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Handy-Display durch Streicheln bedienen

Touchscreen-Steuerung geschieht durch Unterbrechen von Lichtwellen. Das schwedische Unternehmen Neonode hat auf dem 3GSM Congress in Barcelona ein 70 Gramm wiegendes, kompaktes Mobiltelefon vorgestellt, das durch eine besondere Bedienung auffällt: Es wird zwar wie so viele Smartphones und PDAs mit einem Touchscreen bedient, nutzt aber zur Abtastung Lichtwellen. Dadurch muss kein Druck auf den Bildschirm ausgeübt werden und es genügt ein Streicheln, um Befehle auszuführen.
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Der Touchscreen im Neonode N2 arbeitet mit einer anderen Technik als man es bisher gewohnt ist. Ein zwei Millimeter dicker Rahmen schickt ständig Lichtwellen vom linken Displayrand zum rechten und vom oberen Rand zum unteren. Damit misst der Touchscreen, an welcher Stelle Befehle ausgeführt werden sollen und es muss kein Druck ausgeübt werden, um Befehle auszuführen.

Wird also der Lichtstrahl durch den Finger unterbrochen, wird der entsprechende Menüpunkt aufgerufen. Dabei ist das Display in drei horizontale Lichtfelder eingeteilt, die die drei nebeneinander abgebildeten Menü-Icons abdecken. Die Navigation des 47 x 77 x 14,7 mm kleinen Mobiltelefons hat im Kurztest gut funktioniert. In den tieferen Ebenen verwirrt die Navigation aber leicht, weil nicht klar wird, ob der Nutzer schon in der tiefsten Menüebene angekommen ist. Erstmals zeigte Neonode diese Steuerung bereits im Vorgängermodell N1, das 2003 vorgestellt wurde.

Ein herkömmlicher 4-Wege-Navigationsknopf unterstützt die Bedienung in manchen Menübereichen. An einem 5-Wege-Navigator wird noch gearbeitet, der dann auch durch Druck auf die Mitte die OK-Funktion ausführt. Neonode setzt im N2 auf WindowsCE 5.x, machte aber keine Aussagen dazu, inwiefern auf das Mobiltelefon neue Applikationen aufgespielt werden können.

Das 2 Zoll große Display stellt bis zu 65.536 Farben bei einer Auflösung von 176 x 220 Pixeln dar. Helligkeit oder Kontrast kann der Nutzer nicht selbst einstellen und diese Werte passen sich auch nicht automatisch den Lichtverhältnissen an. Insgesamt enttäuschte das Display im Kurztest – denn der Betrachtungswinkel ist sehr gering, so dass immer nur der Gerätebesitzer die Handy-Inhalte erkennen kann. Weil das Display dann auch noch stark spiegelte, ließen sich die Inhalte aber ohnehin nicht gut ablesen.

Das Neonode N2 funkt auf den GSM-Frequenzen 850, 900, 1.800 sowie 1.900 MHz und unterstützt GPRS. Das Mobiltelefon besitzt eine 2-Megapixel-Kamera für Schnappschüsse und Videoaufnahmen sowie einen HTML-Browser. Mit einem passenden Media-Player lassen sich Musikdateien der Formate MP3, WAV und WMA abspielen und Videos versteht das Gerät in den Formaten MPEG4 und WMV.

Das Mobiltelefon besitzt zudem eine Software namens Web Radio Recorder (WRR), die kostenlos Musik von Webradiosendern aufzeichnet. Kalender- und Adressdaten können via SyncML mit dem PC abgeglichen werden. Als Speichererweiterung dient eine Mini-SD-Karte, die jedoch unglücklich unter dem Akku platziert ist. Im Lieferumfang soll eine 1-GByte-Karte enthalten sein. Ab April 2007 will Neonode auch die ersten SDHC-Karten von Toshiba für sein Mobiltelefon anbieten. Bis Ende des Jahres erwartet der Hersteller Speicherkarten mit 8 GByte Kapazität.

Neonode gibt die Akku-Gesprächszeit mit 4 Stunden an, im Stand-by-Betrieb soll das Handy 8 Tage durchhalten.

Unklar ist derzeit, ob und wann das Neonode N2 in Deutschland auf den Markt kommt. Den Vorgänger N1 hat es jedenfalls nicht breit im Handel gegeben. Neonode sieht die Ursache darin begründet, dass das Gerät mit 550,- Euro ohne Vertrag zu teuer war. Das aktuelle Modell soll 395,- Euro kosten und Neonode verhandelt derzeit mit europäischen Mobilfunknetzbetreibern darüber, das Mobiltelefon breit anzubieten. [von Yvonne Göpfert und Ingo Pakalski]


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