sie: Waren Sie Mittwochmorgen bei meiner Keynote und außerdem auch bei unserem Media-Event am Dienstagabend?
Golem.de: Bei beiden. Der Media-Event lief ja doch ein wenig besser als die Keynote gestern...
Phil Harrison: Vielen herzlichen Dank, dass Sie das erwähnen! Aber es stimmt, wir hatten bei der Keynote ein Problem mit einem Video-Switcher. Es hatte nichts mit der PS3 zu tun. Ich denke, das hat keine große Rolle gespielt.
Golem.de: Sie haben das gut kaschiert. Die Reaktionen zu "Home" sind ja sehr positiv, es scheint, als würde Sony CE mit einem Schlag die Überlegenheit von Microsofts Xbox Live infrage stellen.
Phil Harrison: Das höre ich gern. Aber es geht nicht nur darum, einen bestimmten Mitbewerber zu schlagen. Es geht darum, eine Strategie zu identifizieren und für die PS3 umzusetzen. Indem wir mit Home eine 3D-Community erschaffen, können wir neue User auf unsere Plattform bringen. Und die bestehenden Fans bekommen eine noch tiefere Bindung – nicht nur zu unserer Plattform, sondern auch untereinander. Beides sind wichtige Trends für die Zukunft.
Phil Harrison: Weil die PS3 so eine einfach zu bedienende Plattform ist, denke ich, dass wir neue User erreichen, die noch keine Erfahrung mit solchen Diensten haben. Aber wir können alle einen größeren Trend beobachten, der gerade im Markt stattfindet. Wir alle besuchen typische Web-2.0-Sites. Und wir wollten diesen Trend nach PlayStation-Art aufgreifen und ihn in 3D umsetzen, und zwar einfach zu benutzen, mit hochauflösender Grafik, einem intuitiven Interface. Ich denke, wir haben einen guten Job gemacht.
Krawall.de: Glauben Sie, dass die Leute verwirrt sein können von so vielen Communities: Second Life, World of WarCraft und so weiter?
Phil Harrison: Das wird keine Rolle spielen, denn unser Service läuft auf der PS3. Es geht hier darum, im Wohnzimmer, auf dem Fernseher mit seinen Freunden in Kontakt zu treten. Es geht um die PS3, um Spiele, um Unterhaltung.
Phil Harrison: Sicher, genauso wie es einen Wettstreit zwischen allen Aktivitäten gibt, die um die Freizeit der Leute buhlen: Fernsehen, ins Kino gehen, Videospiele, im Web surfen. Das ist eine ständige Herausforderung für uns. Mit dem neuen Netzwerkservice wird es noch viel mehr Gründe geben, die PS3 jeden Tag zu benutzen.
Krawall.de: Wie viele User passen denn gleichzeitig in eine Instanz von Home?
Phil Harrison: In der Main Lobby gibt es ein Soft- und ein Hardlimit. Wenn wir das Softlimit erreichen, erschaffen wir neue Instanzen. Das Hardlimit beträgt 64 Leute in einem öffentlichen Raum wie der Lobby oder dem Games Space. In den privaten Räumen ist das Limit etwas niedriger. Das liegt an den Medien, etwa der Musik, die vom eigenen Raum auf die PS3s der Besucher gestreamt werden.
Golem.de: Also wird Home nicht aus einer großen, durchgehenden Welt wie etwa Second Life bestehen. Wird man eher einen Apartmentblock betreten, um zur Wohnung eines Freundes zu kommen?
Phil Harrison: Sagen wir es mal so: Viele Leute spekulieren bereits, wofür die Magnetschienenbahn im Hintergrund sein könnte...
ComputerBild Spiele: Erklären Sie uns das Bonus-System, um an neue Sachen oder ein größeres Apartment zu kommen.
Phil Harrison: Einerseits werden die User neue Sachen kaufen können. Wir benutzen dazu Micropayment via PlayStation Wallet, um kleine Beträge abbilden zu können. So wird eine Tapete oder ein anderes simples Objekt nur wenige Eurocents kosten. Und das geht dann hoch bis zu großen Eurobeträgen.
Golem.de: Ist das nicht unmoralisch? Reiche Spieler sitzen im dicken Luxusappartment, nicht so vermögende Jugendliche können nur neidisch zusehen?
Phil Harrison: Ich weiß nicht, ob das eine moralische oder eine kapitalistische Frage ist. Es gibt ja auch noch die Möglichkeit, sich PS3-Spiele zu kaufen und damit beispielsweise neue Möbel für das eigene Apartment freizuschalten. Es wird außerdem "seltene" Gegenstände geben, die man nur eine bestimmte Zeit lang bekommen kann.
Krawall.de: Kann ich eigentlich eine Blu-ray-Disc in meine PS3 einlegen und den Film dann mit anderen Avataren in meinem Home-Apartment ansehen?
