Benq-Verwalter: Kein Investor gefunden (Update)
Im Rahmen einer Pressekonferenz kritisierte Prager gleich zu Beginn: "Da sind in der Vergangenheit Äußerungen durch Dritte erfolgt, und Hoffnungen geschürt worden." Diese müsse er nun enttäuschen: "Per Stand heute, 12 Uhr, liegt mir kein Kaufangebot vor." Insgesamt habe sein Team über 100 Gespräche mit potenziellen Investoren geführt, 31 mögliche Anleger habe man zu intensiveren Verhandlungen geladen. Dennoch habe sich bisher kein Käufer für die insolvente Benq Mobile gefunden.
Ein Hauptgrund sei das enorm kapitalintensive Geschäft mit der Fertigung von Handys. Neben einem Kaufpreis für das Eigentum des Unternehmens müsse ein Investor laut Prager im Jahr 2007 noch einen dreistelligen Millionenbetrag für die laufenden Kosten aufbringen, insbesondere für den Kauf von Bauteilen. Zudem hätten die Marken "Benq" und "Benq Siemens" einen "Wertverlust" zu verzeichnen, so Martin Prager. In den vier Monaten seit Beantragung der Insolvenz habe das Unternehmen statt geplanter Umsätze von 391 Millionen Euro nur 51,3 Millionen Euro erwirtschaftet und dabei 908.000 Mobiltelefone verkauft. Der Umsatz sei damit auf 13 Prozent des geplanten Betrages eingebrochen.
Vor allem habe der Wegfall der eigenen Vertriebsgesellschaft die Verkäufe erschwert. Um die Umsätze überhaupt noch zu sichern, hätte man die Geräte nur noch per Vorkasse verkauft. In West- und Mitteleuropa seien die Marken besonders geschwächt, anders jedoch in Russland: Dies sei, so Prager, auch nach der Insolvenz "ein stabiler Markt" gewesen.
In den Verhandlungen mit möglichen Käufern habe sich schnell gezeigt, dass die so genannten "kleinen Lösungen" wenig attraktiv seien: Es rechne sich für die Anleger nicht, nur Unternehmensteile wie die Fertigung oder Forschung und Entwicklung zu kaufen. Im Moment spricht Prager laut eigener Aussage nur noch über eine "große Lösung", also den Verkauf der Benq Mobile als Ganzes.
Nachtrag vom 3. Januar 2007, 14:45 Uhr:
Da sich aber bis zum Stichtag vom 31. Dezember 2006 noch kein Käufer gefunden hat, hat Prager nun dem Betriebsrat die Schließung des Unternehmens mitgeteilt. Noch bis Ende Januar 2007 läuft die "Auslaufproduktion" so Prager, im Werk in Kamp-Lintfort mit 165 Mitarbeitern. Damit sollen die vorhandenen Bestände "wertoptimiert" werden, um für die Gläubiger erhalten zu werden. Für weitere Abwicklungsarbeiten werden in München noch rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.
Mit der Schließung von Benq Mobile hat das Unternehmen laut Martin Prager noch 2.774 Angestellte, die in die beiden von Siemens mitfinanzierten Transfergesellschaften wechseln könnten. 2.517 hätten dieses Angebot angenommen, den restlichen müsse er nun noch im Januar kündigen, sagte Martin Prager.
Nach der Abwicklung der noch bestehenden Aktivitäten der Benq Mobile müssen die Gläubiger bis Mitte Februar ihre Ansprüche beim Insolvenzverwalter anmelden. Am 21. März 2007 findet dann die Gläubigerversammlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dem folgt am 15. Mai 2007 ein Prüfungstermin, bei dem jedem Gläubiger mitgeteilt wird, ob seine Forderung anerkannt wurde oder nicht. Während diesem gesamten Prozess kann Benq Mobile noch gekauft werden.
Überraschend offen gab Martin Prager auf Nachfragen auch seine Meinung zu den Gründen der Pleite an. So sei zwar das Handy-Geschäft von Siemens anfangs durchaus erfolgreich gewesen. Dann hätten sich aber, verbunden mit häufigen Wechseln der Verantwortlichen, im Jahr 2003 "Management-Fehler" eingeschlichen. Davon habe sich das Unternehmen nicht erholt. Die Benq Corporation war sich laut Prager "nicht klar über die Komplexität des Geschäftes, das sie da übernommen hat.". In den Verhandlungen mit möglichen Investoren hätten im übrigen die viel diskutierten Patentverwicklungen zwischen Siemens, Benq Mobile und der Benq Corporation kaum eine Rolle gespielt.
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