AnyDVD rippt nun auch HD-DVDs und umgeht DVI-Sperre
Bereits seit Ende Dezember 2006 geht es dem AACS getauften Kopierschutz von Blu-ray-Scheiben und HD-DVDs an den Kragen – geknackt ist er zwar noch nicht, doch andere Glieder in der Kette sind Schwachstellen. Dazu zählt unter anderem Wiedergabe-Software für beide DVD-Nachfolgeformate, die AACS-Schlüssel unachtsamerweise ungeschützt im Hauptspeicher des PCs ablegt, oder der unverschlüsselte Datentransfer zwischen PC und per USB angeschlossenen HD-DVD-Laufwerken.
Slysoft will hingegen anders vorgehen, um es seinerseits der Filmindustrie zu erschweren, allzu schnell Gegenmaßnahmen vorzunehmen: "Was wir genau machen, darf ich natürlich nicht verraten, wir machen es aber anders als alle anderen" , so Slysoft-Sprecher Tom Xiang gegenüber Golem.de. In der offiziellen Ankündigung, dass AnyDVD HD nun fertig sei, weist das auf der Karibikinsel Antigua sitzende Unternehmen stolz auf die kurze Entwicklungszeit von einigen Wochen sowie die kurze Beta-Phase von nur zehn Tagen hin, für die mit ausgewählten Szene-Gurus zusammengearbeitet wurde. Die noch geheime Methode soll mit allen HD-DVDs funktionieren und deutlich benutzerfreundlicher sein als das, was bei den freien Tools aus der Szene bisher zu finden ist.
AnyDVD HD erlaubt es, die ins Laufwerk eingelegten Original-HD-DVDs auch ohne vorheriges Rippen von ihren für Nutzer oft nervigen Beschränkungen wie Zwangs-Trailern oder – noch mit Einschränkungen – komplett von den Menüs zu befreien und einfach den Film direkt zu starten. So mancher Kunde dürfte sich von der Filmindustrie gegängelt fühlen, weil HD-DVDs und Blu-ray Discs eine Wiedergabe auf DVI-Displays ohne verschlüsselte Übertragung per HDCP nicht erlauben. AnyDVD HD umgeht auch diese Softwarebeschränkung, so dass teuer gekaufte, hochauflösende Breitbild-Displays ohne HDCP oder HDMI nicht ausrangiert werden müssen.
Dazu gibt es laut Slysoft noch eine Funktion zum Rippen von HD-DVDs auf die Festplatte, wobei AACS gleich entfernt wird. Für das direkte Kopieren auf HD-DVD-Rohlinge sei allerdings noch weitere Software vonnöten: " [...], erst müssen die anderen Programme CloneDVD und CloneCD nachziehen, sie kommen bald" , sagte Tom Xiang. Den Anfang mache aber Virtual CloneDrive, womit sich dann in Zukunft auch virtuelle HD-DVD-Laufwerke anlegen lassen.
Wirklich sinnvoll sei das – wegen der Umgehung des Kopierschutzes unerlaubte – Kopieren einer hochqualitativen HD-DVD sowieso nur dann, wenn die bis zu 25 GByte des Mediums nicht auf 4 GByte für eine normale DVD geschrumpft würden. "Da holt man sich lieber gleich die DVD zum Kopieren" , scherzte der Slysoft-Sprecher gegenüber Golem.de. Da HD-Brenner und HD-Medien noch Mangelware und sehr teuer seien, biete es sich eher an, eine HD-DVD auf den günstigeren Festplattenspeicher zu rippen.
Für die Zukunft hat Slysoft noch geplant, den HD-DVD-Konkurrenten Blu-ray Disc zu unterstützen. Lange gewartet werden muss darauf nicht mehr, noch im laufenden Quartal – also spätestens ab Ende März 2007 – soll AnyDVD HD auch hierbei sein in Deutschland unerlaubtes Werk vollführen. Den Anfang wird eine Beta-Version mit Blu-ray-Unterstützung machen.
Es sei lediglich noch eine Fleißarbeit, an die Blu-rays komme man bereits "ohne Probleme" heran. Allerdings will das Slysoft-Team auch den Regional-Code der Blu-ray aushebeln können. "Wir werden keine halbfertige Lösung auf den Markt werfen" , so Slysofts Tom Xiang abschließend gegenüber Golem.de. Der Filmindustrie wird das kein Trost sein.