Spieletest: Need For Speed Carbon - Canyons & Stagnation
Neuer Teil der berühmten Rennspielreihe langweilt auf hohem Niveau. Die Need-For-Speed-Reihe ist für Electronic Arts seit Jahren ein sicherer Umsatzbringer im Vorweihnachtsgeschäft; zuletzt dominierte jeder NFS-Titel wochenlang die Verkaufscharts. Auch Need For Speed Carbon dürfte da keine Ausnahme machen – und das, obwohl sich spielerisch mittlerweile durchaus Verschleißerscheinungen bemerkbar machen.
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Eines muss man Electronic Arts bei aller gerechtfertigten Kritik ob beständiger Neuauflagen lassen: Diese Firma weiß, wie ein Spiel inszeniert werden muss. Die Anfangssequenz von NFS Carbon, in der man als Nachwuchsfahrer nach Palmont City kommt, dort die Rivalen der Straße kennen lernt und im Sekundentakt hübsche Menschen und noch hübschere Autos über den Bildschirm flimmern sieht, ist eine Klasse für sich; auch im weiteren Spielverlauf sorgen diese Video-Einspieler immer wieder für viel Atmosphäre. Schade nur, dass die dazugehörige Hintergrundgeschichte mittlerweile vollkommen abgenutzt ist: Ein Nachwuchsraser, der sich gegen rivalisierende Gangs behaupten und so zum berühmtesten Fahrer der Stadt werden soll – langweiliger geht es kaum.
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Palmont City ist in diverse Bezirke aufgeteilt, die allesamt von unterschiedlichen Crews dominiert werden; insofern wird gleich zu Spielbeginn erstmal ein Logo für das eigene Team ausgewählt, mit dem dann Schritt für Schritt neue Stadtteile einverleibt werden. Eine weitere wichtige Entscheidung, die gleich zu Anfang getroffen wird, hat Auswirkungen auf den zunächst verfügbaren Fahrzeugtyp: Nach dem Einführungsrennen im BMW muss zwischen den Klassen "Muscle", "Tuner" oder "Exoten" gewählt werden – wer sich für Letzteres entscheidet, ist dann beispielsweise erstmal im Alfa unterwegs.
Per freie Fahrt kann die Stadt erkundet und nach neuen Herausforderungen Ausschau gehalten werden; alternativ darf über das Menü aber auch einfach per Klick von Rennen zu Rennen gesprungen werden. Die Herausforderungen sind dabei altbekannt: Checkpoint- oder Rundkursrennen, Drift- und Radarfallen-Wettbewerbe sind allesamt schon in den Vorgängern vorhanden gewesen.
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Neu ist dafür, dass der Spieler nicht ganz auf sich alleine gestellt ist: Mit der Zeit schließen sich diverse Crew-Mitglieder dem Team an, die dann nicht nur während des Rennens schlaue Kommentare à la "Du bist Erster!" von sich geben, sondern auch – je nach Typ – praktische Eigenschaften besitzen. So gibt es so genannte Blocker, die auf Knopfdruck Kontrahenten von der Straße drängen; gerade auch bei einer der beständigen Polizei-Verfolgungsjagden eine sehr nützliche Angelegenheit.
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Scouts hingegen können vorausgeschickt werden, um den Kurs zu erkunden und so dann beispielsweise Abkürzungen zu entdecken, die sich zur Zeitersparnis nutzen lassen. Der dritte Typ Crew-Mitglied "saugt" einen hingegen förmlich an und lässt einen so vorübergehend im Windschatten fahren, was einen angenehmen Geschwindigkeitsschub verursacht. Das Anfordern von Crew-Mitglieder-Aktionen ist allerdings immer nur begrenzt verfügbar; nach einer Block-Aktion etwa dauert es einige Zeit, bis wieder aufs Team zurückgegriffen werden darf.
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Neben den Crew-Mitgliedern ist die zweite große Neuerung von NFS Carbon, dass zum Teil die Stadt verlassen und im nahe gelegenen Canyon gerast wird; nicht nur optisch eine nette Abwechslung, sondern auch spielerisch fordernd, da die engen Kurven hier immer mal wieder für einen Adrenalin-Kick gut sind; wer da nicht rechtzeitig bremst, fällt tief.
Vor allem bei den Fahrten gegen die jeweiligen Bosse der Bezirke können die Canyon-Rennen aber auch wirklich an den Nerven zehren; ein Fehler kann reichen, um im ungünstigsten Fall mehrere Rennen nochmals absolvieren zu müssen.
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Natürlich spielt der Tuning-Aspekt auch in Carbon wieder eine große Rolle; neben dem Freischalten von gut 50 lizenzierten Autos sind es eben vor allem die zahlreichen Extras für den eigenen Wagen, die das Gewinnen lohnend machen. Neben unzähligen Ersatzteilen wie Felgen und dergleichen mehr ist zudem die Möglichkeit, dem Fahrzeug ein wirklich halbwegs individuelles Aussehen zu verpassen, verbessert worden: Dank so genannten Autosculpt-Features ist dem Spieler beim Design wirklich mehr oder weniger alles freigestellt.
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Ein großes Problem von Carbon ist allerdings die Tatsache, dass einem hier alles sehr schnell sehr bekannt vorkommt: Die überraschungsarme Story wurde bereits angesprochen, aber auch die Strecken werden immer wieder recyclet. Auch optisch sind die Unterschiede zum Vorgänger kaum auszumachen: Zwar beeindrucken die Fahrzeuge mit wunderschönen Glanz- und Spiegeleffekten sowie zahlreichen Details, die Strecken sind dafür oft eher glanzlos und trist.
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Need For Speed Carbon ist bereits für PC, Xbox, Xbox 360, Gamecube und PS2 im Handel erhältlich. Auch Handheld-Umsetzungen für PSP, GBA und Nintendo DS sind verfügbar, Varianten für PS3 und Wii angekündigt.
Fazit: Die Idee mit den steuerbaren Crew-Mitgliedern ist gelungen, die Rennen im Canyon sind spannend – und trotzdem scheint ein bisschen die Luft raus zu sein aus der Need-For-Speed-Reihe. Carbon wirkt über weite Strecken wie eine recht uninspirierte Fortsetzung mit immer gleichen Strecken und eher enttäuschender Optik. Ein sehr gutes Rennspiel ist das Ganze natürlich trotzdem noch; aber Stagnation kann eben auch auf hohem Niveau enttäuschend sein.