Saddams Hinrichtung im Handy und auf YouTube

Video schürt Völkerhass statt Völkerverständigung

Während im irakischen Fernsehen erst nur Ausschnitte aus Saddam Husseins Weg zum Galgen zu sehen waren, zeigt ein wackliges, dem Anschein nach heimlich per Handy-Kamera aufgenommenes Video die Erhängung des irakischen Ex-Diktators. Das vertonte Video macht laut Agenturberichten nicht nur im Irak die Runde, es findet sich auch schon auf YouTube - und ist nach Anmeldung ohne valide Altersüberprüfung auch ohne Probleme von Minderjährigen einsehbar.

Artikel veröffentlicht am ,

Das zweieinhalb Minuten lange, sehr wacklige Video - das ein Ausschnitt aus einer längeren Videosequenz sein soll - wurde laut Medienberichten in der Zentrale der irakischen Militärpolizei aufgenommen. In Bagdads Schiiten-Viertel soll das Video laut Berliner Zeitung ein Verkaufsschlager sein. Auf die von Google übernommene Video-Plattform YouTube.com wurde es von einem jungen Erwachsenen aus England eingestellt. Der Abruf ist dort nur für angemeldete Erwachsene erlaubt - allerdings ist der einzige Altersnachweis das vom Nutzer angegebene Alter, so dass derzeit auch Minderjährige ohne Probleme Zugang bekommen.

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Im YouTube-Forum zweifeln einige wegen der schlechten Qualität, der Schnitte und einem vermuteten Unterschied zum offiziellen Mitschnitt daran, dass es sich um ein echtes Video handelt. Auch machen erste Verschwörungstheorien die Runde, wonach Saddam noch lebt. Die Diskussion unter dem Video ist allerdings primär eine Aneinanderreihung von wüsten Schmähungen gegen Saddam Hussein, gegen die USA, gegen verschiedene Personen, Volksgruppen und Länder. Nur eine Handvoll Beiträge widmen sich mit sachlichen Worten dem Ende des Diktators, den Folgen der Hinrichtung sowie der Frage nach dem Recht und Unrecht von Hinrichtungen.

Auch bei der Hinrichtung selbst gab es dem Video zufolge Schmähungen, ein Schiitenvertreter rief Saddam vor dessen Ende ein "Fahr zur Hölle" zu. Zudem rufen Zeugen der Hinrichtung kurz vor der Exekution den Namen von Saddams schiitischen Widersacher Moktada as-Sadr. Moktada ist laut taz ein Prediger und Milizenchef, dessen "Mahdi-Armee" für unzählige Morde an Sunniten verantwortlich gemacht wird und dessen Vater 1999 vermutlich vom Saddam-Regime umgebracht wurde. Das Video, das laut taz "einen krassen Mangel an Rechtsstaatlichkeit [im Irak] nahelegt" soll auch seinen Weg in die irakischen Fernsehsender gefunden haben.

Die Hinrichtung des irakischen Ex-Diktators wurde international von Kritik begleitet. Wegen der generellen Frage nach der Rechtmäßigkeit von Hinrichtungen, weil Saddam damit nicht mehr für die weiteren anstehenden Verfahren zur Verfügung steht, mit denen die Ermordung vieler Menschen geahndet und aufgearbeitet werden sollte und letztlich auch wegen der Sorge, dass die Hinrichtung für noch mehr Gewalt sorgen wird, als ohnehin schon im Irak ausgeübt wird. Saddams Anhänger haben laut Medienberichten bereits Vergeltung angekündigt.

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Laut der Golem.de-Schwesterpublikation Netzeitung.de will die irakische Regierung nun herausfinden, wie es dazu kommen konnte, dass die Hinrichtung von Saddam Hussein heimlich gefilmt wurde.

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hicham 09. Jan 2007

hicham 09. Jan 2007

und wann scheubel und stoiber sind in die rei

ThadMiller 08. Jan 2007

Blödmann!

Nameless 07. Jan 2007

Endlich eine Killerapplikation gefunden: Handy-Kamera Jetzt hat auch UMTS (HSDPA/HSUPA...



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