Zum Hauptinhalt Zur Navigation

Skype soll BIOS-Daten auslesen - aber wozu?

Verstecktes Programm wird beim Laden der Software gestartet. Der Eintrag einer Programmiererin in ihrem Blog sorgt derzeit für Schlagzeilen in der Online-Presse. Bei Experimenten mit einem 64-bittigen Windows hatte die Bloggerin herausgefunden, dass Skype beim Starten ein gut verstecktes und vor Zugriffen geschütztes Programm startet. Dieses liest Daten aus dem BIOS des Rechners aus – ob diese allerdings an die Skype-Server veschickt werden, ist derzeit noch unklar.
/ Nico Ernst
108 Kommentare News folgen (öffnet im neuen Fenster)

Im Programmierer-Blog pagetable.com berichtet(öffnet im neuen Fenster) die nur unter dem Pseudonym "myria" bekannte Entwicklerin, wie sie dem merkwürdigen Verhalten auf die Schliche kam. Unter einer 64-bittigen Version von Windows (ob XP oder Vista ist nicht bekannt) bekam sie beim Starten von Skype die Fehlermeldung, dass ein Programm namens "1.com" nicht ausgeführt werden könnte. Die nur 46 Byte große Datei wurde dazu von der Skype-Anwendung ins temporäre Verzeichnis des Rechners kopiert. Ein Zugriff auf das File war direkt nicht möglich, erst nach einem manuell provozierten Fehler unter Windows (Kernel Panic) gelang der Einsatz eines Debuggers.

Myria hat aus Angst vor Urheberrechtsverletzung die komplette Rückübersetzung des Programms 1.com nicht veröffentlicht, will aber festgestellt haben, dass die Datei Daten aus dem BIOS des Rechners ausliest und diese an die Hauptanwendung von Skype übergibt. Daher auch die Fehlermeldung: 16-Bit-Anwendungen wie .com-Programme werden unter vielen Windows-Versionen in einer virtuellen Maschine ausgeführt, wo sie auch Speicherseiten des BIOS auslesen können. Diese "NT Virtual DOS Machine" (NTVDM) fehlt aber den 64-Bit-Versionen von Windows, was zu dem beschriebenen Fehler führte.

Einige andere Programmierer geben Myria in den Kommentaren zu dem Blog-Eintrag(öffnet im neuen Fenster) Recht und bestätigen die seltsame Aktion der Skype-Software. Allerdings ist bisher nicht abschließend geklärt, welche Daten des BIOS Skype ausliest und ob es sich dabei, wie vielfach behauptet, um eine "Seriennummer" handelt. Zwar hat jedes BIOS einen so genannten "ID String", der für das jeweilige Mainboard und die BIOS-Version eindeutig ist – aber eben nur für diese Bauart des Gerätes, nicht das einzelne Board. Viele Hersteller speichern aber noch eine "Asset Number", die Administratoren beim Verwalten von Rechnern über das Netz helfen soll. Diese Nummer ist für das jeweilige Exemplar eines Mainboards eindeutig.

Ebenfalls noch nicht erforscht ist von den Skype-Hackern, ob die aus dem BIOS kopierten Daten auch an die Skype-Server übermittelt werden. Das dürfte auch reichlich schwierig sein, da die eigentliche Datenübertragung von Skype nicht dokumentiert ist. Dass Skype die Hardware eines Rechners beim Start analysiert, ist dagegen nichts Neues: Bereits Anfang 2006 fiel auf, dass die damalige Version nur auf Dual-Core-Rechnern von Intel Konferenzen mit zehn Teilnehmern erlaubte , wofür bald ein Hack erschien . Für diese Abfrage sind jedoch BIOS-Zugriffe nicht notwendig, der Prozessor lässt sich auch unter 64-Bit-Betriebssystemen über den Befehl CPUID erkennen.

Eine offizielle Stellungnahme von Skype zu den aus dem BIOS ausgelesenen Daten gibt es noch nicht. Bereits Mitte Dezember 2006 bezeichnete ein Skype-Mitarbeiter im Entwickler-Forum(öffnet im neuen Fenster) des Herstellers das Verhalten von 1.com als Fehler ("Bug"), an dem bereits gearbeitet werde.


Relevante Themen