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65 Nanometer: AMD liefert stromsparende Athlon64 X2 aus

Schnelle Prozessoren mit weniger Strombedarf aus Dresden. Wie bereits mehrfach im Vorfeld angekündigt , liefert AMD nun seine ersten Prozessoren mit einer Strukturbreite von 65 Nanometern aus. Das neue Herstellungsverfahren wird zuerst für schnelle Desktop-Prozessoren eingesetzt, nicht für die Server-CPU Opteron. Die neuen CPUs sollen im Ruhezustand viel sparsamer sein als Intels Core 2 Duo.
/ Nico Ernst
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Hergestellt werden die neuen Athlon64-X2-Prozessoren, deren Kern bisher "Brisbane" genannt wurde, allesamt in der auf 65 Nanometer umgerüsteten Fab36 in Dresden. Dort will AMD nach und nach auch andere CPU-Serien von den bisher aktuellen 90 Nanometern auf 65 Nanometer umstellen. Da zuerst X2-Prozessoren mit der neuen Strukturbreite auf den Markt kommen, hat sich AMD entschieden, direkt gegen Intels Core 2 Duo anzutreten. AMD gibt dabei auch die gleiche typische Leistungsaufnahme (TDP) von 65 Watt für seine Produkte an wie der Konkurrent. Von den Modellnummern 4000+ (2,1 GHz) bis 5000+ (2,6 GHz) sollen die neuen X2 nur jene 65 Watt verbrauchen. Intel arbeitet hier mit dem Core 2 Duo E6700 mit 2,66 GHz bei 65 Nanometern nur mit einem unwesentlich höheren Takt.

Die neuen X2-Prozessoren bringen auch die im Sommer 2006 gestrichenen Modellnummern 4800+, 4400+ und 4000+ zurück. Doppelt belegt ist derzeit nur das Modell 5000+. Hier gilt es bei einem möglichen Kauf genau nach der "Ordering Part Number" (OPN) des Prozessors zu fragen, die auch auf dem Heatspreader des Bauteils oder der Verpackung eines "Boxed"-Prozessors aufgedruckt ist.

Die OPNs der neuen CPUs hat AMD noch nicht bekannt gegeben, die der Boxed-Version des 5200+ mit 90 Nanometern und 89 Watt TDP lautet ADA5200CSBOX . Einen Athlon64 X2 5200+ hat AMD noch nicht im Programm, diese CPU ist bei 2,6 GHz, aber 2 x 1 MByte L2-Cache auch nur wenig schneller als der 5000+. Die vier neuen X2-Prozessoren sind mit 2 x 512 KByte L2-Cache ausgestattet. Daran kann man sie, so die Angaben eines Verkäufers korrekt sind, von den bisherigen 4800+, 4400+ und 4000+ unterscheiden, diese waren mit 2 x 1 MByte L2-Cache versehen und hatten bei den genannten Modellen mit 2,4, 2,2 und 2 GHz auch einen geringeren Takt. Die neuen CPUs werden nur für den Sockel AM2 angeboten, die Preise beziehen sich auf 1.000er-Stückzahlen für Wiederverkäufer und PC-Hersteller.

Prozessor Takt L2-Cache TDP Preis (US-Dollar)
Athlon64 X2 5000+ 2,6 GHz 2 x 512 KByte 65 Watt 301,-
Athlon64 X2 4800+ 2,5 GHz 2 x 512 KByte 65 Watt 271.-
Athlon64 X2 4400+ 2,3 GHz 2 x 512 KByte 65 Watt 214.-
Athlon64 X2 4000+ 2,1 GHz 2 x 512 KByte 65 Watt 169,-

Die ersten 65-Nanometer-Prozessoren von AMD erhalten keinen Namenszusatz wie die mit "Energy Efficient" (EE, 65 Watt) oder "Energy Efficient Small Form Factor" (EE SFF, 35 Watt) bezeichneten X2-CPUs mit 90 Nanometern Strukturbreite. Sofern ein Händler die technischen Daten also nicht vollständig aufführt, ist stets nachfragen erforderlich, um herauszufinden, um welchen AMD-Prozessor es sich handelt. Wirkliche Sicherheit, so gestand AMD gegenüber Golem.de ein, kann auch hier inzwischen nur noch die OPN geben. Diese Nummern lassen sich am schnellsten auf der vom Hersteller gepflegten Webseite amdcompare.com(öffnet im neuen Fenster) einsehen.

Mit der neuen Strukturbreite und der nun auch für die schnelleren Modelle gesenkten Leistungsaufnahme gießt AMD in einer an die Presse verschickten Präsentation auch Öl ins Feuer, um die lange Diskussion zur Aussagefähigkeit der TDP-Angaben, die mal als "Thermal Design Power" oder "Thermal Design Point" übersetzt werden. Sowohl AMD als auch Intel verwenden diese Angabe, um PC-Herstellern eine Kalkulation der Kühlungsleistung zu ermöglichen: Wenn ein Kühler beispielsweise 65 Watt zuverlässig abführen kann, garantiert der Hersteller den stabilen Betrieb des Prozessors. Bei beiden Herstellern kann der Prozessor aber durch Programme mit unsinnigen Code-Folgen durchaus auch mehr Leistung aufnehmen, als die TDP angibt.

AMD und Intel berufen sich bei ihren TDP-Angaben stets auf eigene Tests mit real existierenden Anwendungen, geben aber nicht genau bekannt, wie die Messungen erfolgen. Die Leistungsaufnahme eines Prozessors genau zu messen ist ein nicht triviales Unterfangen, da er zum einen über seinen Sockel, aber auch über eigene Steckverbinder auf einem Mainboard wie ATX12V versorgt wird. Meist behelfen sich unabhängige Tester daher mit primärseitigen Vergleichsmessungen an der Steckdose und stellen dabei das gesamte System - mit möglichst identischen Komponenten - gegenüber. Dabei sind dann im Idealfall nur Mainboard und Prozessor unterschiedlich.

Nun will AMD aber einen eigenen Weg gefunden haben, nur die CPUs direkt zu messen - wie genau, gab das Unternehmen auch auf Nachfrage nicht an, vermutlich handelt es sich um massiv umgebaute Mainboards. Dabei will AMD herausgefunden haben, dass ein nicht genau bezeichneter Core-2-Prozessor im Ruhezustand 14,3 Watt aufnimmt, was 22 Prozent der TDP entspricht. Einer der neuen Athlon64 X2 mit 65 Nanometern soll nur 7,5 Watt aufnehmen und damit 11,5 Prozent der TDP, ein EE-SFF-Modell mit 35 Watt TDP sogar nur 3,8 Watt oder 10,9 Prozent. Das muss nicht unbedingt nur Marketing-Gebrüll sein: Typische Büro-PCs warten die meisten Stunden ihrer Betriebszeit nur auf Eingaben des Benutzers, ein AMD-System könnte hier deutlich sparsamer sein.


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