Spieletest: Eisenbahn.exe Pro 5.0 - Zugfahrt mit Hürden
Wenig zeitgemäße Optik und Steuerungsprobleme. Eisenbahn.exe Professional (EEP) ist auch in der aktuellen Version 5.0 in erster Linie eher ein Modellanlagensimulator und weniger ein Zugsimulator - die Veränderungen zur Vorgängerversion betreffen eher Details. Hat sich der Hobby-Eisenbahner erst einmal an die etwas umständliche Bedienung gewöhnt, kann er durchaus in der Rolle des Zugführers versinken. EEP ist aber vor allem von der Qualität der Modellbahnanlagen abhängig, von denen nicht viel Aktuelles mitgeliefert wird, so dass die Erstellung einer eigenen Anlage das Hauptaugenmerk des Spiels darstellt.
EEP ist ein Simulator für Modelleisenbahnanlagen, der nach einiger Einarbeitungszeit nicht nur die Möglichkeit bietet, Anlagen zu erstellen, sondern auch die Möglichkeit, die Steuerung der Züge auch selbst in die Hand zu nehmen und die Fahrt aus der Fahrerperspektive zu genießen. Leider krankt EEP 5.0 noch an Steuerproblemen, bei denen sich das Rollmaterial - also die Lokomotiven und Waggons - etwas störrisch gibt.
So kann es etwa vorkommen, dass sich ein Zug selbst mit Grünsignal mit der Halbautomatik nicht von der Stelle bewegen will oder ein automatisch laufender Zug sich nicht bremsen oder beschleunigen lässt. Warum das so ist, erschließt sich einem nicht unbedingt sofort, insbesondere dann nicht, wenn sich die Lok vor einem Grünsignal nicht von der Stelle bewegen lässt.
Meist hilft es aber zunächst, die Bremsen, die Fahrtrichtung und die Beschleunigung manuell zu bedienen und etwa kurz anfahren zu lassen und wieder zu stoppen. Manchmal ist aber auch ein Haltesignal in der Gegenrichtung schuld, welches eine Kehrfahrt bzw. ein Zurücksetzen verhindert. Anschließend lässt sich das Grünsignal auch mit der Halbautomatik passieren, bei der der Spieler nur eine Richtgeschwindigkeit vorgeben muss.
Auch das Anklicken von Signalen und Weichen klappt nicht immer, trotz vermeintlich freiem Sichtfeld stören oftmals andere Objekte, die dann stattdessen angeklickt werden. Steht etwa ein Zug auf einem Gleis und soll ein daneben liegendes Signal angeklickt werden, wird stattdessen der Triebwagen selektiert - bei ungünstigem Winkel landet man sogar am anderen Zugende. Auch das Durchklicken durch Loks oder Waggons des jeweiligen Zuges wird oft zur Geduldsprobe, so dass eine Nachjustierung der Kamera Pflicht ist, was gerade bei einem Zug in Bewegung ein nicht immer einfaches Unterfangen ist. Ein wenig bei der Orientierung helfen sollte auch der Gleisplan, leider wird dieser nicht in Echtzeit aktualisiert, wenn sich die Maus nicht innerhalb des Gleisplans befindet.
Unvollständigkeiten bei Statusmeldungen und Tooltipps machen dem Eisenbahner das Leben zusätzlich schwer. Zudem würden ein paar Kontextmenüs und eine bessere Mausradunterstützung (vor allem bei der Gleisplanung) dem Spiel durchaus gut tun.
Auf der Haben-Seite beeindruckt der Simulator mit einer Fülle von Optionen, Rollmaterial und Landschaftsmerkmalen. Gleise lassen sich im Editor recht einfach verlegen und kombinieren. Eine Automatik sorgt dafür, dass sich Schienenwege verbinden, wenn sie nah beieinander liegen. Drei kleine Video-Tutorials liefern eine Einführung in den Editor. Die sind bei der Komplexität des Editors durchaus nötig, denn wirklich offensichtlich ist die Funktion der Gleisplanung im Vergleich zur Konkurrenz nicht, zudem lassen sich Gleise (und auch andere Wege) nur im 2D-Modus verlegen. Gebäude hingegen können nach der Platzierung auch im 3D-Modus noch bewegt werden.
Zudem gehört zu der Modellbahnsimulation der "Home-Nostruktor" dazu, ein 3D-Editor, mit welchem sich unter anderem Gebäude und Züge anfertigen lassen. Über einen eigenen Shop auf der offiziellen Homepage lassen sich außerdem noch weitere Immobilien und Rollmaterialen erwerben, sollte das bestehende Material nicht ausreichen. Die Preise fangen bei 30 Cent pro Objekt an. Größere Zuggarnituren in Sets können durchaus 15,- Euro kosten.
Wer die modernen KS-Signale(öffnet im neuen Fenster) inklusive Geschwindigkeitsanzeigen haben will, zahlt je nach Paketgröße bis zu 18,- Euro. Der angehende Modelleisenbahner kann also viel Geld loswerden, alternativ finden sich im Internet aber auch einige kostenlose Modelle. Zudem gibt es mittlerweile auch ein Plug-In, welches Brände und Löschwasserfunktionen erlaubt, aber mit 15,- Euro zu Buche schlägt.
