Test: Nintendo Wii - Die neue Wunder-Konsole?

Da uns Nintendo glücklicherweise bereits einige Tage vor Markteinführung ein Testgerät und zumindest einige der Launch-Spiele zur Verfügung stellen konnte, blieb genügend Zeit, die Konsole vorab genau unter die Lupe zu nehmen. Allerdings konnten noch nicht alle Möglichkeiten ausprobiert werden; die Internetdienste werden zum Teil erst deutlich nach Markteinführung freigeschaltet.
Wer das 249,- Euro teure Wii-Paket kauft, findet darin neben der Konsole und dem passenden Standfuß den innovativen Wiimote-Controller, die dazu passende Nunchuk-Erweiterung, ein Composite-Kabel mit Scart-Anschluss, das Netzteil, die (lange Zeit geheim gehaltene) Infrarot-Sensorleiste sowie das Spiel Wii Sports. Der Anschluss des Wii ist nicht komplizierter oder langwieriger als bei anderen Konsolen, auch das Aufstellen der per Kabel mit dem Wii verbundenen Sensorleiste - wahlweise mittig auf oder unter dem Fernseher - ist in Sekunden erledigt. Einziger Wermutstropfen: Im Vergleich zum ansprechenden Design der Konsole wirkt die Sensorleiste, die zum Erkennen der Position der via Bluetooth mit der Konsole kommunizierenden Controller nötig ist, etwas billig und trotz der geringen Größe optisch wenig ansehnlich.
Nach dem Einschalten des Gerätes können zunächst die üblichen Grundeinstellungen wie Uhrzeit und Datum vorgenommen werden, bevor dann im so genannten "Mii-Menü" virtuelle Alter Egos erschaffen werden - aus unzähligen Frisuren, Kopfformen, Augen und Nasen werden ein oder gleich mehrere Charaktere erstellt, die ein Abbild des Spielers auf der Konsole darstellen und auch optisch als Spielercharakter in manchen Programmen wie etwa Wii Sports wieder auftauchen. Wer möchte, kann seinen Charakter auch auf der Fernbedienung abspeichern und so beispielsweise mit zu Freunden nehmen.
Im Testlauf funktionierte die Bedienung via Wiimote problemlos "out of the box" - ein Kalibrieren oder Feintuning jedweder Art war nicht nötig. Sollte jemand trotzdem Probleme mit der kabellosen und bewegungsgesteuerten Bedienung haben, können im Wii-Menü die Empfindlichkeit des Bewegungssensors und auch die Position der Sensorleiste eingestellt werden. Ansonsten dauert es aber nur wenige Sekunden, bis die ungewöhnliche Handhabung in Fleisch und Blut übergegangen ist und man fast wie selbstverständlich Menüoptionen nicht mehr per Richtungstasten, sondern einfach via Bewegen der Fernbedienung auswählt. Laut Nintendo funktioniert die Wiimote bis zu einem Abstand von zehn Metern - bzw. bis zu fünf Metern, wenn sie als Zeiger benutzt wird. Weiter als fünf Meter entfernt dürfte aber ohnehin nur selten vom eigenen Fernseher oder der eigenen Leinwand gestanden werden.
Der von zwei AA-Batterien mit Strom gespeiste Wiimote-Controller ist ebenso wie der Nunchuk mit dreiachsigen Bewegungssensoren ausgestattet, reagiert aber nicht nur auf Richtungsänderungen des Spielers, sondern registriert auch die Geschwindigkeit, mit der vorgegangen wird. Auch ein Kippen, Drehen, Hochziehen und vieles mehr ist - je nach gewähltem Spiel - möglich und wird meist sofort und ohne spürbare Latenzzeit im Spiel umgesetzt. Ob dabei vor dem Fernseher gestanden und wild herumgefuchtelt oder ein gemütliches Sitzen auf der Couch mit Bewegungen aus dem Handgelenk präferiert wird, bleibt aber dem Spieler überlassen - beides klappte im Test ähnlich problemlos. Neben den Bewegungssensoren wartet die Wiimote aber natürlich auch mit einigem mehr auf - etwa einem Netzschalter zum An- und Ausschalten der Konsole, einem Steuerkreuz sowie den Knöpfen A, B, Minus, Home, 1 und 2. Auch ein kleines Rumble-Feature sowie ein - allerdings etwas blechern klingender - Lautsprecher sind integriert. Bis zu vier der kabellosen Wiimotes können übrigens am Wii angemeldet und somit angeschlossen werden.
