Action-Titel von Bethesda enttäuscht. Die Star-Trek-Lizenz war in den letzten Jahren selten ein Garant für gute PC- und Videospiele – Fans von Enterprise und Co. wurden meist mit eher lieblosen Umsetzungen des von Gene Roddenberry erdachten Science-Fiction-Universums abgespeist. Star Trek Legacy für Xbox 360 und PC bildet da leider keine Ausnahme – und das, obwohl viel Potenzial in dem Titel schlummert.
Auf dem Papier hört sich Star Trek Legacy zweifellos vielversprechend an, der Titel konzentriert sich nämlich nicht auf eine bestimmte Epoche der Star-Trek-Geschichte, sondern deckt gleich 40 Jahre ab. Der Spieler darf so nach und nach in die Rolle der Kapitäne aller fünf TV-Serien schlüpfen. Die Hintergrundgeschichte wird dabei chronologisch erzählt, sämtliche Missionen sind grundsätzlich miteinander verbunden.
Leider patzt Legacy allerdings bereits an dieser Stelle – anstelle von stimmungsvoll in Szene gesetzten Zwischensequenzen gibt es ein paar Comics, Standbilder und Dialogfetzen, wirkliche Atmosphäre kommt hier weder zu Beginn noch im Spielverlauf auf. Die Stimmung hebt sich somit erst wieder, wenn das erste Mal die Enterprise gesteuert und der Weltraum durchflogen werden darf. Im ersten Moment macht das 3D-Modell des berühmten Raumschiffes nämlich einen wirklich guten Eindruck.
Zwar fehlt eine Ansicht von der Brücke aus, stattdessen wird die Enterprise immer aus der Verfolger-Perspektive angezeigt, so detailliert wie hier dürften Star-Trek-Anhänger ihren Lieblingsraumgleiter aber in einem Spiel noch nie zu Gesicht bekommen haben. Dabei ist man fast nie alleine unterwegs, sondern hat noch eine kleine Flotte dabei, die durch simple Kommandos ebenfalls dirigiert wird.
Schade nur, dass die KI der begleitenden Schiffe praktisch nicht vorhanden ist – nie kann man sich sicher sein, dass auch wirklich das getan wird, was befohlen wurde. Und das ist nur eines von vielen Problemen: Die Steuerung ist – vor allem am PC mit Maus und Tastatur – unglaublich hakelig, schlecht belegt und ungenau. Die Raumschiffe sind zudem träge und behäbig. Wer actiongeladene Raumschlachten erwartet hat, fühlt sich bald eher so, als würde er Öltanker im Meer manövrieren; die Zielerfassung der Torpedos und Phaser tut ein Übriges dazu, die Gefechte zu einer teils sehr anstrengenden Angelegenheit werden zu lassen.
Die Liste der Spielspaßmängel hört an dieser Stelle allerdings längst noch nicht auf: Die Missionen warten zwar mit theoretisch sehr unterschiedlichen Zielen wie Eskort-Aufträgen, Klingonen-Scharmützeln oder Irrfahrten durch Asteroiden-Felder auf, spielen sich prinzipiell aber trotzdem allesamt sehr ähnlich. Eine taktische Komponente gibt es im Grunde nur auf dem Papier.
Wer es von früheren Star-Trek-Spielen gewohnt ist, seine Flotte strategisch klug im All zu bewegen, kann derartige Planungen hier getrost ignorieren. Frei im All bewegen lassen sich die Raumschiffe ohnehin nicht, denn alle Aufträge finden in eng begrenzten Arealen statt, die zudem auch noch recht hässlich aussehen und technisch nicht auf der Höhe der Zeit wirken. Zwischenspeichern ist auch nicht möglich: Wer innerhalb einer gerne auch mal 60 Minuten langen Mission stirbt, muss von vorne anfangen.
Star Trek Legacy ist für PC und Xbox 360 bereits im Handel erhältlich und kostet etwa 50,- bzw. 70,- Euro. Das Spiel hat eine USK-Freigabe ab zwölf Jahren erhalten.
Fazit: Wie bei so vielen anderen Star-Trek-Spielen zuvor muss man auch bei Star Trek Legacy schon sehr großer Fan von Kirk und Co. sein, um sich diesen Titel schönzureden – ohne die Lizenz wäre der Titel nämlich kaum eines zweiten Blickes würdig: träge Action ohne Tiefgang, die zudem abgesehen von den Raumschiffmodellen auch noch technisch antiquiert wirkt und sich auch noch nur sehr unkomfortabel bedienen lässt. Spiele, die ihr Geld wert sind, sehen definitiv anders aus.