Spieletest: Armed Assault - Betatest zum Vollpreis
Wie auch schon Operation Flashpoint besticht Armed Assault vor allem durch seinen Realismus, die große Fahr- und Flugzeugauswahl, eine sehr große Insel, die man zu Fuß lieber nicht durchquert und eine beeindruckende Weitsicht, sofern die Hardware den hohen Anforderungen standhält. Eine größere Kampagne, die dank kleinerer Nebenmissionen durchaus abwechslungsreich gestaltet ist, sorgt für die notwendige Stimmung im Einspielermodus. Leider kommt die Kampagne qualitativ nicht an die von Operation Flashpoint oder die dafür erschienenen Erweiterungen heran.
Für das kurze Spiel zwischendurch stehen einige Einzelmissionen zur Verfügung, die aber teils erst freigespielt werden müssen, am Anfang also gesperrt sind. Die Trainingsmissionen, die bei Operation Flashpoint noch in die Geschichte eingebettet wurden, sind diesmal ausgelagert.
Armed Assault ist nichts für zwischendurch, sondern insgesamt recht schwer: Alleingänge des gesteuerten Soldaten werden nur zu oft mit dessen vorzeitigen Ableben bestraft. Auf der anderen Seite sollte der Spieler nicht hinter seinen Kameraden die Deckung suchen sondern stattdessen diese kräftig unterstützen und im Verlauf des Spieles auch kommandieren – soweit die Theorie.
Die hier getestete Version von Armed Assault (1.02a, 1.02b behebt nur Probleme mit dem fehlerhaften Installer) unterscheidet sich von der Verkaufsversion vor allem durch ein überarbeitetes Flugmodell. So lassen sich Hubschrauber jetzt sehr viel besser fliegen. In der Ur-Version endete der Versuch einen Hubschrauber mit dem Joystick zu fliegen oft mit einem schwer nachvollziehbarem Absturz. Die Steuerung der Hubschrauber ist deutlich schwerer geworden, als es noch in Operation Flashpoint der Fall war.
Während die Macken bei den Gegnern noch ganz amüsant sind, hört der Spaß bei den eigenen Teammitgliedern also recht schnell auf. Oft sitzt der Spieler in einem Wagen der von der KI gesteuert wird. In diesem Falle ist man der KI ausgeliefert und kann nur hoffen, dass diese ihren Weg findet. Im einschlägigen Foren finden sich dazu Tipps: Am besten erledigt man die eigenen Fahrer mit einem gezielten Schuss und fährt ggf. kritische Fahrzeuge selbst – sicher nicht im Sinne des Erfinders.
Mit viel Glück schaffen die Feinde beim nächsten Mal die Wegfindung. Wohl dem, der oft speichert, um die (gegnerische) KI zu retten. In unserem Falle war es der KI auch bei gut einem Dutzend Anläufe nicht möglich, über die Brücke zu fahren, irgendein Fahrzeug fuhr immer gegen ein Gebäude und entschied sich danach für die Abkürzung.
Wem die missratene KI nicht ausreicht, der kann in den Optionen eine "Super KI" aktivieren – das ändert aber nichts an ihren Fahrkünsten.
Dass die Missionsbeschreibungen teilweise nicht lesbar sind, weil sie nicht in das Feld passen, HTML-Code und Platzhalter zu sehen sind ("Text hier") und Sekundärziele nicht lösbar sind, stört angesichts der anderen Fehler des Spiels kaum noch. Die Liste der Störungen lässt sich noch erweitern und stellt nur eine kleine Auswahl dar.
Die kostenlose Demo-Version(öffnet im neuen Fenster) 1.03 (erste Version) war im Test deutlich stabiler als das "vollständige" Spiel. Die Demo besitzt zudem kleinere Zusatzfunktionen, die der Verkaufsversion (noch) vorbehalten sind und vermutlich erst im Februar 2007 nachgefügt werden.
Armed Assault ist hier zu Lande bereits im Handel erhältlich und kostet 45,- Euro. Als Kopierschutz kommt Securom zum Einsatz, der während des Tests keine Probleme machte. In den Armed-Assault-Foren wird jedoch dringlich darauf hingewiesen, möglichst eine aktuelle Firmware auf dem DVD-Laufwerk zu haben und den Regionalcode 2 zu nutzen.
Fazit:
Auf Grund der vielen technischen Probleme gerät der Inhalt des Spiels zwangsläufig in der Hintergrund. Man hat eher das Gefühl, ein Betatester eines Spiels zu sein, das noch Monate vor der Fertigstellung steht und sich auch im Spielinhalt nicht von Operation Flashpoint abheben kann. Insbesondere die Missionen wirken lieblos zusammengesetzt, die kurze Geschichte ist nicht erwähnenswert und ein Hineinversetzen in eine Rolle findet nicht statt. Leider liegt der Fokus der Entwickler derzeit offensichtlich bei der Fehlerbereinigung der Demo-Version und der Vorbereitung für die Spielveröffentlichung in anderen Ländern Mitte Februar 2007. Nur leidensfähige Soldaten sollten derzeit zum Spiel greifen, denn der ungetrübte Spielspaß muss erst noch per Patch hinzugefügt werden.



