OpenBSD gegen Linux-Entwickler
Greg Kroah-Hartman hatte Hardware-Herstellern angeboten, kostenlos Linux-Treiber für ihre Geräte zu programmieren, sofern diese den Linux-Kernel-Entwicklern Spezifikationen zukommen lassen. Im Rahmen der noch jungen Linux Foundation sollte auch sichergestellt werden, dass eventuell erforderliche NDAs (Non-Disclosure Agreement, also Vertraulichkeitsvereinbarungen) unterzeichnet und eingehalten würden. Dennoch sollten die Treiber unter der GPL stehen, wobei Kroah-Hartmann Weiteres in einer FAQ(öffnet im neuen Fenster) erläutert.
Stephan A. Rickauer kritisierte(öffnet im neuen Fenster) dieses Angebot nun auf der OpenBSD-Misc-Mailingliste scharf. Firmen hätten nun die perfekte Entschuldigung, ihre Spezifikationen unter Verschluss zu halten, während sie vorgeben, Open-Source-freundlich zu sein. Dies würde zwar sicherstellen, dass Linux Treiber bekommt, doch der Quelltext sei für andere Entwickler nicht zu gebrauchen. Dies würde freie Software schädigen. Das OpenBSD-Projekt verfolgt sehr strikte Richtlinien und nimmt ausschließlich freie Treiber auf.
Kroah-Hartman reagierte mit einem Verweis auf seine FAQ, in der er bereits schreibt, dass die BSD-Varianten tun und lassen könnten, was sie wollten, er jedoch Linux-Entwickler sei. Rickauer aber befürchtet einen GPL-Lock-In, wenn die Linux-Entwickler freudig NDAs unterschreiben würden. Letztlich sei es dann nicht mehr eine Firma, die ihre Spezifikationen zurückhält, sondern ein NDA-verpflichteter Entwickler, der nur seinen GPL-Code veröffentlicht. "Dabei geht es nicht um Freiheit, sondern um Prostitution" , so Rickauer weiter. OpenBSD-Entwickler Marco Peereboom schrieb, das Angebot würde exakt die Linux-Mentalität veranschaulichen.
Zu härteren Worten griff OpenBSD-Projektleiter Theo de Raadt, der für seine scharfen Äußerungen(öffnet im neuen Fenster) bekannt ist. "Es ist eine verdammte Farce" ( "It is a fucking farce" ), so de Raadt in seiner E-Mail. Kroah-Hartman mache einen großen Fehler, da durch die NDA-Unterzeichnung andere Programmierer, die beispielsweise Fehler korrigieren wollen, noch weniger Zugang zur nötigen Dokumentation hätten und sich somit nicht an der Entwicklung beteiligen könnten.
De Raadt fordert immer wieder von Firmen, dass sie ihre Spezifikationen freigeben, um den Open-Source-Entwicklern so zu ermöglichen, freie Treiber zu schreiben. Aus den Äußerungen der OpenBSD-Entwickler wird jedoch auch klar, dass sie ihre Arbeit auf diesem Gebiet gefährdet sehen. Laut Kroah-Hartman haben sich bereits Hersteller auf sein Angebot hin mit ihm in Verbindung gesetzt. Da die Linux-Entwickler die Unterzeichnung von Vertraulichkeitsvereinbarungen anbieten, würden betroffene Firmen hiervon profitieren, könnten sie doch einerseits darauf verzichten, ihre Dokumentationen herauszugeben, sich aber andererseits mit der Unterstützung ihrer Hardware durch Linux schmücken. Andere Projekte wie OpenBSD kämen so aber natürlich nicht an die Hardware-Spezifikationen.
- Anzeige Hier geht es zu Linux: Das umfassende Handbuch bei Amazon Wenn Sie auf diesen Link klicken und darüber einkaufen, erhält Golem eine kleine Provision. Dies ändert nichts am Preis der Artikel.