Während die Wiimote im Grunde wie eine klassische Fernbedienung mit der rechten Hand (bei Linkshändern analog die linke Hand) geführt wird, erfordern einige Spiele den Anschluss der Nunchuk-Ergänzung, die dann in der linken Hand gehalten wird. Das Nunchuk verfügt über einen analogen Control Stick sowie einen C- und einen Z-Knopf und wird beispielsweise in Adventures zum Bewegen der Figuren benutzt. Angeschlossen wird der Nunchuk über ein kleines Kabel, das einfach ins Ende der Wiimote gesteckt wird.
Im Vergleich zu den mit hochwertiger Technik vollgestopften Konkurrenz-Konsolen aus dem Hause Sony oder Microsoft ist die Hardware des Wii eher bescheiden ausgefallen: 512 MByte interner Flash-Speicher, der von IBM entwickelte und mit 729 MHz getaktete "Broadway"-Prozessor sowie der Hollywood-Grafikchip von ATI sind zwar technisch der Gamecube-Hardware überlegen, im direkten Vergleich zu den Komponenten von Xbox 360 oder PlayStation 3 aber kaum beeindruckend.
Allerdings war es bekanntlich auch von Anfang an nicht das Ziel von Nintendo, beim technischen Wettrüsten mitzumischen. Angenehmer Nebeneffekt abseits des im Vergleich günstigen Preises: Der Wii ist mit seiner etwa drei DVD-Hüllen großen Form bedeutend kleiner als die Konkurrenz-Konsolen und vor allem ungemein leise - werden nicht gerade neue Daten von der Spieledisc geladen, ist kaum etwas an Geräuschen wahrnehmbar.
Als Spielemedium fungieren ein- oder doppelschichtige optische Discs im 12-cm-Standardformat, das SlotIn-Laufwerk schluckt aber auch die Gamecube-Discs mit 8 cm Durchmesser - der Wii ist komplett abwärtskompatibel zur Vorgängerkonsole. Werden die Klappen an der einen schmalen Seite der Konsole geöffnet oder entfernt, kommen zwei Memory-Card-Slots sowie vier Controller-Ports für die jeweilige Gamecube-Hardware zum Vorschein; es muss sich also niemand ärgern, in der Vergangenheit viel Geld für Nintendo-Peripherie ausgegeben zu haben, vieles kann weiter benutzt werden - selbst Extras wie die Donkey-Konga-Bongos oder der kabellose Wavebird-Controller.
Ansonsten finden sich an der Rückseite der Konsole noch ein AV-Multi-Output-Anschluss für Component-, Composite- oder S-Video und zwei USB-2.0-Anschlüsse. Auch ein SD-Kartenslot ist vorhanden - so lässt sich beispielsweise der interne Flash-Speicher erweitern, gleichzeitig können aber auch Fotos von der eigenen Digitalkamera auf den Screen geholt und nachbearbeitet werden.
Die Menüs
Als Schaltzentrale des Wii fungiert eine Art Channel-Menü, das bei jedem Konsolenstart angezeigt wird. Per Wiimote-Bewegung und Drücken des A-Knopfes kann dann etwa das eingelegte Wii- oder Gamecube-Spiel gestartet oder im Mii-Kanal herumgespielt werden. Ist die Konsole mit dem Internet verbunden, stehen noch mehr Optionen offen - etwa ein kostenloser Nachrichten- oder Wetterkanal. Beide waren allerdings bei unserem Test noch nicht verfügbar, da sie aus nachvollziehbaren Gründen erst nach dem deutschen Verkaufsstart mit Inhalten gefüllt werden sollten - laut Nintendos Presseagentur am 20. Dezember 2006 (Wetterkanal) bzw. 27. Januar 2007 (Nachrichtenkanal). Nintendo will im Laufe der Zeit zahlreiche weitere Online-Channels zur Verfügung stellen, allerdings werden die nur zum Teil kostenlos sein.
Virtual Console und Internet-Anbindung
Bereits ausprobiert werden konnte dafür die Virtual Console - ein Online-Shop, in dem alte Konsolenklassiker zum Download angeboten werden. Zum Testzeitpunkt standen schon diverse Titel vom NES, SNES oder Sega Mega Drive zum Herunterladen bereit. Bezahlt wird mit Wii-Punkten - ein SNES-Game kostet zum Beispiel 800 Punkte, was etwa 8 Euro entspricht. Benötigt wird wahlweise eine Kredit- oder eine Prepaid-Nintendo-Karte, die über den Handel vertrieben werden sollen. Zum Spielen der Oldies bietet sich übrigens der separat im Handel erhältliche Classic Controller für etwa 20,- Euro an, der dem SNES-Eingabegerät nachempfunden ist.
