Veräppelt: Windows Vista als Chance für den Mac

Gates spielt in Interviews derzeit Apples Marketing-Strategen in die Hand, indem er sich zu nicht untermauerten, eher verbissen wirkenden Behauptungen hinreißen lässt – etwa gegenüber Newsweek(öffnet im neuen Fenster) , dass in MacOS X mittlerweile fast täglich und bei Windows höchstens einmal im Monat gravierende Sicherheitslücken auftreten würden. Zudem hätte die lange Entwicklungszeit von Vista, ausgelöst durch die Arbeit am Sicherheitssystem, und die frühe Präsentation von neuen Windows-Funktionen dazu geführt, dass andere von Microsoft kopiert hätten und nicht etwa Microsoft der Plagiator sei.
In den spöttischen Apple-Werbespots muss der blasse Windows-PC-Vertreter seit dem Start von Windows Vista auch im hässlichen OP-Hemd antreten, da er ohne Aufrüstung nicht für das neue Microsoft-Betriebssystem geeignet ist. Den Umstand, dass Vista deutlich höhere Hardware-Anforderungen an einen PC stellt und so manchen zum PC-Neukauf verführen wird, will sich Apple zu Nutze machen und seine von einem smarten Jüngling verkörperten Macs als Ausweg aus dem – laut Apple-Werbung – ach so langweiligen Windows-PC-Leben anbieten.
Auch auf der Apple-Homepage kommen die beiden Männer wieder zum Einsatz(öffnet im neuen Fenster) – sie stehen neben einem kurzen Text: "Warum zu Vista upgraden, wenn Sie darüber hinaus upgraden können?" In der Werbeoffensive erklärt Apple zudem, dass es beim Mac schon lange gebe, was Vista erst jetzt zu bieten habe. Darauf haben allerdings auch Mac-User und Analysten schon hingewiesen – auch wenn Gates dem nicht zustimmen möchte.
Trotz der Werbung gegen Vista ist Apple noch erstaunlich ruhig, was die für das Frühjahr 2007 angekündigte neue MacOS-X-Version mit Codenamen "Leopard" angeht. Das ist jedoch bei Apple wie üblich Taktik: Als Apple-Chef Steve Jobs im Sommer 2006 das Produkt ankündigte, sagte er explizit, dass er einige neue Schlüsselfunktionen von Leopard nicht präsentieren wolle, aus Angst, Microsoft könnte versuchen, diese Tools in Vista einzubauen.
Allerdings wissen die Kunden noch zu wenig über Leopard, wie Bajarin betont: "Apple muss jetzt die Gelegenheit beim Schopf greifen und die Aufmerksamkeit auf Leopard ziehen." Unklar ist, ob die Apple-Werbung mit den beiden Männern eine direkte Wirkung auf den Mac-Absatz hat, aber Analysten weisen zumindest darauf hin, dass die Kampagne die Aufmerksamkeit verstärkt auf Apple gezogen habe. [Netzeitung/Golem.de]