Lizenzprobleme stoppen Gentoo/FreeBSD

Auch andere BSD-Ausgaben betroffen

Der Hauptentwickler des BSD-Derivates Gentoo/FreeBSD hat die Entwicklung vorübergehend eingestellt, da er auf Lizenzprobleme zwischen einer Bibliothek und einem Daemon aufmerksam geworden ist. Diese verhindern die weitere Verbreitung der Software, betreffen aber bei weitem nicht nur Gentoo/FreeBSD. Vielmehr hätten sie eventuell Auswirkungen auf alle BSD-Derivate, darunter beispielsweise auch OpenDarwin.

Artikel veröffentlicht am , Julius Stiebert

Diego Pettenò, Gentoo/FreeBSD-Hauptentwickler, berichtete von dem entdeckten Problem in seinem Blog. Demnach musste er die Entwicklung vorübergehend einstellen, da ein Lizenzproblem zwischen der Bibliothek Libkvm und dem Start-Stop-Daemon die weitere Verbreitung der Software verhindert. Der Start-Stop-Daemon unterliegt den Bestimmungen der GPL, die Libkvm hingegen der 4-Klausel-BSD-Lizenz. Diese enthält eine Werbungsklausel, die beim Bewerben eines Produktes verlangt, alle beteiligten Entwickler zu nennen und ist damit inkompatibel zu der GPL. Da der Start-Stop-Daemon allerdings gegen die Libkvm, eine Userspace-Schnittstelle zum Kernel, gelinkt ist, liegt bei einer Verbreitung ein Lizenzverstoß vor.

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Die neue Fassung der BSD-Lizenz (3-Klausel-BSD-Lizenz) verzichtet auf diese Forderung und ist somit auch von der Open Source Initiative anerkannt und kompatibel zu der GPL. Hinzu kommt allerdings, dass die GPLv2 auch das Linken zu GPL-inkompatiblen Systembibliotheken, wie Libkvm, erlaubt. Das zuerst angenommene Problem wies also nur auf ein grundlegendes hin: Alle BSD-Derivate enthalten noch unter der 4-Klausel-BSD-Lizenz freigegebene Anwendungen.

Die Berkeley-Universität, an der BSD entwickelt wurde, hob diese Klausel 1999 für die von ihr veröffentlichten Programme auf. Doch Pettenò stellte schnell fest, dass die Universität nicht der einzige Copyright-Halter ist. Demnach müssten erst einige Entwickler zustimmen, dass die Lizenz der von ihnen mitprogrammierten Software von der 4-Klausel- in die 3-Klausel-BSD-Lizenz geändert wird.

Doch selbst wenn dieses Vorhaben angegangen werden sollte, sei es schwierig, so Pettenò. Die Listen der Programmierer im Quelltext seien unter Umständen nicht vollständig, manchmal sei nur ein Projekt oder eine Firma anstatt einer einzelnen Person genannt. Zudem gebe es Programme, an der die Universität von Berkeley nie das Copyright hielt und die somit weiterhin unter der 4-Klausel-BSD-Lizenz stehen. Eine Nennung der entsprechenden Autoren wäre also bei jeder Werbeform notwendig. Dabei ist der Begriff der Werbung allerdings nicht einmal eindeutig geklärt, beispielsweise bleibt die Frage, ob dies auch eine Dokumentation mit einschließt.

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Auch betrifft das Problem nicht nur Gentoo/FreeBSD, sondern vielmehr alle BSD-Derivate. Pettenò fand sogar betroffene Programme in OpenDarwin, der frei zugänglichen Fassung des Darwin-Kernels und damit der Grundlage von Apples MacOS X. Ob dieses selbst auch betroffen ist, wolle er erst noch überprüfen. Ob hier jedoch auch eine Inkompatibilität zu verwendetem GPL-Code vorliegt, vermochte Pettenò ebenfalls nicht zu sagen.

Die zuerst befürchtete Inkompatiblität zwischen der Libkvm und dem Start-Stop-Daemon liegt zwar nicht vor, da Libkvm eine Systembibliothek ist und das Linken somit durch die GPL gestattet. Zudem wurde der Start-Stop-Daemon ursprünglich als Public Domain veröffentlicht, so dass eine Neulizenzierung der alten Version möglich wäre. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass die BSD-Derivate noch einigen unter der 4-Klausel-BSD-Lizenz veröffentlichten Code enthalten, der generell problematisch ist, da er zu Lizenzverstößen führen kann.

Ob die entdeckten Probleme nun weitere Auswirkungen auf die BSD-Derivate haben, ist noch nicht abzusehen. Gentoo/FreeBSD jedenfalls wird laut Pettenò bis zur Klärung nicht weiterentwickelt und steht auch weiterhin nicht mehr zum Download bereit. Zwar geht Pettenò davon aus, dass sich die Probleme lösen lassen, er zog sich nun aber erst einmal komplett aus dem Gentoo-Projekt zurück.

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Gnom 31. Jan 2007

Ich dachte immer, Gentoo nutzt einen Linux-Kernel?! O.o

Vussel 09. Jan 2007

Lang lebe BSD! (Nötigenfalls untot)

e-user 09. Jan 2007

Geh und kriech ESR weiter in den Ar***..

e-user 09. Jan 2007

On /. that would have been a 5: Informative. Thank you!



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