Die Verbindung mit dem Internet ist, DSL-Verbindung vorausgesetzt, übrigens recht problemlos einzurichten. Am einfachsten klappt das Ganze via integriertes WLAN (per IEEE 802.11b/g) - die Konsole sucht automatisch nach verfügbaren Access Points und stellt dann per Knopfdruck die Verbindung her. Eine klassische LAN-Verbindung ist ebenfalls möglich, dafür wird aber ein (nicht im Lieferumfang enthaltener) USB-LAN-Adapter nötig. Beim ersten Online-Start der Konsole müssen übrigens Nutzungsverträge akzeptiert und einige Minuten lang Updates heruntergeladen werden - was die Konsole dabei an neuen Daten installiert, wird dem Nutzer allerdings nicht mitgeteilt.
Bereits zum Verkaufsstart stehen über 20 Wii-Spiele von Nintendo und diversen Drittherstellern im Handel bereit; einige davon werden auf den nächsten Seiten getestet, der Großteil erreichte uns aber leider zu spät - ein umfangreicher Nachtest zu den wichtigsten Wii-Titeln folgt daher in Kürze.
Die beigelegten Spiele
Mit der Idee, Wii Sports der Konsole von vornherein beizulegen, hat Nintendo eine äußerst gute Wahl getroffen - der Titel eignet sich vorzüglich, sich mit der Bedienung der Konsole vertraut zu machen und ist ebenso einsteigerfreundlich wie Multiplayer-tauglich. Insgesamt fünf Sportarten sind hier zusammengefasst - Tennis, Bowling, Golf, Boxen und Baseball. Abgesehen vom Boxen ist der Nunchuk-Controller hier überflüssig, alles wird nur mit der Wii Remote gesteuert. Und obwohl die Titel denkbar simpel gestaltet sind, ist der Spielspaß doch erheblich.
Da die Wii-Konsole vor allem auch für Multiplayer- und Party-Spiele konzipiert wurde, drängt sich zumindest der Kauf einer zweiten Wiimote förmlich auf - und da der Controller alleine etwa 40,- Euro, im Paket mit Wii Play aber gerade mal 50,- Euro kostet, bietet es sich natürlich an, auch diesen Titel seiner Softwaresammlung hinzuzufügen.
Im Grunde gilt hier Ähnliches wie bei Wii Sports: Wieder wurden einige Mini-Games zusammengefasst, wieder eignen sich die meisten davon bestens, den Umgang mit der Wiimote zu erlernen - Schritt für Schritt muss diese hier nicht nur in alle vier Himmelsrichtungen bewegt, sondern auch gedreht, auf dem Bildschirm gezielt oder sonst wie verrenkt werden.
Call of Duty 3
Optisch wartet die Wii-Version nicht mit ganz so vielen Details und Effekten auf wie etwa die Xbox-360-Umsetzung, trotzdem ist die Präsentation auch auf der Nintendo-Konsole gelungen. Der größte Unterschied liegt aber natürlich in der Bedienung - gut also, dass zu Beginn ein Tutorial die ersten Schritte erklärt. Gespielt wird mit Wiimote und Nunchuk, wobei der Wiimote unter anderem die Aufgabe zukommt, die die Maus bei einem PC-Shooter übernimmt - durch Bewegen der Fernbedienung wird nämlich die Kamera bzw. die eigene Sicht gesteuert. Gelaufen wird via Nunchuk, die meisten Aktionen hingegen lassen sich ebenfalls von der Wiimote ausführen - was den Spieler zu Beginn ein wenig verzweifeln lässt.
Das wichtigste Spiel zum Wii-Launch ist natürlich The Legend of Zelda: Twilight Princess - was sich auch schon daran ablesen lässt, dass in den USA mehr als 75 Prozent der Wii-Käufer diesen Titel zusammen mit der Konsole erworben haben. Zelda stellt ohnehin seit Jahren eine der erfolgreichsten und besten Videospielreihen dar, mit Twilight Princess - das übrigens auch für Nintendos Gamecube erscheint - haben sich Shigeru Myamoto und seine Entwickler aber tatsächlich noch mal selbst übertroffen.
Die Entwickler haben diesmal darauf Wert gelegt, Zelda erwachsener und reifer zu gestalten; das Ganze geht, passend zur düsteren Geschichte, ein gutes Stück weg vom Knuddel-Look. Trotzdem werden Zelda-Fans all das wiederfinden, was die Vorgänger schon zu etwas Besonderem machte - angefangen bei der tollen Atmosphäre bis hin zu den typischen Sounds und dem konstant ansteigenden, aber immer fair bleibenden Schwierigkeitsgrad.
Da "The Twilight Princess" auch in spielerischer Hinsicht über jeden Zweifel erhaben ist und wieder einmal Maßstäbe in puncto Stimmung, Umfang, Game-Design setzt, sollte somit wirklich kein Wii-Besitzer diesen Titel verpassen.



