CSS10 - Cascading Stylesheets feiern 10. Geburtstag

Mit einem Tag Verspätung – erst am 19. Dezember 2006 – feierte das World Wide Web Consortium (W3C) den 10. Geburtstag der Stylesheet-Sprache CSS. Bereits am 17. Dezember 1996 veröffentlichte das W3C die Version 1.0 seiner CSS-Spezifikation inmitten eines tobenden Browserkrieges zwischen Netscape (jetzt AOL) und Microsoft, den letztendlich Microsoft für sich entschied.
CSS war nicht zuletzt wegen der mehr als mangelhaften Unterstützung über eine Javascript-Emulation ( JSSS(öffnet im neuen Fenster) ) in Netscapes Browser der Version 4.x ein Problem. Die Nutzung von CSS 1 und des zwei Jahre später erschienenen CSS 2 ließ so manche Kinnlade herunterklappen, angesichts des "zerschossenen" Layouts. Aber auch der Internet Explorer bis hinauf zur Version 6.0 hat so seine Schwierigkeiten(öffnet im neuen Fenster) mit CSS.
Verschiedene Boxmodelle, der Quirks-Mode und etliche Fehler machen die Nutzung von CSS bis heute zu einer Herausforderung, so dass ein Teil der Webdesigner sich auf Regeln zur Schriftformatierung beschränkt und bestenfalls einen "Hover"-Effekt über Links nutzt. Vererbung, Spezifität, Pseudoelemente und Positionierung blieben CSS-Spielwiesen wie A List Apart(öffnet im neuen Fenster) vorbehalten und beeindruckende Demos ( CSS1: Complexspiral/Glassy-Demo(öffnet im neuen Fenster) ) ein Wunschtraum.
Die Angst vor Style Sheets(öffnet im neuen Fenster) bestimmte das Bild der Webdesigner, wie Jeffrey Zeldman es einmal formulierte – die Angst vor neuer Technik und vor den Kunden der Webdesigner. Doch die Vorteile lagen auf der Hand: Reduktion der Bandbreite und einfaches Anpassen des Layouts, zu einer Zeit, als Template-basiertes Webdesign noch nicht sehr verbreitet war und der alte Modem-Anschluss noch zum Alltag gehörte.
Mit den moderneren Browsern und dem De-facto-Verschwinden von Netscape 4 verlor das klassische – tabellen- und framebasierte – Webdesign mehr und mehr an Bedeutung. Die Trennung von Inhalt und Layout wurde wichtiger und damals kleine Browser wie Mozilla, iCab, Opera und später auch Konqueror zeigten dem Riesen Microsoft, wie es besser geht.
Zehn Jahre nach der ersten CSS-Spezifikation sieht die Welt für Nutzer und Designer rosiger aus. Dank Mozillas Bemühen fühlte sich auch Microsoft genötigt, wieder an dem eigenen Browser zu arbeiten und mit dem Internet Explorer 7.0 steht ein User Agent – wie das W3C Browser gerne nennt – bereit, der auch mit modernem CSS-Code gut umgehen kann. Das jedoch noch immer nicht fehlerfrei und unter Ausschluss von Windows-2000-Nutzern, so dass auch heute das Testen alter Internet-Explorer-Versionen ins Pflichtenheft eines jeden Webdesigners gehört.
Trotzdem erleichtert es die Arbeit der Webdesigner – und der Nutzer hat auch etwas davon. Dieser kann idealerweise sein eigenes Stylesheet nutzen und so größere Manipulationen an Webseiten vornehmen. Blinde Nutzer, die mit der Braillezeile lesen und Tabellenstrukturen nur schwer erfassen können, haben auf modernen Webseiten weniger Probleme und der Handysurfer bekommt ein eigenes Layout präsentiert. CSS verbessert bei richtiger Anwendung sowohl die Zugänglichkeit als auch die Benutzbarkeit.
Den "neuen" Möglichkeiten muss sich jedoch der Webdesigner öffnen, altes tabellenorientiertes Denken abwerfen und sich über die Semantik Gedanken machen. Denn zu CSS gehört auch HTML und nicht gerade selten verleitet die Nutzung von CSS zur "Div-Suppe" bzw. "Divitis": Die übermäßige Nutzung des HTML-Elements
Probleme mit der Darstellung von CSS gibt es trotzdem noch genug. Das Worst-Case-Szenario Acid(öffnet im neuen Fenster) liegt dem Internet Explorer noch immer nicht. Selbiges gilt jedoch auch für Firefox, der den oft kritisierten Test immerhin in einer Vorversion bereits besteht . Die kleinen Browser waren hier schneller: Konqueror/Safari, Opera und iCab bestehen den Acid-Test schon länger.
Zudem lässt im mobilen Bereich die Unterstützung von CSS mehr als zu wünschen übrig. So kommt es denn, dass selbst Spiele-Handhelds in der CSS-Darstellung dem ein oder anderen Business-Gerät haushoch überlegen sind und Webdesigner immer noch zwingt, auf CSS mehr oder weniger zu verzichten – wenn denn der mobile Browser überhaupt etwas mit CSS anfangen kann. Ähnliches gilt für die Nutzung von CSS in E-Mails(öffnet im neuen Fenster) .
Für die Zukunft kündigt sich CSS 3(öffnet im neuen Fenster) an, welches dank Modularisierung eine einfachere Implementierung in Browsern verspricht. Die Entwicklung geht jedoch nur schleppend voran, auch wenn die ein oder andere CSS-3-Regel sich durchaus schon in Browsern vorsichtig nutzen lässt und dank Abwärtskompatibilität auch nichts in älteren Browsern verändern sollte.
Passend zum Jubiläum hat das W3C eine Geburtstagsseite(öffnet im neuen Fenster) eingerichtet und einen neuen Validator(öffnet im neuen Fenster) veröffentlicht. Das auf den Namen Fuji hörende Prüfwerkzeug validiert jetzt auf CSS Level 2.1(öffnet im neuen Fenster) , das jedoch noch nicht ganz fertig ist. Da sich die Unterschiede zu CSS 2 in Grenzen halten, ist es dennoch benutzbar. Zudem lässt sich auch auf Vorgängerversionen validieren und die Unterstützung für das kommende CSS 3 bringt der Validator auch schon länger mit.
Eindrucksvolle Beispiele, wie durch den Wechsel eines Style Sheets das gesamte Aussehen einer Homepage verändert werden kann, liefert die Seite CSS Zen Garden(öffnet im neuen Fenster) . Ein moderner Browser ist für die Anzeige jedoch Pflicht.



