Panorama-Redaktion verteidigt "Killerspiele"-Beitrag
Wie berichtet, hatte die ARD am 22. Februar 2007 unter dem Titel "Morden und Foltern als Freizeitspaß – Killerspiele im Internet" einen sehr kontroversen Beitrag(öffnet im neuen Fenster) des Magazins "Panorama" ausgestrahlt. Darin wurden unter anderem die Spiele "Call of Duty" und "GTA: San Andreas" als besonders problematisch geschildert. Der NDR zeigte dabei Ausschnitte des vom Spieler freizuschaltenden "Hot Coffee Mods", das einvernehmlichen Sex der bekleideten Spielfiguren nach einer Verabredung darstellt. Im Beitrag hieß es dazu: "Wer hier möglichst viele Frauen vergewaltigt, gewinnt."
In einer Stellungnahme(öffnet im neuen Fenster) im Panorama-Forum meint die Fernsehredaktion dazu: "Auch die Zusatzpatches für gewaltsame sexuelle Handlungen sind problemlos herunterzuladen, auch wenn wir diese nicht im Detail gezeigt haben. Deutlich wird dadurch auch, dass die offizielle Handelsvariante diese Szenen nicht enthält."
Gemeint war mit den Vergewaltigungsvorwürfen also offenbar nicht das "Hot Coffee Mod" – das in neueren Versionen des Spiels ohnehin nicht mehr funktioniert -, sondern ein anderer Patch. Eine solche Erweiterung, die in "GTA: San Andreas" Sex und Gewalt verknüpft, ist der Redaktion von Golem.de nicht bekannt. Stattdessen sieht es eher so aus, als ob im Panorama-Beitrag nur Behauptungen wiederverwendet wurden, die bereits während der großen Aufregung um das Hot Coffee Mods in den USA im Jahr 2005 widerlegt wurden.
Panorama äußert sich zudem breit über die gezeigten Szenen aus "Call of Duty". Nach Meinung der Redaktion habe man hinreichend darauf hingewiesen, dass Hakenkreuze und andere NS-Symbole nicht Teil der deutschen Verkaufsversion seien. Zudem spricht Panorama von einer so genannten "Internetversion" des Spiels und erklärt: "Dort kann auch die Version 'Death Match' gespielt werden, 'möglichst viele Menschen zu töten' ". Dieser Vorwurf, es gehe bei derartigen Taktik-Shootern vor allem ums Töten, war zentraler Punkt der Darstellung von Call of Duty.
Dazu wählte Panorama auch besonders drastische Bilder, die zwischen Aufnahmen von zwei interviewten Call-of-Duty-Spielern des Clans CODW geschnitten wurden. So wurde zum Beispiel gezeigt, wie ein Spieler auf einen am Boden liegenden Gegner schoss, unmittelbar danach folgte der Schnitt auf Ingolf "Daywalker" Wichmann von CODW, der vor sich hin lachte. Auf der Webseite des Clans stellt Wichmann klar:(öffnet im neuen Fenster) Mein Lächeln bezog sich auf eine lustige Aussage in Teamspeak, nicht auf irgendwelche Leichenballerei. Die gezeigten Szenen werden die mit Sicherheit selber gemacht haben. Von uns stammen sie jedenfalls nicht."
Sein Clan habe dem Fernsehteam während des Drehs außerdem "Call of Duty 2" im Multiplayer-Modus gezeigt, die fraglichen Szenen im Beitrag stammten nach Ansicht des Spielers aus der Singeplayer-Kampagne des ersten Teils des Spiels. In dem Panorama-Film findet sich laut Aussage des Interviewten nur eine Szene, die sein Clan selbst vorgeführt hätte.
Laut Wichmann dauerten die Interviews für den Beitrag fünf Stunden, Panorama habe daraus nur zwei Aussagen der Clan-Spieler verwendet. Wie einer Meldung(öffnet im neuen Fenster) bei Heise.de zu entnehmen ist, hatte Panorama auch mit dortigen Redakteuren gesprochen, deren Aussagen aber nicht verwendet, weil der Beitrag sonst zu lang geworden wäre.
Auch andere Journalisten kritisieren den Panorama-Beitrag deutlich. So meint Christian Schmidt, leitender Redakteur bei "GameStar" in einem Kommentar(öffnet im neuen Fenster) auf der Webseite der Spiele-Zeitschrift: "Es ist Stimmungsmache, die dort im öffentlich-rechtlichen Fernsehen lief, kein Journalismus. An einer sachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema nicht bemüht, trägt der Beitrag letztlich nur dazu bei, die Kluft zwischen Spielern und Nicht-Spielern zu vertiefen, Unverständnis zu streuen und Vorurteile zu bestätigen."
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