Delphi bald in einer Ruby-Edition?
Das neue Delphi für PHP findet Intersimone dabei nicht ungewöhnlich, sondern sieht vielmehr Vorteile für PHP-Entwickler. "PHP-Programmierer bekommen damit auch eine Umgebung zum Rapid Application Development", so Intersimone. Das Problem bei PHP seien vor allem die Vielzahl der verfügbaren Komponenten und zueinander inkompatiblen Frameworks, auf die Entwickler zurückgreifen können. Mit Delphi für PHP habe man hingegen eine Entwicklungsumgebung, um verschiedene Frameworks und Komponenten zu integrieren. Ein weiterer Vorteil sei die automatische Generierung von Ajax-Code.
Dabei wurde Delphi für PHP nicht alleine von CodeGear entwickelt. Vielmehr hatte die Firma Qadram(öffnet im neuen Fenster) begonnen, die aus der Windows-Welt bekannte VCL-Komponentenbibliothek für PHP umzusetzen und an einer entsprechenden IDE zu arbeiten. "Wir haben diese Entwicklungsumgebung genommen und sie gemeinsam erweitert – das ist Delphi für PHP geworden", erklärt David I. Dabei hatte Qadram selbst begonnen, die IDE in Delphi zu schreiben, was CodeGear beibehielt. "Delphi für PHP und das klassische Delphi für die Win32-Programmierung basieren also nicht auf einer Code-Basis", bestätigte Intersimone. Dennoch sei die IDE sehr am Original orientiert und stelle praktisch keinen Unterschied dar. Die Komponenten hingegen sind in PHP geschrieben.
Dabei wird VCL für PHP als Open Source veröffentlicht, sobald die neue Delphi-Variante ausgeliefert wird. "Das Sourceforge-Projekt(öffnet im neuen Fenster) gibt es schon, die Komponentenbibliothek wird dann unter der GNU Lesser General Public License (LGPL) stehen", versprach Intersimone. Man sehe Open Source als einen wichtigen Baustein an und werde VCL für PHP weiterentwickeln und einsetzen. Zudem erhoffe sich CodeGear, dass andere Programmierer die Komponentenbibliothek erweitern werden. Auch der Zusammenarbeit mit anderen Open-Source-Projekten sei man nicht grundsätzlich abgeneigt – konkrete Aussagen zu zukünftigen Produkten wollte Intersimone jedoch nicht treffen.
Laut Intersimone ist PHP nicht die einzige dynamische Sprache, mit der sich CodeGear beschäftigt. Vor allem Ruby und das Web-Framework Ruby on Rails hätten das Interesse der Firma geweckt und würden als sehr wichtig eingestuft. Man werde Ruby und Rails definitiv unterstützen, auf welche Weise hingegen war noch nicht zu erfahren. Auch weitere Sprachen schaue CodeGear sich an, man werde auf jeden Fall die Basis der unterstützten Sprachen – die klassisch C, C++, Java und Delphi sind – erweitern. Es seien noch keine Entscheidungen gefallen, die CodeGear-Entwickler spielten aber verschiedene Lösungen durch.
Als besondere Funktionen in Delphi für PHP sowie im neuen Delphi 2007 für Win32 hebt CodeGear Ajax-Werkzeuge hervor, die mit Blick auf den klassischen Delphi-Entwickler vielleicht etwas komisch anmuten. Intersimone hingegen zeigte sich überzeugt, dass das Bild des ausschließlich an Desktop-Anwendungen arbeitetenden Delphi-Programmierers veraltet sei. Vielmehr würde es immer mehr weg vom klassischen objektorientierten Projekt hinzu Webanwendungen gehen. Durch die integrierten Ajax-Techniken könnten Entwickler so aber auch bei diesen Programmen mit von Desktop-Applikationen bekannten Elementen und Komponenten arbeiten. Die Kommunikation erfolge dabei erst einmal zwischen Backend und Client, spezielle Frameworks kommen nicht zum Einsatz. Entwickler können diese jedoch selbst integrieren. Allerdings sei die Abfrage der APIs anderer Komponenten von Hause aus möglich, um beispielsweise mit existierenden Anwendungen von Google zusammenzuarbeiten.
Nachdem JBuilder 2007 bereits auf der freien Entwicklungsumgebung Eclipse basiert, möchte CodeGear auf der Konferenz EclipseCon 2007(öffnet im neuen Fenster) sehen, auf welchen Gebieten eine weitere Zusammenarbeit mit dem Projekt erfolgen kann. Vor allem mit dem Dynamic Language Toolkit(öffnet im neuen Fenster) sei eine engere Kooperation geplant. Dieses erweitert die Eclipse-Plattform beispielsweise um Unterstützung für Tcl, Python und Ruby. Auch mit weiteren Entwicklerwerkzeugen für Eclipse von CodeGear könne man rechnen. Aussagen zu weiteren auf Eclipse basierten Produkten waren Intersimone aber ebenfalls nicht zu entlocken.
Dass die ehemals von Borland angebotenen Entwicklerprodukte mittlerweile unter einem neuen Markennamen vertrieben werden, ist laut David Intersimone kein großes Problem. Wichtiger sei der Name der Produkte. Zudem würde das Wort "Code" im neuen Namen gleich zeigen, dass es um Programmierung gehe, "Gear" hingegen darauf hindeuten, dass man alles aus einer Hand haben könne. Und auch die Konkurrenz durch Microsofts IDE Visual Studio und die naturgemäße Verzahnung mit dem Windows-Betriebssystem sei kein Problem. Natürlich konkurriere CodeGear mit Microsoft, aber man arbeite auch mit den Redmondern zusammen. Dennoch scheint das Unternehmen – wie das Beispiel Delphi für PHP zeigt – neue Bereiche erschließen zu wollen, in denen Microsoft beispielsweise noch nicht tätig ist. Schließlich entschloss sich Borland auch erst zum Verkauf der Entwicklungsumgebungen, nachdem sich der Umsatz verringerte und der Gewinn zum Verlust wurde.
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