Der Spielspaß hängt vor allem von dem eigenen Können ab - oder von der Qualität der mitgelieferten Anlagen, von denen es bei EEP 5.0 etwa ein Dutzend gibt. Leider bieten nur wenige vorgefertigte Strecken entsprechenden Fahrspaß. Einige sind mehr auf das Betrachten der Anlage im Automatikmodus ausgelegt, andere laufen nur im Tempo einer ausgedienten Rangierlok auf dem Rechner und machen nur allzu deutlich, dass sie schlicht von Vorversionen des Programms übernommen wurden und Funktionen neuerer EEP-Versionen noch nicht Einzug gehalten haben.
Auf der fertigen Anlage "Am Fluss entlang" macht das Hantieren mit Zügen hingegen richtig Spaß. Es fahren mehr als ein Dutzend Züge auf zwei Strecken herum. Züge lassen sich in den laufenden Verkehr einsetzen oder aussetzen und fahren anschließend signalgesteuert automatisch der Linienführung entlang. Auch Überholmanöver für schnellere Züge sind am richtigen Bahnhof ohne weiteres handhabbar. Die Anlage vermittelt bei guter Bildrate, was es heißt, in einem Zugstau festzusitzen, Rangierarbeiten zu erledigen, Kehrfahrten durchzuführen und an einem Kopfbahnhof die Lok wieder an die richtige Stelle zu platzieren.
Mit ein wenig Übung lassen sich durchaus zwei bis drei Züge gleichzeitig bearbeiten. Wie bei anderen Strecken auch sorgt die halbautomatische Steuerung der Züge dafür, dass das Rollmaterial noch vor dem Prellbock oder einem Rotsignal zum Stehen kommt, sofern die entsprechenden Eigenschaften für diese gesetzt wurden. Unfälle wie Zugentgleisungen oder Auswirkungen bei Auffahrunfällen gibt es jedoch nicht. Es ist jedoch nicht so einfach, eine einmal durch eine falsche Weichen-/Signalstellung festgefahrene Situation zu lösen.
Wie bei richtigen Modellbahnen besitzen auch die virtuellen Artgenossen meist einen so genannten Schattenbahnhof, auf dem zahlreiche Züge parken, um ein wenig Abwechslung ins Rollmaterial zu bringen. Je nach mitgelieferter Anlage bedarf es aber trotzdem noch etwas Eigenarbeit, um das System in Gang zu bringen. Das Einsetzen zusätzlicher Züge kann einfach über den Editor erledigt werden.
Grafisch ist der Titel weniger gelungen, auch wenn die Beschreibung auf der Packung anderes verspricht. Die Grafik wirkt altbacken, die Texturauflösung ist nicht gerade hoch und die Spielgeschwindigkeit bricht bei einigen Demoanlagen durchaus in einen unangenehmen einstelligen Bildratenbereich ein. Auch die maximale Sichtweite ist oft nicht ausreichend. Eigenartig wirkt es zudem, wenn der Dampfausstoß einer Dampflokomotive durchaus nett anzuschauen ist, die Lokomotive selbst aus der Nähe eher undetailliert wirkt. Auch der ein oder andere (2D-)Führerstand fehlt im Simulator noch. Gibt es doch einen Führerstand, ist die Sicht teilweise so eingeschränkt, dass beispielsweise Signale über der Lok nicht erkannt werden können, da Kopfbewegungen sehr eingeschränkt sind.
Ein regelrechtes Ärgernis für den Käufer ist der Kopierschutz: Die ausgelieferte Version akzeptiert unter Umständen auch falsch eingetippte Schlüssel. Wer etwa nicht auf Groß- und Kleinschreibung oder auf ähnliche Buchstaben achtet, erlebt sein blaues Wunder. Der falsche Schlüssel lässt das Spiel zunächst normal starten, jedoch quält einen das Programm dann mit einigen Macken wie etwa extrem langsamen Zügen, Problemen mit Bahnübergängen und Ähnlichem, so dass man sich recht früh fragt, ob denn die Spielanleitung richtig gelesen wurde. Des Rätsels Lösung findet sich dann in diversen Foren: Nur wenn der CD-Schlüssel korrekt eingegeben wird, darf das Spiel ohne Einschränkungen genutzt werden. Der aktuelle Patch soll das Problem immerhin beheben.
Der Modellbahnsimulator ist für Windows-PCs bereits im Handel erhältlich und kostet in einer schmucken Metallbox inklusive Signalbuch der Deutschen Bahn als PDF gut 45,- Euro.
Fazit: EEP 5.0 ist nichts für eine kurze Zugfahrt zwischendurch; bis das Spiel bzw. die Simulation beherrscht wird, muss viel Zeit investiert werden. Dabei sorgen die Patzer in der Bedienung, der (mittlerweile behobene) Ärger mit dem CD-Key und die träge Grafik jedoch für den ein oder anderen Frust. Wer einen Fahrsimulator für Züge sucht, liegt bei Eisenbahn.exe Professional nur bedingt richtig und wartet vielleicht lieber auf den Rail Simulator oder den Zusi 3(öffnet im neuen Fenster) . Trotzdem macht das Zugfahren auf zumindest einem Teil der mitgelieferten fertigen Gleisanlagen nicht zuletzt durch den dynamischen Verkehr auf diesen viel Spaß, der natürlich auch auf den selbst erstellten Anlagen aufkommen sollte. Ungeduldige Zeitgenossen lassen jedoch lieber die Finger von der nicht ganz fehlerfreien Simulation.