Wie Online-Spiele-Entwickler an Auktionen verdienen können
Sony Online Entertainment (SOE) erlaubt es EverQuest-2-Spielern auf einigen Servern, sich gegenseitig über die Station Exchange Helden, Gegenstände und virtuelle Währung gegen US-Dollar anzubieten und zu verkaufen. Zwar wird auch weiterhin munter auf anderen Online-Marktplätzen gehandelt, doch diese beherbergen eben laut SOE auch Betrüger, die dann das Bezahlte nicht liefern würden.
Auf Station Exchange will SOE dafür sorgen, dass Händler und Verkäufer von Betrügereien möglichst verschont bleiben, die auf vom Publisher nicht erwünschten anderen Auktionsplattformen und Handelswegen auftreten können. Die rechtlichen Probleme, die mit dem Verkauf von virtuellen Gütern aus Spielen einhergehen, haben eBay in den USA – aber nicht in Deutschland – kürzlich dazu veranlasst, entsprechende Auktionen nicht mehr zu erlauben.
SOE hat mittlerweile ausgewertet, was im ersten Jahr nach dem Start der eigenen Auktionsplattform – also zwischen Juni 2005 und Juni 2006 – alles verkauft wurde und wie viel Geld geflossen ist. So seien in dem Zeitraum über Station Exchange Transaktionen im Wert von 1,87 Millionen US-Dollar erfolgt. SOE hat dabei durch Gebühren mitverdient und sich eine weitere Einnahmequelle erschlossen.
Die beiden erfolgreichsten Spieler haben im ersten Station-Exchange-Jahr laut SOE jeweils über 37.000,- US-Dollar durch ihre Auktionsaktivitäten eingenommen – der erfolgreichste schaffte es auf 37.435,- US-Dollar aus 351 Auktionen. In der Liste der 15 erfolgreichsten Verkäufer habe es keinen gegeben, der unter 10.000,- US-Dollar verdiente.
Am meisten Geld habe dabei der Verkauf von Spielcharakteren eingebracht, deren Aufbau den Verkäufer aber auch einiges an Zeit kostet: Bis zu 2.000,- US-Dollar seien für Helden gezahlt worden, bei den 20 erfolgreichsten Spielcharakter-Verkäufen wurden jeweils mindestens 1.000,- US-Dollar verdient. Am meisten Geld erzielte ein Dunkelelf, gefolgt von einem Hochelfen und einem Menschen.
Die durchschnittliche Wechselrate für ein EverQuest-2-Platinstück lag laut SOE ein Jahr nach dem Start der Station Exchange bei stabilen 7,35 US-Dollar. Interessant auch die Verteilung bei den Verkäufern und Käufern: Die erfolgreichsten Verkäufer waren laut SOE zum Zeitpunkt der Datenerhebung 22 Jahre alt, während 34-Jährige am meisten über Station Exchange kauften.
Dennoch konnte nur ein geringer Teil der Spieler große Summen durch die Verkäufe verdienen – der Großteil schaffte es "nur" auf 200 bis 500 US-Dollar pro Monat, wobei Verkaufs- und Abonnement-Gebühren bereits abgezogen wurden. Doch gehe es vor allem Verkäufern von Rüstung und Waffen nicht nur um das Geld, sondern auch darum, mit ihrem Service Ansehen im Spiel zu gewinnen. Das bedingt sich vermutlich auch dadurch, dass Verkäufer in der Regel eher Gegenstände verkaufen, die sie in EverQuest 2 erarbeitet oder hergestellt haben. Seltener sei es, dass Gegenstände in der Auktion gekauft und dann teurer weiterverkauft werden.
Während vor allem männliche Spieler virtuelle Güter über Station Exchange anboten, lag auf Seiten der Käufer die im Schnitt ausgegebene Summe bei den Ausgaben bei beiden Geschlechtern etwa auf gleicher Höhe: 63,- US-Dollar bei den Männern, 66,- US-Dollar bei den Frauen. Klassische Auktionen wurden laut SOE eher selten genutzt, der Sofortkauf war deutlich gefragter, weil Käufer die Gegenstände dann kauften, wenn sie sie auch dringend zu brauchen glaubten – etwa um eine Aufgabe zu lösen oder einen Gegner zu töten.
In Befragungen habe sich auch herausgestellt, dass Spieler mit den Käufen versuchen, zu Freunden aufzuschließen, die schon höhere Spielstufen erreicht hatten. Gekauft haben auch erfahrenere Spieler, die bereits über einen hochstufigen Helden verfügten, aber die Herausforderungen für hochstufige Spielcharaktere einmal aus der Perspektive eines anderen Helden erleben möchten – ohne viel Zeit zu opfern, um diesen erst aufzupäppeln.
SOE-Chef John Smedley sieht in den Ergebnissen den eindeutigen Beweis dafür, dass es seitens der Spieler eine "signifikante Nachfrage für einen sicheren, sanktionierten Online-Marktplatz gibt" , auf dem sie für Geld ihre Spielerfahrung aufwerten können. Die Station Exchange liefere eine "exzellente ergänzende Einkommensquelle" sowohl für SOE als auch seine Spieler. Ob nun die Station Exchange für alle EverQuest-2-Server und auch auf weitere SOE-Titel ausgedehnt wird, wurde noch nicht verkündet – SOEs positive Bewertung der eigenen Auktionsplattform lässt es aber vermuten.