Phil Harrison: Nein, das geht nur mit nicht kopiergeschützten Dateien. Ein Blu-ray-Film ist natürlich kopiergeschützt. Wenn Sie AVIs oder MP4s oder JPEGs ohne DRM haben, können Sie sie abspielen.
Golem.de: Was ist, wenn jemand Pornografie über Home verbreiten will?
Phil Harrison: Zunächst einmal: Die öffentlichen Räume werden überwacht, die privaten nicht. Wir machen aber nichts anders, als man es auch so mit der PS3 könnte: Sie können Video-Chats haben, Audio-Chats, Text-Chats. Sie können E-Mails und Dateien austauschen. Daran ändert sich nichts durch Home. Und wir unterstützen alle Alterseinstellungen. Wenn also Eltern nicht wollen, dass ihre minderjährigen Kinder Video-Chats oder Friends-Lists benutzen oder Gegenstände kaufen, so können sie dies jeweils unterbinden. Es lässt sich sogar limitieren, wie viel Geld der User ausgeben kann, und wie oft.
Phil Harrison: Zu diesem Zeitpunkt haben wir keine solchen Pläne. Wir finden es gut, mit der PS3 eine Plattform zu haben, deren Leistungsfähigkeit immer gleich ist. Wir können also sicherstellen, dass jeder User dieselbe Art von Erlebnis hat.
Krawall.de: Wie viele der Xbox-Live-Features wie "Cross Game Invites" oder "Cross Game Chats" werden Sie einbauen?
Phil Harrison: Das sind Fragen, die die PS3-Roadmap betreffen, und nicht speziell Home. Alles in Home baut auf PlayStation Network auf, und wenn dessen Funktionalität erweitert wird, betrifft das auch Home.
Krawall.de: Und wann kommen diese Verbesserungen? Zum europäischen Launch der PS3?
Phil Harrison: Diese Frage kann ich Ihnen nicht beantworten.
Anderer Journalist: Vorhin sagten Sie, dass sich die User Sachen kaufen können. Ich dachte, Home soll ein kostenloser Download sein?
Phil Harrison: Der Download ist kostenlos, aber es wird kommerzielle Kanäle geben, daraus machen wir keinen Hehl. Home hat vier Ziele: Wir wollen neue Gelegenheiten für unsere User schaffen. Und für unsere Entwickler. Und für unsere Partner und Publisher. Und viertens wollen wir neue Einnamequellen für Sony eröffnen. Wir werden am Ende Geld machen mit Home.
Golem.de: Der Emotion-Chip der PS3 wird in der europäischen Version fehlen, stattdessen wird die PS2-Kompatibilität per Software hergestellt. Wird die Emotion Engine von jetzt an auch in japanischen und US-Versionen der PS3 fehlen?
Phil Harrison: Wir haben an den Spezifikationen der japanischen und US-Versionen nichts geändert.
Golem.de: Ist es nicht ein sehr später Schritt von Sony, die "Edge" genannten Entwicklungstools nun auch den externen Entwicklern zur Verfügung zu stellen? Ein Versuch, diese ebenso gut zu unterstützen, wie das Microsoft bei der Xbox 360 macht?
Phil Harrison: Eine gute Frage. Aber denken Sie daran, dass Edge eine Erweiterung der bereits sehr guten Entwicklungstools für die PS3 darstellt. Wir haben in den Sony-Computer-Entertainment-Studios unser eigenes Geld und unser eigenes Können darauf verwandt, zusätzliche Tools herzustellen, mit denen man eine noch höhere Performance aus der Maschine kitzeln kann. Und diese Tools machen wir nun allen Entwicklern zugänglich.
Golem.de: Eine letzte Frage: Sie wollen mit der PS3 die Wii und die Xbox 360 schlagen. Aber wann?
Phil Harrison: Das werden wir oft gefragt. Erinnern Sie sich an die Launches der PS1 und PS2. Wir sind immer in einen dicht besetzten Markt gestartet, mit dominierenden Mitbewerbern. Und jedes Mal hat jeder gesagt, dass wir es nicht schaffen werden, die Marktführerschaft zu erreichen. Es gab sogar Stimmen, dass die Dreamcast alle anderen Konsolen schlagen würde, weil auf ihr Windows CE laufe! Wir wissen, was es heißt, in diesem Markt zu bestehen. Wir haben erfolgreich zwei Konsolen zur Marktführerschaft gebracht, von beiden wurden jeweils mehr als 100 Millionen verkauft, dazu jeweils mehr als 1 Milliarde Softwaretitel. Wir sind also sehr zuversichtlich...
Golem.de: Aber wann? Wann wollen Sie Marktführer sein?
Phil Harrison: So schnell wir können. [von Jörg Langer(öffnet im neuen Fenster) ]
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